Selbstreflexion – wie geht das eigentlich?

Oder: Eine Handlungsanleitung für ein verantwortliches Leben

Ich schrieb in letzter Zeit viel über Selbstreflexion und darüber, dass ich sie für absolut notwendig halte, um Lösungen zur Abschaffung des Patriarchats zu finden. Doch viele wissen gar nicht, wie sie sich selbst reflektieren können und was genau damit eigentlich bezweckt werden soll. Daher schreibe ich hier mal einige wichtige Punkte auf.

Detektiv spielen in eigener Sache

Selbstreflexion ist nichts anderes, als sich selbst zu erforschen und zu erfahren. Sie ist eine Reise zu sich selbst und ein Prozess, der in uns selbst große Veränderungen herbei führt. Ein Mensch, der sich auf den Weg gemacht hat, sich selbst zu reflektieren, lernt nicht nur sich selbst immer besser kennen, sondern auch andere Menschen. Das Verhalten gegenüber sich selbst und den Mitmenschen wird sich verändern. Die Erkenntnisse werden sich mehren. Der Geist wird wacher, die Sicht weiter und die Zusammenhänge des Lebens klarer. Es lohnt sich immer, diesen Weg zu gehen.

Sei dir gegenüber aufmerksam

Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber kann erlernt werden durch einfache Meditationstechniken. Verschüttete Gefühle können z. B. durch eine so genannte Körperreise ans Licht gebracht werden. Setze dich bequem hin, schließe die Augen und geh mit dem Geist durch den Körper, angefangen mit den Füßen, über die Beine, den Bauch, den Rumpf, die Brust, die Arme, den Hals, den Kopf. An jeder Station kannst du aufmerksam in dich hinein fühlen, wie es sich dort gerade anfühlt. Dabei kann es sein, dass unangenehme Gefühle hoch kommen. Wichtig ist, diese dann nicht zu bewerten und abzuwehren, sondern anzunehmen. Wenn du z. B. Angst verspürst, dann ist es vollkommen in Ordnung, diese Angst gerade zu spüren. Lass sie zu und verdränge sie nicht.

Bewerte nicht

Nimm die Dinge so wie sie sind, ohne sie mit dem Gewicht eines Wertes zu belasten. Das gilt besonders für deine Gefühle. Die Werte, die du den Dingen des Lebens zuschreibst, entspringen deinen angelernten und antrainierten Überzeugungen aus der Kindheit. Hinterfrage sie und sieh dir an, welchen Wert du einer Sache oder einem Gefühl zuteilst und frage dich, wie es dazu kam und ob es für dich gerechtfertigt ist.

Sieh dir deine Missverständnisse an

Sei dir im Klaren darüber, dass deine Missverständnisse immer bei dir selbst angesiedelt sind und mache nicht deine Mitmenschen dafür verantwortlich. Bemühe dich um Verständnis für alle Botschaften, die dich erreichen. Was du mit den Botschaften der anderen machst, liegt ganz allein in deiner Verantwortung, also auch, was du aus ihnen heraus hörst oder liest. Deine Interpretationen sind immer Missverständnisse der Botschaften, die dich erreichen. Dann entsprechen sie nicht mehr ihrem eigentlichen Inhalt.

Urteile nicht

Wenn du deine Missverständnisse nicht revidierst trotz Klarstellungen, dann haben sich bei dir Urteile gebildet. Werde dir bewusst, dass sie nur dazu dienen, die anderen ab- und damit dich selbst aufzuwerten. Wenn du ein nur geringes Selbstwertgefühl hast, dann wirst du eher dazu neigen. Wenn du dir deine Urteile genau ansiehst, dann wirst du feststellen, dass es in Wirklichkeit Urteile über dich selbst sind.

Bleibe bei dir

Sprich immer von dir selbst, niemals für andere. Du kannst nur für dich selbst sprechen und nur von dir selbst wissen. Was bei anderen los ist und was sie fühlen, denken, wissen, das kannst du nicht wissen. Also lass es bei den anderen und spekuliere nicht, was deren Beweggründe sein könnten, sondern beschäftige dich mit deinen eigenen.

Höre zu

Konzentriere dich auf dein Gegenüber, lass die Worte auf dich einwirken, lass dein Gegenüber ausreden (wenn du ständig unterbrichst, kannst du zwangsläufig auch nicht zuhören), nimm eine offene Haltung ein und wehre nicht ab. Verstehst du etwas nicht, dann frage nach und hole dir ein Feedback. Bleibe auf der Sachebene und versuche nicht, in die Botschaften der anderen etwas hinein zu interpretieren.

Sei nicht beleidigt

Fühlst du dich beleidigt, dann ist das ein Hinweis darauf, dass dich irgend etwas an einem wunden Punkt getroffen hat. Deine wunden Punkte aber kennst nur du selbst. Wenn sie dir noch nicht bewusst sind, dann mache dich auf die Suche nach ihnen. Der Volksmund nennt sie Fettnäpfchen. Verantwortlich ist nicht, wer in diese Fettnäpfchen tritt. In Wahrheit muss du selbst auf deine Fettnäpfchen acht geben. Das geht um so leichter, je besser du sie kennst. Sieh also jedes Mal genau hin, wenn du dich beleidigt fühlst.

Miss nicht mit zweierlei Maß

Kritisierst du gern andere, bist aber zutiefst beleidigt, wenn du von anderen kritisiert wirst? Dann misst du mit zweierlei Maß. Für dich ist es richtig, andere zu kritisieren. Du selbst aber kannst keine Kritik vertragen. Oder du belehrst gern andere. Wenn diese dir aber etwas mitteilen wollen, dann fühlst du dich plötzlich selbst belehrt und wehrst ab. Frage dich also ständig: Ist das, was ich mit anderen mache, auch in Ordnung, wenn diese es mit mir machen? Und machen die wirklich gerade das mit mir, was ich glaube?

Projiziere nicht

Wenn du keine Verantwortung für deine Defizite übernehmen kannst, dann projizierst du sie automatisch auf sich dafür anbietende Mitmenschen. Es sind genau die, deren Verhalten du verurteilst. Dann kannst du sicher sein, dass das Verhalten, was du an ihnen ablehnst, genau bei dir selbst anzutreffen ist. Werfe also nicht den anderen deren Verhalten vor, sondern sieh dir dein eigenes an. Was ist es, was du an den anderen so verabscheust? Kann es sein, dass du dich selbst in Wirklichkeit damit verachtest?

Manipuliere nicht

Verstecke deine wahren Botschaften nicht in irritierende Verpackungen. Richte deinen Blick auf das Was und nicht auf das Wie deiner Botschaft. Bleibe auf der Sachebene. Es ist nicht nötig, wahre Botschaften zu verpacken, um Mitmenschen zu irgend einer Reaktion zu bewegen. Sie werden für sich selbst entscheiden können, was sie mit deiner Botschaft anfangen.

Übernimm Verantwortung

Übernimm für das, was du anderen mitteilen willst, die volle Verantwortung. Werde dir darüber klar, was du mitteilen möchtest, und dann formuliere es sachlich. Du kannst auch Gefühle sachlich formulieren. Bist du z. B. sehr wütend, dann lass die Wut zunächst raus (aber möglichst nicht an anderen Mitmenschen). Wenn die Wut verraucht ist, dann kannst du eine sachliche Botschaft formulieren, dass dich etwas sehr wütend macht.

Lerne von dir und anderen

Wenn du die obigen Punkte ab heute beherzigst, dann hast du den ersten Schritt zur Selbstreflexion getan. Der Prozess kommt jetzt in Gang. Du wirst immer mehr über dich selbst lernen, aber auch immer mehr von anderen.  Du wirst weitere Menschen kennen lernen, die sich ebenfalls auf ihren Weg gemacht haben. Du kannst dich ihnen öffnen und deinerseits von ihren Erkenntnissen und Erfahrungen lernen. Ziehe, wenn du älter bist, die Möglichkeit in Betracht, von jüngeren zu lernen. Scheue dich nicht, wenn du jünger bist, älteren deine Erkenntnisse zu vermitteln. Öffne dich für Neues und Ungewöhnliches. Denke nicht, dass deine Erkenntnisse der Weisheit letzter Schluss sind.

Sei geduldig

Der Prozess, der nun in Gang gekommen ist, ist ein langwieriger, und er wird ein Leben lang anhalten. Du bist niemals fertig mit der Selbstreflexion. Manchmal denkst du, dass du Rückschritte machst. Es wird auch Rückschläge geben. Die sind aber notwendig, damit du noch einmal über diesen Punkt nachdenkst, bis du ihn abgearbeitet hast. Dann wird es weiter gehen. Gestehe dir auch zu, dass du deine Erkenntnisse manchmal nicht auf dich selbst anwenden kannst. Es wird Widerstände von den anderen geben, Vorwürfe, Urteile. Dann mache dir bewusst, dass es nur die Abwehrreaktionen der anderen sind, die sich mit der Veränderung, die du selbst durchläufst, noch nicht anfreunden können. Bleib geduldig und auf dem Weg. Eines Tages wirst du damit umgehen können.

Wenn du allerdings meinst, dies alles hier betrifft dich nicht, sondern nur die anderen, dann hat dich die Botschaft dieses Artikels nicht erreicht.

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Drei notwendige Dinge zur Abschaffung des Patriarchats

Kürzlich machte ich wieder einmal Erfahrungen mit der Gnadenlosigkeit patriarchaler Frauen, die sich massiv angegriffen fühlten aufgrund eigener vorschneller Missinterpretationen. Frauen fühlten sich von mir bedroht, weil ich auf etwas hinwies, was ihnen nicht gefiel und etwas kritisierte, wo sie sich zu Unrecht kritisiert fühlten. Sehr schnell wurde ein Konflikt daraus, dessen Ende (obwohl er natürlich nicht zu ende ist, denn er wurde ja nicht gelöst) war: Ich war die Täterin, die sich auch noch als Opfer stilisierte. Eine Klarstellung war nicht möglich, ich bekam dermaßen unreflektierte und wütende Antworten voller Unterstellungen, Abwertungen, Beleidigungen und sogar Drohungen, dass ich mich gezwungen sah, mich für eine Weile zurück zu ziehen. Um mich an dieser Stelle zu schützen und keine Persönlichkeitsrechte zu verletzen, behalte ich Details für mich.

Dieses Beispiel, ich komme später noch einmal darauf zurück, hat mir einmal mehr vor Augen geführt, dass es nicht reicht, sich einfach nur mit den Fakten des Patriarchats zu beschäftigen, sondern dass es ganz wichtig ist, sich selbst als Teil von diesem zu begreifen mit allen gelernten Überzeugungen, Verhaltensmustern, Denkweisen, ja Ideologien und Verblendungen. Daher sind meiner Erkenntnis nach drei Dinge zwingend notwendig, um das Patriarchat in seiner Gänze zu begreifen und Ansätze zu finden, es abzuschaffen:

1. Wissen um die Entstehung und die Auswirkungen des Patriarchats

Zu diesem Thema haben andere und ich schon so viel geschrieben, dass ich mich hier ganz kurz fasse: Seit ungefähr 8000 Jahren existiert das Patriarchat. Es entstand aus verschiedenen Gründen, u. a. durch Missverständnisse bei der Beobachtung der natürlichen Vorgänge, durch Installieren der Vaterschaft, durch Besitz- und Privateigentum, durch Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der female choice der Frauen. Seit dem nimmt es seinen zerstörerischen Lauf und ist auch nicht, so wie es derzeit aussieht, aufzuhalten. Die Auswirkungen auf den Planeten und die Menschen sind nicht zu übersehen, auch auf deren Psyche nicht. Diese muss noch einmal genauer betrachtet werden:

2. Wissen um die (gestörte) Psyche der Menschen im Patriarchat

Alle Menschen sind im Patriarchat gestört, da sie ihrer natürlichen Lebensweise beraubt sind. Die Menschen tragen allesamt eine Sehnsucht in sich und wissen noch nicht einmal wonach. Sie sind Mangelwesen, deren Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Nähe, Fürsorge, Vertrauen, Geborgenheit nicht oder nur rudimentär befriedigt sind. Diese Bedürfnisse entspringen der natürlichen Lebensweise des Menschen, der Matrifokalität, die seit der Erfindung des Vaters mehr und mehr unterdrückt wurde. Zu den natürlichen Verhaltensweisen und Gefühlen haben die Menschen keinen Zugang mehr. Ich erlebe es auch immer wieder bei der therapeutischen Arbeit in Frauengruppen, wie sehr manche Frauen von ihren Gefühlen abgeschnitten sind, sie überhaupt nicht spüren oder aber, wenn sie hochkommen, sofort bewerten und verdrängen. Diese Bewertungen der eigenen Gefühle sind aus dem Patriarchat entstanden, denn sie stehen im Widerspruch zu dem, was wir eigentlich fühlen. Von Kindesbeinen an wird gerade uns Frauen eingetrichtert, unseren Gefühlen nicht zu vertrauen, denn diese seien falsch. Unsere Wahrnehmung wurde uns abgesprochen, denn so, wie wir es wahrnahmen, war es in Wirklichkeit gar nicht, wir würden uns das alles nur einbilden, wurde uns eingetrichtert. So begannen wir, unseren Gefühlen zu misstrauen, sie zu verdrängen und nur noch das zu glauben, was man uns über uns sagte. Das ist auch der Grund, warum andere Menschen, gerade Männer gegenüber Frauen, glauben, besser über uns Bescheid zu wissen als wir selbst. Wir lernten neue Überzeugungen, Regeln, Verhaltensweisen, die im Widerspruch zu unseren wahren Gefühlen standen. Deshalb verschütteten sie, und der Zugang ist nicht oder nur noch eingeschränkt möglich. Doch um die eigenen Gefühle, Verhaltensweisen, Überzeugungen aufzuspüren, abzulegen, zu ändern und zu befreien, ist es notwendig, sich mit dem nächsten Punkt zu befassen:

3. Permanente Selbstreflexion

Die Tatsache, dass wir selbst, also auch wir Frauen, uns permanent patriarchal verhalten und deshalb genau dieses immer wieder überprüfen müssen, ist eine sehr schmerzhafte Erkenntnis, sind doch wir es, die wir am heftigsten darunter leiden und am vehementesten dagegen kämpfen. Dennoch ist sie zwingend notwendig, und sie ist ein lebenslanger Prozess. Ich behaupte sogar, sie ist als allererstes zu leisten, damit muss begonnen werden, denn Veränderung kann nur aus dem Inneren geschehen. Die Abschaffung des Patriarchats fängt in den Köpfen an. Dazu gehört das Bewusstsein, dass dieser Kopf durch die jahrtausendelange Gehirnwäsche durch und durch patriarchal denkt. Weil der Kopf patriarchal denkt, handelt der Mensch auch patriarchal. Da Männer wie Frauen im Patriarchat durch die ihnen zugeschriebenen Rollenbilder zwangssozialisiert wurden, handeln und denken sie in diesen Rollenbildern. Wie Männer zu sein haben, wie Frauen zu sein haben, wurde uns schon als Kind eingetrichtert. Das passiert heute noch und wird eher schlimmer als besser. Die Rollenklischees bringen uns patriarchalen Menschen bei, dass Männer die Norm und das Weibliche nichts wert ist.

Aus diesen Rollenverhältnissen entstehen Konflikte, nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch und gerade zwischen Frauen, die sehr heftig ausfallen können. Sie wurzeln in den Widersprüchen und Defiziten, die wir in uns tragen, aber auch in den Verletzungen, die uns immer wieder von anderen Menschen zugefügt wurden. Diese seelischen Wunden machen sehr empfindlich, daher ist es auch sehr schwierig, sie zu heilen. Um Wunden heilen zu können, müssen sie zunächst in Augenschein genommen werden, und allein das kann schon weh tun. Daher ist Selbstreflexion auch immer ein Heilungsprozess, aber ein schmerzhafter, der zumindest anfangs oft nicht ohne therapeutische Hilfe gegangen werden kann. Mit der Zeit, je mehr Wunden geheilt und problematische Verhaltensweisen und Überzeugungen abgelegt wurden, desto leichter wird es, mit den eigenen Fehlern und denen der anderen umzugehen. Schmerzen wird es immer wieder geben. Sie werden jedoch erträglicher, je reflektierter die Frau wird. Sie kann sich selbst besser annehmen und akzeptieren und wird sich selbst und andere weniger oft abwerten. Schuldgefühle hat sie besser im Griff oder schon weitestgehend abgelegt. Dadurch ist sie auch besser gegen die Reaktionen weniger oder gar nicht reflektierter patriarchaler Frauen geschützt.

Konflikte können gelöst werden, wenn die Parteien dafür offen sind. Das setzt voraus, dass sich alle darüber bewusst sind, was zu tun ist, wenn es um die Lösung eines Konflikts geht. Zur Selbstreflexion gehört auch Kritikfähigkeit. Diese wird vernebelt, sobald in einer Kritik ein vermeintlicher Angriff enthalten ist. Selbstreflektierte Menschen wissen das und können sich der Kritik, ohne sich angegriffen zu fühlen, öffnen. Wie im obigen Beispiel zu sehen war, ist das dort gründlich schief gegangen. Hier greift wieder meine Erkenntnis über das Sender-Empfänger-Modell: Die Empfängerin muss sich um Verständnis bemühen, wenn sie eine Botschaft verstehen will. Hört sie aber immer nur das heraus, was sie hören will, wird die Sachebene verlassen, die Beziehungsebene kommt ins Spiel und die Kommunikation geht schief, weil Sender und Empfänger auf verschiedenen Frequenzen kommunizieren.

Tägliche, permanente Selbstreflexion will gelernt sein. Sie setzt die Absicht voraus, an sich selbst zu arbeiten. Arbeit ist anstrengend, sie verlangt Pausen, es scheint auch mal rückwärts zu gehen, dann denkt frau, dort schon längst gewesen zu sein, doch in Wirklichkeit ist sie nur ein Stockwerk höher gegangen und guckt von oben zurück. Stück für Stück, je mehr die Frau (den Männern bleibt es auch nicht erspart, aber sie müssen es für sich selbst tun) sich selbst und ihrem Wesen näher kommt, wird sich der schmerzhafte Nebel lichten, den das Patriarchat über unseren Geist gelegt hat. Am Ende zeigt sich Klarheit, die zu einer bewussten Haltung führt. Auch das ist nicht leicht zu realisieren, denn es wird deutlich, dass es nur wenige andere gibt, die diesen Weg bereits hinter sich haben. Aber er muss gegangen werden. Von allen. Und irgendwann werden wir alle dort sein. Dies wird der Zeitpunkt sein, an dem das Patriarchat abgeschafft sein wird.

Solidarität unter Frauen im Patriarchat

Oder: Was fehlt

Inzwischen bekommen immer mehr Frauen mit, in welcher Art von Gesellschaft sie leben, nämlich im Patriarchat. Auch, wie es entstand und welche verheerenden Auswirkungen es auf Mensch, Tier und Umwelt hatte und hat, wird immer mehr Frauen (und auch Männern) bewusst. Das Patriarchat ist eine Fehlentwicklung der Menschheit seit ungefähr achttausend Jahren. Unglückliche Umstände wie Klimawandel und Hungersnöte, Naturkatastrophen mit daraus resultierenden Völkerwanderungen, aber auch große Missverständnisse haben dazu beigetragen, dass es entstehen konnte. Es funktionierte und funktioniert heute noch. All die hochgehaltenen zivilisatorischen, technischen und kulturellen Entwicklungen und Errungenschaften der heutigen Zeit entstammen dem Patriarchat. Doch auf welche und wessen Kosten? Und wie würde die Menschheit, die Natur, die Erde heute aussehen, hätte es das Patriarchat nie gegeben?

Dass es auf Kosten der Frauen, der Natur, der Umwelt und der Tiere ging, ist unübersehbar. Die eine Hälfte der Menschheit wurde Jahrtausende lang in jeder Hinsicht ignoriert, sei es in der Kultur, in der Wissenschaft, in den Künsten, in der Philosophie. Auch heute wird Frauen, die Missstände benennen und ansprechen, eher kein Gehör geschenkt. Weiblichen Opfern männlicher Fehlverhalten bis Verbrechen wird erst geglaubt, wenn es viele sind. Die Stimme einer einzigen Frau zählt nicht halb so viel wie die eines Mannes. Diese Fakten allein lassen vermuten, dass es an der Zeit ist, dass Frauen sich endlich zusammen tun, sich solidarisieren und gegen den Wahnsinn des Patriarchats gemeinsam aufbegehren.

Aber das Gegenteil ist der Fall. Es gibt unzählige Strömungen des Feminismus, von liberal über queer bis radikal, und alle bekämpfen sich gegenseitig. Erst vor kurzem hat sich die Patriarchatsforschung und -kritik formiert, noch nicht einmal als Spielart des Feminismus, denn sie ist radikaler als der Radikalfeminismus, steht ihm sogar gegenüber, denn aus Sicht der Patriarchatskritik ist der Feminismus nur eine von vielen Spielarten des Patriarchats. Das gilt insbesondere für den liberalen und den Queerfeminismus. Von den Frauen, die selbst den Feminismus ablehnen, will ich hier gar nicht reden.

Die Frauen sind sich also uneinig, sie sind inhomogen und bekämpfen sich bis aufs Blut, statt sich zusammen zu tun und gegen die Unterdrückung aufzubegehren. Während Männer- und Väterrechtler sich popkorneinwerfend ins Fäustchen lachen und damit einen weiteren Grund haben, alles, was weiblich ist, weiterhin abzuwerten („Wir haben es doch immer gesagt, so ein Zickenkrieg!“). Warum ist das so?

Die Abwertung alles Weiblichen geht nicht nur von den Männern aus, sondern in hohem Maße auch von den patriarchalen Frauen. Sie haben von Kind an nichts anderes gelernt, als dass das Weibliche weniger wert ist als das Männliche. Schon weibliche Säuglinge werden von den Müttern bereits unbewusst anders behandelt als männliche Säuglinge. Sie werden seltener und weniger lang gestillt, weniger lange getragen, länger schreien gelassen, und wenn sie keine pflegeleichten Kinder sind, werden sie erst recht ablehnender behandelt. Die Ablehnung des Weiblichen von Kindesbeinen an untergräbt das Selbstwertgefühl der Mädchen. Hinzu kommt, dass daran, dass sie angenommen werden von Eltern und Bezugspersonen, Bedingungen geknüpft sind. Sie dürfen nicht laut sein, nicht widersprechen, nicht herum toben, sich nicht schmutzig machen und haben lieb, nett und brav zu sein. Diese ganzen Verhaltensweisen werden in der Kindheit geprägt von Eltern, die ihrerseits von ihren Eltern und Großeltern und allen Vorfahren über hunderte und tausende von Jahren geprägt wurden in ihrem patriarchalen Umfeld und ihr emotionales Erbe weiter gaben an ihre Kinder. Auch wenn die heutige Gesellschaft sich dieser rigiden Verhaltens- und Rollenmuster weitgehend entledigt zu haben glaubt, steckt sie noch bis zum Hals darin, und das zieht sich durch alle Schichten.

Frauen haben also gelernt, dass das Weibliche nichts wert ist. Also sind sie selbst auch nichts wert. Das jedoch ist für sie kaum zu ertragen. Also tun sie Dinge, um sich aufzuwerten: Sie verhalten sich normkonform, sind fleißig, brav, nett, zuvorkommend, hilfsbereit, um die so versprochene Anerkennung zu erhalten. Sie übernehmen die ihnen zugetragenen Arbeiten, widersprechen nicht, ertragen Übergriffigkeiten mit einem Lächeln, ignorieren sexistische Verhaltensweisen und zeigen ihren Ärger nicht. Sie behaupten, wenn ihnen wirklich jemand unangemessen kommt, dann wehren sie sich einfach, denn sie sind doch keine Opfer. Sie stehen über den Dingen und lassen es nicht an sich heran kommen. Doch die Frauen, die sich das gefallen lassen, werden von ihnen mit Verachtung gestraft.

Dabei sind sie selbst am wenigsten in der Lage, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren, was unabdingbar nötig ist, um eine Veränderung auch im Äußeren zu bewirken. Frauen, die einmal eine oder mehrere oder viele Psychotherapien gemacht haben, wissen das. Die Veränderung kommt von innen, niemals von außen. Das tiefe Verständnis darum, keinen einzigen anderen Menschen ändern zu können, ist Voraussetzung für die eigene Veränderung. Verändert sich die Frau selbst, haben alle anderen die Chance, ebenfalls sich selbst zu reflektieren und Veränderung an sich selbst herbei zu führen. Diese Verhaltensänderung bewirkt die Veränderung auch im Äußeren, denn das Umfeld reagiert zwangsläufig auf die eigenen Veränderungen.

Leider können diese Reaktionen ziemlich heftig ausfallen. Der Frau (dies gilt natürlich auch für Männer, nicht nur für Frauen, aber bei Frauen ist dies aus verschiedenen Gründen speziell) wird durch die Veränderung der anderen ein Spiegel vorgehalten. Sie sieht, was bei der anderen neuerdings möglich ist, was bei ihr selbst noch nicht möglich ist. Das führt bei ihr zu heftigem Widerstand und Abwehrreaktionen. Diese Abwehrreaktionen treffen nun die Frau, die gerade dabei ist, ihre eigenen Überzeugungen und Verhaltensweisen zu hinterfragen und zu verändern. Sie dienen dazu, diese Veränderungen abzuwerten, damit die unreflektierte Frau sich besser fühlt und an sich selbst nichts verändern muss.

Frauen haben allerdings durch ihr eigenes Leid bessere Chancen, anzufangen, sich selbst zu reflektieren als Männer. Männer werden vom Umfeld ständig bestätigt, Frauen dagegen ständig korrigiert und abgewertet. Zwangsläufig suchen sie fortwährend die Fehler bei sich. Wenn sie aber erst verstehen, dass sie Überzeugungen und Verhaltensweisen trainiert haben, die ihr vom Umfeld eingeimpft wurden, erkennen sie, dass sie diese ablegen können. Dann beginnt die Veränderung bei ihnen selbst.

Wir patriarchalen Frauen legen zwangsläufig patriarchales Verhalten an den Tag, das es zu reflektieren und zu hinterfragen gilt. Wir müssen unser eigenes Fettnäpfchen „patriarchales Verhalten“ endlich abarbeiten. Für die eigenen Fettnäpfchen ist jede selbst verantwortlich, und hier handelt es sich um ein kollektives. Die Männer schleppen ein solches auch mit sich herum, das sie wiederum selbst angehen müssen. Solange dies nicht geschieht, prallen alle Bemühungen um Aufklärung rund um die Fakten und Auswirkungen des Patriarchats immer wieder an der Mauer der Verständnislosigkeit der unreflektierten Mitmenschen ab. Zum Bewusstsein gehört auch die Kenntnis der Psychologie der patriarchalen Menschen. Ohne sie wird es unmöglich sein, es letztlich abzuschaffen.

 

Verantwortlichkeit im Patriarchat

Psychotherapeuten sehen es als ihre Passion an, an der Seele erkrankte Menschen dahin zu bringen, dass sie in dieser Gesellschaft wieder funktionieren, und nicht, dass es ihnen besser geht. Das heißt, vordergründig schon, denn anders ausgedrückt: Dass es ihnen gut geht damit, mit den Missständen, mit denen sie täglich konfrontiert sind, klar zu kommen, sich zu arrangieren, es zu ertragen, dass ihnen ab und zu Unrecht geschieht. Die Psychotherapeuten helfen ihnen dabei, sich ein dickes Fell wachsen zu lassen, die Dinge nicht (zu sehr) an sich heran kommen zu lassen. Gelassen mit den Umständen umzugehen, versöhnlich mit den Ungerechtigkeiten der Vergangenheit abzuschließen, nach vorne zu gucken, in die Zukunft zu sehen, das Hier und Jetzt einfach akzeptieren, wie es ist. Sie transportieren Botschaften wie: „Wie du mit den Äußerlichkeiten umgehst, entscheidest du ganz allein. Es ist nicht die Frage, was dir geschieht, sondern wie du damit umgehst. Du kannst auf tausende verschiedene Arten damit umgehen, probiere es doch mal aus, anders zu reagieren als sonst. Mit Humor z. B. als mit Ärger. Du wirst sehen, die Umwelt wird deine Reaktionen spiegeln.“

Das alles ist zunächst richtig. Es hilft tatsächlich, gelassener mit den Umständen umzugehen, wenn sie einfach akzeptiert werden. Wenn sie als unveränderbare Größen angenommen und hingenommen werden, brauche ich keine Kraft mehr dafür aufzuwenden, sie ändern zu wollen. Der Kampf gegen Windmühlen ist ohnehin verloren.  Ich kann mich also ganz auf mich und meine eigenen Änderungen konzentrieren, meinen Weg finden, ihn konsequent gehen. Nicht nach links oder rechts sehen, den Blick klar nach vorn richten, zuversichtlich und mit geradem Rücken mich dem stellen, was auf mich zu kommt, ganz egal, was es ist, denn wir wissen schließlich alle nicht, was uns blüht.

Doch so einfach funktioniert es bei Frauen wie mir, die das Patriarchat begriffen haben, nicht mehr, wie ich am Ende des letzten Jahres sehr schmerzhaft feststellen musste. Ich habe mich in diesem Jahr fortgebildet, eine Prüfung mit Erfolg absolviert, beinhart verhandelt mit drei verschiedenen Arbeitgebern um vernünftige Bedingungen und einigermaßen angemessenes Gehalt, mich dafür jeden Morgen um vier aus dem Bett erhoben, aufgrund von Probezeiten auf Urlaub verzichtet (und trotzdem welchen durchgesetzt am Ende), mich mit dümmsten Kollegen und schwierigsten Kunden abgegeben, mich mit unwürdigen Arbeitsplatzbedingungen arrangiert, (fast) immer mit einem Lächeln auf den Lippen und der Zuversicht, dass sich alles zum Besten wendet. Darüber hinaus habe ich mich für Verbesserungen engagiert, ohne zu ahnen, dass das gar nicht erwünscht war. Mit dem Ergebnis, dass ich alles wieder verlor, mir wurde noch in der Probezeit gekündigt. Weil ich nicht in das dortige Team passte, nein, ich gehe noch weiter, weil ich nicht mehr in die Arbeitswelt passe. Weil ich das System, das Patriarchat, das dahinter steckt, durchschaut habe. Für mich als 55jähre Frau und immer noch alleinerziehende Mutter eine Katastrophe. Dies ist die Konsequenz für mein aufrichtiges, ehrliches und unbeugsames Handeln und Denken und für mein in den letzten Jahren angeeignetes Wissen und meine Erkenntnisse, die mich nun die Existenz kosten kann. Ich spüre meine Ohnmacht und Verzweiflung, nicht aus diesem Käfig ausbrechen zu können.

Andere Frauen, die noch im Arbeitsverhältnis stehen, sagen mir tatsächlich ins Gesicht (ohne es böse zu meinen), dass es Schlimmeres gibt als den Arbeitsplatz zu verlieren. In diesem Land verhungert man nicht. Es gibt Länder, da verhungert man ohne Arbeit tatsächlich, aber hier doch nicht, es ist ja alles abgesichert, ich kann froh sein, in so einem reichen Land wie Deutschland zu leben. Schlimmstenfalls müsste ich eben von Hartz IV leben. Als ich diese Aussicht fröhlich lachend mit triefendem Galgenhumor in die KollegInnenrunde (Kollegen, nur eine Kollegin) posaunte, war aber niemand darunter, der mir dazu gratulierte. Nein, betretenes Schweigen. Kein Wunder, niemand will in Hartz IV landen, und die, die es trifft, werden behandelt, als sei dies ihr persönliches Versagen und ihre eigene Schuld. Denn jeder ist schließlich für sich selbst verantwortlich, doch nicht die Umstände oder irgend ein Arbeitgeber. Passt man nicht ins Team, hat man eben selbst alles dafür getan, dass es so gekommen ist.

„Wir suchen uns das alles selbst aus!“, ruft mir das Patriarchat entgegen. Nein, es ist nicht „das Patriarchat“, das mir so etwas sagt. Es sind Mitmenschen, die diese Überzeugungen woanders gelernt haben, und ich weiß auch sehr genau wo. Ich war selbst mal dieser Überzeugung, als ich sie in einer Psychotherapie lernte. Sie stimmt auch, solange diese „Entscheidungen“ völlig unreflektiert und unbewusst innerhalb der angelernten rigiden Verhaltensmuster geschehen, in die jedes Individuum im Patriarchat mehr oder weniger verstrickt ist. Mit schlafwandlerischer Sicherheit z. B. sucht sich ein Mensch genau den Partner aus, der dem problematischsten Familienmitglied am ähnlichsten ist. Die Tochter sucht den gefühlskalten Vater. Der jüngere Bruder die ältere dominante Schwester, unter der er litt. Der Sohn die übergriffige Mutter usw., und das nur, weil dies in der Kindheit gelernt wurde, man kennt nichts anderes und das bedeutet (trügerische) Sicherheit. Doch durch das Verinnerlichen dieser Aussage und der Arbeit damit war ich gezwungen, meine eigenen Ansichten in Frage zu stellen und zu überprüfen, letztlich zu revidieren, was sehr heilsam war. So lernte ich Selbstreflexion, Verantwortung für mich zu übernehmen, was ich (und so viele Menschen im Patriarchat) vorher gar nicht konnte.

Dieses Übernehmen der eigenen Verantwortlichkeit hat aber genau da Grenzen, wo Verantwortung aufoktroyiert wird, wo keine ist. Man nennt das Victimblaming. Ein Mensch ist verantwortlich für das Unrecht, das er einer anderen Person angetan hat, und dreht einfach den Spieß um, um die Tat dem Opfer anzuhängen. Die Umwelt fällt auch noch darauf herein, und das Opfer ist doppelt geschädigt. Jeder Mensch, Mann wie Frau, ist im Patriarchat an Patriarchose (Stockholmsyndrom) erkrankt, und ein Symptom dieser ist das Verantwortlichmachen des Individuums für alles, was ihm geschieht. So muss an den Missständen nichts geändert werden, und die Menschen, die das nicht durchschaut haben, spielen da munter mit. Ich erwähnte diese notorische Täter-Opfer-Umkehr bereits in meinem Artikel über Bewusstsein und Wahrheit. „Sieh zu, wie du klar kommst!“ ist mir in meinem Leben öfter als genug kaltschnäuzig vor die Füße geschleudert worden, selbst dort, wo ich Schutz suchte. Patriarchale Verhaltensweisen sind das Gegenteil von artgerechtem Verhalten, wie es noch in der Matrifokalität unserer Ahninnen gelebt werden konnte. Aber wir haben es verlernt, wir patriarchalen Menschen können es gar nicht mehr, weil niemand im Patriarchat Matrifokalität erlebt hat.

Es sei denn, wir lernen aus der Menschheitsgeschichte, und zwar die Fakten und nicht das, was durch die herrschende Lehre propagiert wird, und besinnen uns auf unsere natürlichen Fähigkeiten des Zusammenlebens. Lernen können wir außerdem von den wenigen matrifokalen Gemeinschaften, die es heute noch gibt, z. B. den Mosuo in China und noch einigen anderen (Liste liefere ich nach).

Botschaften oder: Die Verantwortung der Empfängerschaft

Ich habe schon immer viel über das Kommunikationsmodell Sender und Empfänger nachgedacht und bin schon vor Jahren zu dieser einfachen Erkenntnis gekommen: Der Empfänger entscheidet, wie er eine Botschaft verstanden haben will. Mit anderen Worten: Der Sender kann nicht für die Missverständnisse des Empfängers verantwortlich gemacht werden. Leider sieht die Mehrheit der Menschen in dieser Gesellschaft es gegenteilig und behauptet, der Sender hätte die volle Verantwortung dafür, wenn seine Botschaft nicht „richtig“ ‚rüberkommt und missverstanden wird. Immer wieder fällt mir auf, dass ich als Senderin meiner Botschaften darüber belehrt werde, sie nicht richtig oder nicht pädagogisch oder nicht freundlich oder nett genug zu übermitteln, also zu verpacken. Es wird mir immer wieder bescheinigt, dass das „Wie“ der Übermittlung eine große Rolle spiele, fast noch wichtiger als das „Was“. Das halte ich aber für einen großen Irrtum.

Zunächst möchte ich die Frage klären: Was ist eigentlich eine Botschaft, oder welche Arten von Botschaften gibt es? Und wenn es verschiedene Arten gibt, worin bestehen die Unterschiede? Ich mache den grundsätzlichen Unterschied zwischen einer inhaltlichen Botschaft, die eine wie auch immer geartete Aussage übermittelt, und einer, hinter der eine Absicht steckt, und zwar die, die Empfängerschaft zu irgend etwas zu bewegen, und sei es, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Genau dazu ist das „Wie“ nötig, doch wie wird diese Art von „Überzeugen“ auch genannt? Manipulation.

Wenn ich von Botschaft schreibe, dann meine ich die inhaltliche Botschaft, hinter der keine andere Absicht steht als eben die, den Inhalt zu vermitteln, also das „Was“. Solche Inhalte können sein: Fakten, Tatsachen, Begebenheiten, Gefühle, Benennungen, Wahrheiten, Aussagen, Forschungsergebnisse, Protokolle, Berichte etc. Diese Botschaften sind zudem meistens völlig wertfrei. Ich nenne sie auch wahre Botschaften, die der Wissenserweiterung der Empfängerschaft dient und sie bereichert. Im Gegensatz dazu steht hinter der manipulativen Pseudo-Botschaft immer die Absicht, die Empfängerschaft im Sinne des Senders zu beeinflussen, sie also im Sinne des Senders auszunutzen. Sie spricht dazu bei der Empfängerschaft Werte an, die dann zu den gewünschten Reaktionen führen. Eine manipulative Botschaft ist in Wahrheit gar keine, sondern eine Aufforderung. Werbebotschaften funktionieren zum Beispiel so. Hier steht allein die Absicht hinter, die Empfängerschaft dazu zu bewegen, ein bestimmtes Produkt zu kaufen, eine Aufforderung, ein Appell also. Wird dieser Aufforderung nicht nachgekommen, wird der Empfängerschaft ein Nachteil suggeriert, der ihr entsteht, wenn sie z. B. dieses Produkt eben nicht kauft (bzw. ein Vorteil beim Kauf).

Lege ich mein Augenmerk auf das „Wie“, also die Frage, wie ich meine Botschaft am besten, nettesten, zielgruppengerechtesten, pädagogischsten verpacke, damit sie die Empfänger erreicht, die ich als Senderin erreichen will, dann führt der Blick unweigerlich weg vom „Was“. Doch erstens ist mir das „Was“ längst viel wichtiger als das „Wie“, und zweitens stehe ich auf dem Standpunkt, dass ich das Recht habe, meine Botschaften auf die Art und Weise zu übermitteln, wie ich es für angemessen halte. Handelt es sich um einen Missstand, dann benenne ich den Missstand. Wie ich das mache, ist meine Sache. Sind damit auch bestimmte Gefühle verbunden, z. B. Wut oder Trauer, dann übermittle ich auch diese Gefühle dazu. Auch hier ist es meine Sache, wie ich es mache.

Nun gibt es die These, dass jede Botschaft auf vier Ebenen gesendet wird (Vier-Seiten-Modell, Schulz von Thun): Sachebene, Beziehungsebene, Selbstoffenbarung und Appell-Ebene. Genau so verfüge auch der Empfänger über diese vier Ebenen, auf denen er die Botschaft hört. Das mag stimmen, doch zur Vereinfachung dessen, was ich in diesem Artikel ausdrücken will, bleibe ich bei der Sachebene, die identisch ist mit der inhaltlichen Botschaft, und der Appell-Ebene, die identisch ist mit der manipulativen Botschaft. Die beiden anderen Ebenen sind nichts desto trotz relevant, ganz besonders dann, wenn sich die Kommunizierenden sich ihrer nicht bewusst sind. Kommt bei Sachthemen die Beziehungsebene ins Spiel, geht die Kommunikation meistens schief.

Wenn ich also als Senderin ganz bewusst auf der Sachebene eine Botschaft vermittle, also einen Inhalt (wozu auch Gefühle gehören!), und mein Augenmerk ausschließlich auf das „Was“ lege, spielt das „Wie“ automatisch keine Rolle mehr. Ich bin mir meiner Botschaft voll und ganz bewusst und übernehme dafür die volle Verantwortung. Doch welche Verantwortung hat nun die Empfängerschaft dafür, dass sie die Botschaft auch verstehen kann?

Nun, um es zunächst ganz banal auszudrücken, um empfangen zu können, muss sie empfangsbereit sein. Dazu muss sie sich mir als Senderin öffnen und zuhören. Diese Empfangsbereitschaft wird aber immer wieder mir als Senderin in die Verantwortung gelegt, d. h. ich soll durch das richtige Verpacken meiner Botschaft dafür sorgen, dass meine Empfängerschaft empfangsbereit wird, also durch das „Wie“. Doch ob sich eine Empfängerin mir öffnet oder nicht, liegt ganz allein in ihrer Verantwortung und Entscheidung. Wollte ich darauf Einfluss nehmen, wäre ich sofort bei der manipulativen Pseudo-Botschaft. Meine Verantwortung liegt aber in der „Was“-Botschaft. Habe ich ihr genüge getan, habe ich meinen Teil der Verantwortung übernommen. Alles weitere liegt nun in der der Empfängerschaft.

Nun neigt die unreflektierte Empfängerschaft dazu, aus Botschaften das heraus zu hören, was sie hören will. Um noch einmal auf das Vier-Ohren-Modell zurück zu kommen: Eine Botschaft kann noch so gewissenhaft auf der Sachebene formuliert sein, ist ein Empfänger auf die Beziehungs- oder Appell-Ebene eingestellt (also schlicht auf die falsche Frequenz), wird die Botschaft missverstanden. Leider sind dies die meisten Menschen in dieser Gesellschaft. Dass eine Botschaft in ihrem Inhalt, ihrer Aussage verstanden wird, setzt immer voraus, dass eine Empfängerschaft offen für sie ist und bereit, sie zu verstehen. Sie muss sie verstehen wollen, und zwar in ihrer wahren Sachaussage, nicht in einer Aussage oder auf einer Ebene, die die Empfängerschaft gerne hätte, denn das ist nichts anderes als Projektion auf den Sender. Dafür trägt der Empfänger die volle und alleinige Verantwortung.

Was kann Empfängerschaft also tun, um Botschaften, Wahrheiten, Fakten, Aussagen etc. so zu nehmen wie sie sind und nicht das hinein zu interpretieren, was sie gerade hören oder sehen will? Die Antwort ist relativ einfach, die Umsetzung jedoch schwierig und langwierig und kostet viel Arbeit: Bei sich bleiben. Angelernte Überzeugungen, Annahmen, Vorurteile, Glaubenssätze etc. hinterfragen, aufarbeiten, ablegen, immer wieder reflektieren und an der Realität überprüfen, so lange, bis der gesamte Schleier der Täuschungen und Falschnehmungen (wir leiden alle unter Wahrnehmungsstörungen, wenn wir nicht daran arbeiten) durchlässig wird, so dass die Sicht auf die Dinge und somit auf die wahren Botschaften klar und ungetrübt wird.

Klappe halten

Es wurde mir schon oft bescheinigt, dass ich nicht die Klappe halten könne. Das stimmt, das konnte ich noch nie und kann ich immer weniger. Je älter ich werde, desto deutlicher sehe ich, wenn jemand nur blenden will und Dummheiten erzählt. Ich kann mich dann auch nicht mehr „beherrschen“ und sage diesen Leuten, meistens Männern, ins Gesicht, was ich denke. Zum Beispiel bin ich mir nicht zu schade, jemandem zu sagen, er möge mal ganz gepflegt die Klappe halten, wenn ich merke, dass er von dem, wovon er redet, nicht die geringste Ahnung hat. Daraus wird mir dann dieser Strick gedreht: Ich begebe mich auf dessen Niveau hinab. Tue ich das wirklich, wenn ich demjenigen meine Wut und unendliche Genervtheit vor die Füße werfe? Ich finde nicht, im Gegenteil, ich gebiete ihm Einhalt. Ich glaube, das ist auch so ein patriarchales Ding: Männer erlauben sich ständig, uns Frauen den Mund zu verbieten mit den beleidigendsten Worten. Aber wehe, es passiert mal anders herum. Nein, ich finde, diesen Kerlen muss Einhalt geboten werden, wenn nötig mit harschen Worten! Ich will nicht mehr schweigen und dann auch noch gesagt bekommen, ich begäbe mich da auf ein niedriges Niveau. Genau das tue ich damit ja eben nicht.

Nächster Vorwurf: Ich kommuniziere gewalttätig. „Gewaltfreie Kommunikation“ ist ein Begriff, den ich auch schon von Männern gehört habe, die mir vorwarfen, ich würde nicht gewaltfrei kommunizieren, weil ich es gewagt habe, ihnen zu sagen, sie mögen mal bitte über etwas nachdenken. Es ist nichts anderes als ein Spieß umdrehen und ein damit (sehr wirkungsvolles!) erreichtes Mundtotmachen. Denn wer möchte sich schon vorwerfen lassen, gewalttätig zu kommunizieren?

Ferner wird mir, gerade in letzter Zeit, vorgeworfen, meine eigenen Erkenntnisse nicht anwenden zu können. Z. B. schreibe ich über übergriffiges Verhalten, verhielte mich aber selbst übergriffig. Dazu ist zu sagen: Erstens muss ich mir meine eigenen Erkenntnisse immer wieder selbst vor Augen führen, um nicht wieder in alte Muster zurück zu fallen. Das ist normal und Teil des Prozesses. Ich kann aber versichern, dass ich das inzwischen gut geübt habe und sehr darauf achte. Sollte ich mich dennoch mal übergriffig verhalten, dann tut es mir leid und ich entschuldige mich dafür. Zweitens aber weiß ich auch sehr genau, dass viele gar keine Vorstellung davon haben, was es überhaupt bedeutet, sich übergriffig zu verhalten. Es bedeutet z. B. nicht, jemandem Fakten zu nennen, die diese/r nicht kennt. Dann ist das keine übergriffige Belehrung, sondern einfach das was es ist, eine Benennung der Fakten. Doch es wird als Belehrung missverstanden. Mir wird vorgeworfen, Unwissenheit und Unkenntnis zu unterstellen. Meistens kommen solche Vorwürfe dann von Leuten, die nicht wissen, dass sie, und zwar sie ganz allein, für ihre Sicht der Dinge verantwortlich sind. Es gilt hier der einfache Grundsatz: Gehört (bzw. gelesen) ist nicht verstanden. Für ihre Missverständnisse sind die Menschen selbst verantwortlich. Das ist eine Tatsache, und es nützt auch nichts, sie als Esoterik abzutun (der Esoterik-Vorwurf kommt oft dann, wenn Unverständnis vorliegt).

Ferner wird mir vorgehalten (und auch anderen Frauen, die mein Wissen weitestgehend teilen), dass ich mit dieser Ausdrucksweise, wie ich sie an den Tag lege, wohl kaum andere erreichen werde. Ich soll also mal daran arbeiten, mich verständlich, nett und freundlich auszudrücken, damit es auch andere verstehen können, damit sie „Lust“ bekommen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Dazu ist zu sagen: Was mache ich denn hier die ganze Zeit auf diesem Blog? Ich schreibe meine Erkenntnisse nieder. Nicht mehr und nicht weniger. Ich schreibe über das Patriarchat, über meine Erlebnisse, über Zwischenmenschliches, über Kommunikation. Jede Frau und jeder Mann, die im Internet unterwegs sind, kann dies hier bei mir nachlesen. Wer will, kann sich mit den Inhalten beschäftigen, wer nicht will, muss das  auch nicht. Wenn ich Menschen begegne, die nicht über mein Wissen verfügen und bei denen noch sehr viel davon fehlt, dann gebe ich ihnen oft einfach nur den Link zu meinem Blog, wenn sie von mir etwas wissen wollen. Ich hole dann nicht jedes Mal aus und erkläre alles haarklein an Ort und Stelle. Besonders dann nicht, wenn von mir vehement „Belege“ zu meinen „Behauptungen“ gefordert werden.

Eine Frau hat mir einmal gesagt, ihr gefiele manchmal mein Ton nicht. Nein, mein Ton soll auch nicht gefallen, er soll aufhorchen lassen, aufrütteln, stören, unangenehm sein, wecken. Die Zeit für Schönwetter ist vorbei, jetzt sind Blitz und Donner angesagt.
Manchmal schreibe ich sarkastische Rants, z. B. den über das männliche Fehlverhalten. Dass mir jedoch ausgerechnet von Frauen bescheinigt wird, mit dieser Art von Kommunikation niemanden zu erreichen, geht mir inzwischen gelinde gesagt am A… vorbei. Ja, mein Ton ist schnodderig, unschön, provokant, manchmal sarkastisch, zynisch, verstörend. Macht nichts. Soll so sein. Wer mit mir nicht klar kommt, kommt mit mir eben nicht klar. Das ist nicht mein Problem. Das Defizit liegt beim entsprechenden Gegenüber.

Schwer zu verstehen? Ganz offensichtlich für so manche. Aber ich kann ihnen nicht den Gefallen tun, so zu sein wie sie mich gerne hätten. Und wie soll das auch aussehen, wie hätten Sie mich denn bitte gern? So wie ich bin jedenfalls nicht. Damit kann und vor allem will ich leider nicht „dienen“. Ich werde also weiterhin die Klappe nicht halten. Auch werde ich weiterhin dreiste Behaupter und Welterklärbären, aber auch unverständige Frauen, die nicht aufhören können, mir ihre eigenen Missverständnisse unter die Nase zu reiben, auffordern, eben genau dies zu tun: Die Klappe zu halten.

Patriarchatslogik

Oder: Das Patriarchatsbullshitbingo

Vor gut einem Jahr entdeckte ich einen weiteren Lebensbereich, in dem ich falschen Fakten, Überzeugungen und Glaubenssätzen auf den Leim gegangen bin. Diesmal ist es einer, dessen Überzeugungen ich sogar selbst einmal vehement nach außen verteidigt habe und die sich nun als weitgehend falsch herausgestellt haben. Aber auch dieses Mal empfand ich es als eine Befreiung, endlich die Wahrheit erfahren zu haben, denn ich war dadurch wieder in die Lage gekommen, für mich selbst zu handeln.

Gemeint sind meine Irrtümer in Bezug auf mein (Über)gewicht. Seit Jahren schon und immer wieder war ich übergewichtig, zuletzt sogar adipös. Meine Überzeugungen, die ich im Laufe des Lebens rund um Ernährung und Gewicht gelernt und nie wirklich hinterfragt hatte, hinderten mich daran, aktiv etwas dagegen zu tun. Alle zusammen führten mich zu dem irrtümlichen Schluss: Ich kann nichts daran ändern. Ich bin machtlos.

Nun hatte die Bloggerin erzaehlmirnix die Idee, in Anlehnung an einen in englischen Foren geprägten Begriff, all die Mythen, Halbwahrheiten und handfesten Irrtümer rund ums Abnehmen, die leider auch durch falsche Auslegungen von Studien oder sogar einzelne Studien selbst immer wieder geschürt wurden, als „Fettlogik“ zu betiteln und als Buch (mit ergänzendem Blog) heraus zu geben. Das Buch ist ein voller Erfolg, denn es bekommt etliche gute Kritiken, ist schon längst ein Bestseller und vielen, die es gelesen haben, ging es so wie mir, sie handelten und die Pfunde purzelten. Inzwischen bin ich mit dem Abnehmen fertig und habe insgesamt 35 kg abgenommen. Mein Gewicht liegt im unteren Norrmalbereich, und es gibt inzwischen tatsächlich Leute, die mich als „zu dünn“ bezeichnen. Meine Abnehmerei verblogge ich vielleicht irgendwann noch einmal gesondert, denn mir geht es in diesem Artikel nicht um das Thema Abnehmen, sondern um die Idee der entlarvten „Logiken“. Nicht nur auf dem Gebiet rund um Gewicht, Körperwahrnehumg, Bewegung und Ernährung inklusive Essstörungen herrscht heillose Unklarheit und Verwirrung, sondern sie ist grundsätzlich ein Symptom für die Gesellschaftform und Lebensweise, in die wir gezwungen sind. Deshalb fasse ich hiermit die Mythen, Halbwahrheiten und handfesten Irrtümer rund ums Patriarchat als Patriarchatslogik zusammen.

Im Folgenden liste ich die vielen patriarchalen „Logiken“ auf und versuche, sie zu erklären. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe sie nach ersten Entwürfen auch wieder stark gekürzt, denn dieser Artikel würde sonst ausufern.

Der Mensch kannte schon immer den Zusammenhang zwischen Sexualität und Fortpflanzung.

Da schließt sich direkt die Frage an: „Woher denn?“ Menschen sind intelligente, wissbegierige Wesen, deshalb ist es nicht schwer, sich vorzustellen, dass sie Beobachtungen anstellten und aus diesen ihre Schlüsse zogen. Was für die frühen Menschen im Paläolithikum (Altsteinzeit) offensichtlich war, war dies: Neues Leben kam aus den Weibchen heraus. Sie gebaren die Kinder, und das war auch bei den von ihnen beobachteten Tieren so. Der Sexualakt stand vorerst nicht offensichtlich im Zusammenhang mit neuem Leben. Er wurde einfach praktiziert und war etwas völlig normales und gegebenes. Die Frage, wozu er nötig war, kann gar nicht aufgekommen sein, denn sie stellte sich nie. Das neue Leben kam einfach, und zwar aus den Weibchen. Das waren die Menschen, die eine Vagina hatten und nicht die mit dem Penis. Eine ganz einfache Zuordnung, die auch auf die Natur herum projiziert wurde. Aus der Erde kam neues Leben, aus den Eiern, aus dem Wasser. Es ist also gar kein Wunder, dass die frühen Menschen alles, was neues Leben gab, als weiblich ansahen. Das war selbstverständlich und es gab überhaupt keinen Anlass, dies in Frage zu stellen.

Erst als die Menschen sesshaft wurden und anfingen, Kleintiere zu halten, ging ihnen diesbezüglich ein Licht auf. Sie erkannten die Bedeutung der Sexualität und den männlichen Anteil an der Fortpflanzung. Aus der Beobachtung, dass ein einziger Stier viele Kühe befruchten kann, zogen die Menschen im Laufe der Jahrtausende den falschen Schluss, dass der Mann den Hauptanteil an der Fortpflanzung hätte. Fortan musste die Erde also befruchtet werden, sie war das Gefäß, das den männlichen „Samen“ in sich aufnahm. Der aktive weibliche Part, Leben zu geben, wurde mehr und mehr zum passiven degradiert. Aktivität wurde zusehends dem Männlichen zugeschrieben.

Der Mensch ist grundsätzlich gewaltbereit.

Wenn das wirklich so wäre, dann wäre die Spezies Mensch längst ausgestorben. Wer die Weise, sich gegenseitig zu bekriegen, wie es heutzutage zwischen verfeindeten Menschengruppen üblich ist, auf eine natürliche biologische genetische Veranlagung zurück führen will, ignoriert die archäologischen Fakten. Kriegerische Handlungen lassen sich erst ab der neolithischen Revolution nachweisen. Sie waren im Paläolithikum unbekannt und auch gar nicht notwendig, im Gegenteil, sie hätten dafür gesorgt, dass die wenigen existierenden Menschen sich selbst ein schnelles Ende gesetzt hätten. Das aber tut keine Spezies. Die Natur ist auf das Überleben der Art ausgerichtet, nicht auf die eigene Ausrottung. Ein sich gegenseitiges Töten kommt in Arten erst dann vor, wenn bestimmte Umstände dazu zwingen, bei Überbevölkerung zum Beispiel. Dies hat man auch bei Ratten nachgewiesen. Überbevölkerung ist aber ein krankhafter Zustand, auf den auch entsprechend krankhaft reagiert wird. Auch nachgewiesener Kannibalismus ist keine Erklärung für eine grundsätzliche Gewaltbereitschaft der menschlichen Spezies. Er kommt bei vielen Spezies bei akuter Nahrungsknappheit vor. Archäologische Funde, die rituellen Kannibalismus beim Menschen belegen sollen, sind mit Vorsicht zu genießen und genau zu datieren. Ritueller Kannibalismus kommt erst in patriarchalischen Gesellschaften mit herrschaftslegitimierenden Religionen vor. Kannibalismus als Beleg für die Gewaltbereitschaft der Spezies Mensch taugt also nicht.

Die Natur ist grausam, das Patriarchat schützt die Menschen vor ihr.

Die Natur ist weder gut noch böse. Vor allem ist sie absichtslos. Sie ist ein Kreislauf des Lebens, zu dem sowohl Geburt als auch Tod gehören. In diesem ganzheitlichen Kontext wurde die Natur von den in ihr lebenden Wesen erfahren, also auch von der Spezies Mensch. Es war für die Altsteinzeitmenschen etwas ganz normales, an Tod und Wiedergeburt zu glauben. Sie waren also eingebettet in den Kreislauf der Natur, und standen ihr nicht feindlich gegenüber, so wie die Menschen sich erst im Patriarchat gegen sie wandten, um sie zu beherrschen und letztendlich auszubeuten. Um dies zu legitimieren, wurde die Natur, genau wie alles weibliche, verteufelt und als grausam tituliert. Anstatt in ihr aufzugehen und mit ihr zu leben, kämpft der Mensch gegen sie in seinem Irrtum, sie besiegen zu müssen. Dabei sind die Menschen ein Teil von ihr. Der patriarchale Mensch (Mann) sieht sich aber lieber nicht als Teil von irgend etwas, sondern als Beherrscher von allem. Auch der Glaube, hinter allem müsse irgend ein göttliches Konzept oder ein göttlicher Sinn stehen, ist den Mythen des Patriarchats geschuldet.

Geschlecht ist ein soziales Konstrukt und sitzt im Kopf, nicht in den Organen.

Dieser Irrtum hat seine Wurzeln im Feminismus und ist ein Missverständnis einer Aussage von Simone de Beauvoir, die in ihrem Werk „Das andere Geschlecht“ (1949) die These vertritt, dass Menschen nicht als Frauen (oder Männer) geboren werden, sondern von der Gesellschaft dazu gemacht werden. Das Missverständnis beruht darauf, dass nicht zwischen biologischem Geschlecht und zugewiesener Rolle unterschieden wurde. Dieser Unterschied wird leider bis heute nicht erkannt, sondern ignoriert oder gar verleugnet. So ist der Queerfeminismus inzwischen zu einem ideologischen Transkult verkommen, der nicht wahrhaben will, dass die beiden Geschlechter (und alle intersexuellen Zwischenformen) existieren und biologische Realität sind. Manche behaupten, es gäbe so viele Geschlechter wie es Menschen gibt. Eine fatale Verwechslung von Geschlecht und Persönlichkeit.

Ohne Männer gäbe es auch keine Mütter.

Der Mann ist so wichtig, dass er nicht müde wird, immer wieder zu betonen, dass zur Fortpflanzung eben zwei gehören und dass es ohne ihn ja auch die Frauen nicht gäbe. Dass dies für beide Geschlechter gilt, bleibt dabei unerwähnt. Unerwähnt bleibt auch, dass es in der Natur durchaus vorkommen kann, dass eine Fortpflanzung auch ohne männlichen Part stattfindet.

Spermium = Same

Das ist eine Falschinformation. Die Bezeichnung „Same“ definiert die Anlagen eines Keimes, die komplett vorhanden sein müssen, damit daraus ein vollständiges Lebewesen entsteht. Also kann ein Spermium kein Same sein. Eher fällt der Eizelle diese Definition zu, denn in ihr sind bereits alle Dinge angelegt, die nötig sind, damit sie keimen kann. Auch die Umgebung ist schon vorhanden. Das Spermium trägt lediglich den zweiten Chromosomensatz für das neue Lebewesen bei und ist ansonsten so ausgestattet, dass es in der Lage ist, in die Nähe einer Eizelle zu gelangen. Es hat eher den Status eines Pollenkorns oder einer Spore.

Männer sind für das Befruchten zuständig, Frauen für das Nähren.

Diese Sichtweise blendet völlig aus, welch großer Anteil am Arterhalt von der Natur für die weiblichen Lebewesen vorgesehen ist. Welches Geschlecht hat bei vielen Tieren und auch bei der Spezies Mensch den größeren Aufwand bei der Fortpflanzung und der Aufzucht der Jungen? Das weibliche. Nach dem Eindringen des Speriums in die Eizelle entwickelt sich der Embryo, wird neun Monate lang im Mutterleib ernährt. Dann erfolgt die Geburt, die kein Spaziergang ist, und danach jahrelanges Stillen und Aufzucht.

Das Patriarchat war schon immer da und ist die natürliche Lebensform des Menschen.

Alle archäologischen Funde und Erkenntnisse sprechen dagegen. Leider werden diese Fakten verschwiegen, geleugnet, unter den Teppich gekehrt, umgedeutet, in ihrer Bedeutung verkannt oder fehlinterpretiert.

In der Steinzeit war der Mann Jäger, die Frau Sammlerin.

Grundsätzlich mag das stimmen, doch wird in diesem Kontext immer wieder das überlegene Jägertum gegenüber der sammelnden Tätigkeit überbetont. Dabei wurden 3/4 des Nahrungsbedarfs der Menschen im Paläolithikum über das Sammeln von Früchten, Samen, Eiern, Nüssen etc., seltener auch durch Fische gedeckt. Ein Tier zu erlegen war ein Glücksfall, und es ist keineswegs sicher, ob  sich an der Jagd nur die Männer beteiligt haben.

Vater – Mutter – Kind ist die ursprüngliche Kernfamilie.

Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Paar- oder Kleinfamilie wie sie seit Jahrtausenden existiert und die wir bis heute als normal und selbstverständlich ansehen, in Wahrheit den Kern des Patriarachats darstellt. Die Kleinfamilie steht in krassem Widerspruch zu der natürlichen Sippengemeinschaft der Spezies Mensch, die die längste Zeit der Menschheit auch gelebt wurde. In der Kleinfamilie trägt die Mutter die alleinige Verantwortung für die Kinder, ist komplett isoliert und mit ihrer Belastung, die sie nur mit einer Person teilen kann, nämlich dem Vater, überfordert. Der Vater denkt in den wenigsten Fällen daran, wirklich die Hälfte der Verantwortung zu übernehmen, im Gegenteil. In den meisten Fällen bleibt die Arbeit rund um die Kinder und den Haushalt an der Frau hängen. Dennoch wird von ihr erwartet, dass sie so schnell wie möglich wieder erwerbstätig wird. Dass das nicht funktioniert, wird mit der großen Zahl alleinerziehender Mütter deutlich, die geradewegs in die Altersarmut steuert.

Der Mann hat schon immer Frau und Kind versorgt und war das Oberhaupt der Familie.

Familie gibt es erst, seit es das Patriarchat gibt. Sie stellt den Herrschaftsbereich eines einzelnen Mannes dar, der gegenüber der Frau privilegiert ist. Diese Behauptung dient dazu, die Frauen mit einem falschen Biologieargument in ihrer misslichen Lage zu halten. Dieses Argument führt übrigens dazu, dass sich gerade Frauen gegen die Biologie stellen, weil sie sie als etwas beschränkendes und  bevormundendes erleben. Doch nicht die Biologie macht Frauen unfrei, sondern die isolierende Kleinfamilie.

Gewalt und Krieg gab es schon immer und sind etwas ganz normales.

Erst, als es darum ging, Privateigentum zu beanspruchen, zu erobern und zu schützen, entwickelte sich auch die Gewaltbereitschaft dazu. Privateigentum begann mit den zu beackernden Landflächen, mit den Rinderherden, die umso wertvoller waren, je mehr Köpfe (Capites, daraus entwickelte sich der Begriff „Kapital“) die Herde hatte. Einige Menschen verfügten nun über mehr Ressourcen als andere, was zu Unfrieden und Streit, in letzter Konsequenz zu Gewalt und Krieg führte. Das setzt sich bis heute fort und zeigt mehr als deutlich die schädlichen Auswirkungen des Patriarchats.

Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt und gab es schon immer.

Die Prostitution entwickelte sich aus der Tempelprostituion und dem Ritual der „Heiligen Hochzeit“, welche nichts anderes als eine öffentlich zelebrierte Vergewaltigung darstellt. Auch die heutige Prostitution ist nichts anderes. Sie ist nicht das älteste Gewerbe der Welt, denn vor dem Patriarchat gab es keine. Sie ist also schlicht das Gewerbe des Patriarchats.

Wir waren schließlich damals nicht dabei!

Das Totschlagargument in der Archäologie par excellence. Natürlich waren wir das nicht. Aber wir können heute aus den archäologischen Funden, aus den Gegebenheiten der heutigen Welt, aus unserer Geschichte, aus unseren Gefühlen und dem gesunden Menschenverstand sehr wohl Rückschlüsse ziehen auf die natürliche Lebensweise der Spezies Mensch. Dass es so, wie sie jetzt lebt, nicht natürlich und nachhaltig arterhaltend sein kann, ist offensichtlich.

Die zahlreichen Frauenfigurinen dürfen auf keinen Fall mit Göttinnen gleichgesetzt werden.

Doch. Denn genau das waren sie. Sie werden ja offiziell als „Venus“ bezeichnet („Venus von Willendorf“, „Venus von hohle Fels“, „Venus von Moravany“ etc.). Venus aber war bereits eine Göttin aus dem römischen Götterpantheon, die einem Göttervater (Jupiter) untergeordnet war. Die Archäologie hat inzwischen eingelenkt und bevorzugt „Frauenstauetten“, was ihnen allerdings in keiner Weise gerecht wird, denn wie schon weiter oben dargelegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die paläolithischen Menschen ausschließlich das Weibliche als göttlich angesehen hatten.

Religionen kann jeder ausüben wie er will und haben mit Patriarchat überhaupt nichts zu tun.

Alle, ausnahmslos alle Religionen, auch Buddhismus uns Hinduismus, basieren auf dem Patriarachat. Sie dienen dazu, die irdischen Herrschaftsverhältnisse zu legitimieren und die Menschen, die in der Hierarchie weit unten stehen, im Glaube zu lassen, ihre misslichen Lebensumstände seien gottgewollt und hätten direkt etwas mit ihnen selbst zu tun.

Jeder Mensch braucht Religion und seinen Glauben.

Jeder Mensch braucht Spiritualität. Diese entwickelt sich beim Einssein mit der Natur. Was der Mensch keineswegs braucht, ist ein männlicher aus dem Geist zeugender Gott. Doch da die Menschen im Patriarchat verlernt haben, eins zu sein mit der Natur, führt die unerfüllte Sehnsucht zu Ersatzmythen, Religionen genannt. Tatsächlich aber bedeutet Religion „Zurückbindung“ aus dem lateinischen Wort „religare“, mit dem Zusatz versehen „an Gott“. Dieser ist aber dem Begriff „Religion“ erst im Patriarchat hinzu gesetzt worden. Eine Rückbindung geschieht ausschließlich an die Natur innerhalb des Kreislaufs des Lebens.

Das Patriarchat hat viele kulturelle Errungenschaften hervor gebracht, z. B. die Schrift.

Die kulturellen Errungenschaften sind in Wirklichkeit Hilfsmittel, um patriarchalische Gegebenheiten zu erhalten und zu stützen. So ist die Schrift erfunden worden, um festhalten zu können, wer wo wohnt und lebt, wer zu wem gehört, und was er besitzt. Die Personalisierung der Menschen im Volk durch Festlegen des Namens, seiner Staatszugehörigkeit etc. ist durch die Schrift erst möglich geworden. Auch dient sie, wie wir alle wissen, nicht nur zum Festhalten von Fakten und Tatsachen, sondern eben auch ganz im Gegenteil zur Verbreitung von Mythen und Propaganda. Schriftlich festgelegt ist auch die staatliche Verfassung und alle Rechts- und Gesetzestexte, die ein Staat so braucht, um das Zusammenleben zu regeln. Dass es nicht mehr natürlich funktioniert, sondern kontrolliert und sanktioniert werden muss, ist ein weiterer Hinweis auf das Patriarchat.

Wenn es etwas anderes als das Patriarchat gegeben hat, dann war es ein Matriarchat, das aber noch viel kriegerischer war als das Patriarchat.

Das ist eine Falschbehauptung, die einzig dem Zweck dient, die matrifokale Lebensweise der Altsteinzeitmenschen zu diffamieren. Leider ist der Begriff „Matriarchat“ im Mainstream bereits als (noch viel schlimmeres) Patriarchat mit umgekehrten Vorzeichen derart verankert, dass es schwer ist, die Fakten richtig zu stellen.

Patriarchale Gesellschaften sind unzivilisierte Gesellschaften, wo Krieg und Terror herrschen.

Ein Irrum der westlichen Zivilisationen. Westliche Menschen denken, sie lebten in einer aufgeklärten, modernen Gesellschaft, wo Demokratie herrscht, Gleichberechtigung in weiten Teilen umgesetzt ist und das Rechtsstaatsprinzip gilt. Freiheit und Vielfalt sind die Werte, die in vielen muslimischen Staaten nicht gelten. Es stimmt, in solchen Staaten kommt das Patriarchat noch sehr archaisch und leicht erkennbar daher, doch das darf keinesfalls zu dem nächsten Trugschluss verleiten:

In der westlichen Zivilisation ist das Patriarchat doch längst abgeschafft.

Leider nein, im Gegenteil. Die westliche Zivilisation ging aus dem Patriarchat hervor trotz diverser Errungenschaften wie die von Feministinnen erkämpften Rechte der Frauen in den letzten hundert Jahren. Dass es derzeit so viele Backlashs gibt, ist nur ein weiteres Zeichen dafür, dass das Patriarchat keineswegs daran denkt, sich abschaffen zu lassen.

Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Obwohl dieser Satz in Artikel drei des Grundgesetzes festgelegt ist, stimmt er einfach nicht. Frauen werden im Patriarchat nach wie vor benachteiligt, und zwar in allen Bereichen. Viele Frauen, besonders die liberalen Feministinnen, wollen das aber nicht wahrhaben und denken, sie könnten ein gutes Leben im Patriarchat führen. Doch spätestens wenn Kinder da sind, werden sie eines besseren belehrt werden. Dann werden sie merken, wie anstrengend es ist, Kinderaufzucht und gleichzeitige Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bringen, wie oft sie dabei an ihre kräftemäßigen Grenzen stoßen, und das jahrelang, 24/7. Die Männer dagegen beteiligen sich nur soweit wie sie eben wollen. Sie haben eine Wahl, die Frauen nicht.

Die Familie ist die Basis der Gesellschaft.

Richtig. Und zwar die des Patriarchats. Eine Gesellschaft ist übrigens immer patriarchalisch, im Gegensatz zu der matrifokalen sanguinen (blutsverwandten) Sippengemeinschaft.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Artikel eins des Grundgesetzes ist eine patriarchalische Falschbehauptung. Würde ist bereits durch die nicht artgerechte Lebensweise längst nicht mehr gegeben.

Abschlussbemerkungen

Hier komme ich zurück auf den im ersten Abschnitt erwähnten Begriff „Fettlogik“ und dessen Zusammenhang mit dem Patriarchat. Jede Fettlogik bewirkt, dass jemand in dem Glauben bestärkt wird, nichts an der eigenen Gewichtssituation ändern zu können (egal, ob zu dick oder zu dünn, wobei die Adipositas bei weitem am häufigsten vorkommt). Jede Patriarchatslogik bewirkt, dass die darin lebenden Menschen in ihren Mythen und Glaubenssätzen verharren und nicht anfangen, die Gesellschaft, in der sie leben, zu hinterfragen. Im Patriarchat ist alles, wirklich alles, auf den Kopf gestellt worden. In jedem Lebensbereich ist der Bullshitanteil im Gegensatz zu den Fakten unverhältnismäßig hoch. Ich sehe das Thema „Fettlogik“ als einen Teilbereich des Patriarchats an. Mit anderen Worten: Auch Fettlogiken sind Patriarchatslogiken.

Im Gegensatz zu den Fettlogiken sind die Patriarchatslogiken zwar zu hinterfragen und zu durchschauen, aber die Erkenntnisse darum sind nicht so ohne weiteres dazu geeignet, sofort und nachhaltig etwas ändern zu können, schon gar nicht an der eigenen Situation, die ja durch das Patriarchat bedingt ist. Die Menschen im Patriarchat sind darin geboren und aufgewachsen. Die Tatsache, dass wir im Patriarchat leben, mag manchen sehr ungangenehm sein, wird von vielen (vornehmlich Männern) geleugnet, denn wir einzelne Menschen können vorerst gar nichts daran ändern. Das ist für manche sehr schwer zu ertragen, und auch mir ging es so, als ich anfing, eins und eins zusammen zu zählen, in Aussichtslosigkeit zu verfallen angesichts der Ohnmacht gegenüber den wahrhaft umhauenden Fakten. Ich ahnte, dass es schlimm ist,  aber dass es so schlimm ist, wollte auch ich erst nicht wahrhaben. Alle Bemühungen vieler Frauen und Mütter, ein gutes Leben im Patriarchat zu führen, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn es sind nichts als Trostpflaster, die nur die Symptome lindern. Das gesamte Gesellschaftssystem muss hinterfragt und geändert werden.

Dazu ein paar einfache Dinge: Ein Staat besteht aus einem Volk, einem (abgegrenzten) Land und einer Verfassung. Wenn nur eines davon fehlt, ist es kein Staat. Wie leben indigene Völker? Sie haben weder ein abgegrenztes Land noch eine Verfassung. Brauchen sie einen Staat, um zu leben, vor allem gut und artgerecht? Natürlich nicht. Und ich meine es so, wie ich es sage:  Natürlich nicht. Nun ist es utopisch, anzunehmen, es sei möglich, Staaten, deren Regierungen und die begrenzten Länder mal eben abszuschaffen. Dazu müsste sich zunächst ein tiefes Verständnis zur Entstehung und Auswirkung des Patriarchats entwickeln. Das geht nur mit Aufklärung und Faktenwissen. Ganz sicher nicht durch Faktenverleugnung, Faktenverdrehung und Faktenverschweigung. Im Patriarchat indes ist alles ins Gegenteil verkehrt. Kommen Fakten ans Licht, die es in Frage stellen, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, sie als falsch zu deklarieren. Man kann es derzeit sehr schön an den Weltereignissen beobachten. Das einzig tröstliche daran: Die Faktenleugnung ist derzeit so offensichtlich, dass selbst die verblendetsten Menschen merken, dass etwas schief läuft. Von einer nachhaltigen Abschaffung des Patriarchats sind wir trotzdem noch Lichtjahre entfernt.

Aber ich bin dennoch zuversichtlich, denn ich weiß jetzt, wie ich damit umgehe. Ich schreibe meine Erkenntnisse und die Fakten auf, wie es auch Gabriele Uhlmann, Stephanie Gogolin, Kirsten Armbruster, Gerhard Bott und viele andere schon längst tun. Hinter eigene Erkenntnisse kann nicht zurückgefallen werden. Sie werden sich trotz der patriarchalen Widerstände verbreiten.