Patriarchat und Narzissmus

Oder: Der ewige zwischenmenschliche Eiertanz

Im Patriarchat ist die Psyche der Menschen nachhaltig gestört. Dies ist allerdings inzwischen, nach tausenden von Jahren patriarchaler Gehirnwäsche, so normal geworden, dass wir es gar nicht mehr bemerken. Wir haben Überlebensstrategien und Taktiken entwickelt, um in der Mangelgesellschaft Patriarchat zu überleben. Dazu gehört auch eine ausgesprochen problematische Kommunikation. Es geht darin nur selten um Wahrheit, Ehrlichkeit, Kennenlernen, Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit, Solidarität, Lernen, Bereichern, sondern eher darum, Diskussionen zu gewinnen, eigene Überzeugungen und Annahmen anderen, seien sie auch noch so abenteuerlich, über zu stülpen, auf Standpunkten verharren, sich über andere erheben und diese auszunutzen, zu bewerten, klein zu machen. Eigene Defizite werden auf sich anbietende Mitmenschen projiziert, um die eigene gefühlte Minderwertigkeit aufzuwerten und davon abzulenken. Urteile auf Kosten anderer werden unerbittlich und endgültig gefällt. Wahrheiten werden verdreht und auf den Kopf gestellt, geleugnet, verfälscht oder ausgeblendet. Mitgefühl und Empathie findet sich selten.

Doch ausgerechnet der Narzissmus scheint die Charaktereigenschaft zu sein, die den Menschen zu Macht, Ruhm und Erfolg verhilft. Zu beobachten ist dies u.a. daran, dass äußerst inkompetente, narzisstische Persönlichkeiten, in der Mehrzahl Männer, auf den höchsten und mächtigsten Schlüssel- und Machtpositionen sitzen. Der derzeit auffälligste dürfte der amtierende amerikanische Präsident Donald Trump sein. Aber auch in der deutschen Politik und Wirtschaft wimmelt es nur so von Führungspersönlichkeiten mit höchst problematischen narzisstischen Verhaltensweisen.

Während der Entwicklung des Patriarchats wurde die zwischenmenschliche Kommunikation immer problematischer. Sie bildet genau das ab, was das Patriarchat als solches ausmacht: Es täuscht, manipuliert, leugnet, vertuscht, verschleiert. Genau so aber gehen auch die Menschen darin miteinander um. Es ist üblich geworden, Mitmenschen nicht ernst zu nehmen, sondern für eigene Zwecke zu missbrauchen, sei es bewusst oder unbewusst. Das findet sich auf allen gesellschaftlichen Ebenen und in allen Lebensbereichen, seien es die Beziehungen in den patriarchalen dysfunktionalen Kleinfamilien, am Arbeitsplatz oder in Freundschaften.

Das Patriarchat ist höchst narzisstisch. Im Grunde besteht es aus dem Narzissmus der Menschen selbst, denn das Patriarchat sitzt in den Köpfen. Genau aus diesem Umstand aber könnte sich eine Möglichkeit auftun, es abzuschaffen. Narzissmus gehört zu den diagnostizierten psychischen Persönlichkeitsstörungen (ICD10-Code F60.8) und kann psychotherapeutisch behandelt werden. Würden wir Menschen uns darüber klar werden, dass unser problematisches Verhalten durch Selbstreflexion und therapeutische Behandlung und Begleitung geheilt werden kann, und würden wir uns darüber klar werden, dass wir durch das Verbessern des menschlichen Miteinander dem Patriarchat die Grundlage entziehen, hätte die Psychotherapie Hochkonjunktur. Doch weder weiß die Psychologie annähernd über das Patriarchat und dessen Auswirkungen Bescheid noch hat die derzeitige Patriarchatsforschung genügend fundierte psychotherapeutische Kenntnisse. Bevor es also überhaupt eine Chance zur Abschaffung des Patriarchats geben wird, wird noch einige Zeit vergehen und viel Selbsterkenntnis und Lernbereitschaft auf beiden Seiten nötig sein.

6 Gedanken zu „Patriarchat und Narzissmus

  1. Bei Psychiatern und Therapeuten kann es dann passieren, dass von Narzissten traumarisierte Frauen selbst als Narzisstinnen hingestellt werden. Da wird Opfer-Täter-Umkehr betrieben, da die Frau unter Umständen Anzeichen einer traumatischen Belastungsstörung aufweist. Also ist männlichen Psychiatern und Therapeuten schon mal nicht zu trauen. Ausserdem muss man denen schon gar nicht mir dem Patriarchat kommen. Bei Frauen ist es teilweise besser, aber leider auch nicht überall. Auch sie tendieren dazu, der Frau ein „neues und besseres“ sprich unterwürfigeres und angepassteres Verhalten anzuraten. Mit andern Worten, „chercher la femme“ oder die Frau hat immer schuld. Besser wäre es aufzuhören das Problem zu „individualisieren“, sondern endlich den oben beschriebenen Zusammenhang laut und deutlich als Gesellschafts-Psychose, resp. Patriarchats-Narzissmus zu formulieren, mit allen schrecklichen Formen und Auswüchsen. Leider stelle ich fest, dass sehr junge Frauen das „toll“ finden und auch zunehmend narzisstisch oder gar psychopathisch werden, ohne Mitgefühl für andere, Mensch oder Tier. Das macht mir Angst.

    • Die patriarchale Täter-Opfer-Umkehr seitens Psychologen habe ich selbst mal erlebt und auch darüber gebloggt: https://suedelbien.wordpress.com/2019/01/26/patriarchales-machtinstrument-psychologie/
      Komme ich mit dem Patriarchat, stoße ich weitestgehend auf Unverständnis bei den TherapeutInnen, aber auch bei MitpatientInnen. Es ist kein Wunder, das Wissen darum wird nicht offiziell gelehrt und daher ist es auch nicht bekannt und wird bei Konfrontation damit eher belächelt oder als Verschwörungstheorie, unwissenschaftlich oder in sonst einer Weise abgewertet und nicht ernst genommen. Die Gesellschaftspsychose wird immer wieder ausgeblendet, auch das Stockholmsyndrom, unter dem gerade die Frauen leiden. Jüngere Frauen verwehren sich strikt dagegen, weil sie sich eine Psychose nicht anhängen lassen wollen. Sie glauben, sie seien gesund und alles sei in bester Ordnung, wenn sie sich nur ausgiebig mit dem Feminismus befassen, der ja leider auch in vielen Formen patriarchale Blüten treibt. Kaltschnäuzigkeit, Moralisieren und Empathielosigkeit findet sich sehr oft bei Frauen, auch und gerade bei jüngeren. Umgekehrt kenne ich welche, die tiefgreifender als so manch ältere Frau die ungesunden Mechanismen der problematischen Kommunikation des Patriarchats begriffen haben.

      • Genau so ist es. Danke. Ich kann hier leider keinen „Stern“ oder „gefällt mir“ verteilen, da wir nicht auf Facebook sind. Für mich wird die ganze Gesellschaft zunehmend neurotischer, narzisstischer, wenn nicht gar psychopathischer. Es zählen nur noch Aufmerksamkeit und Geld. Keine inneren Werte. Keine Liebe. Allenfalls schnellen Sex. Ich habe dadurch auch schon langjährige Freundinnen verloren, die sich diesem neuen Zeitgeist angeschlossen haben. Kann mit ihnen nicht mehr reden. Übers Patriarchat schon gar nicht. Echte Feministinnen sind auch ausgestorben oder dann nachhaltig raus gemobbt und mundtot gemacht worden. Geistige Frauen-Wüste, wohin man schaut. Die Neo-Feministinnen kümmern sich lieber um Transmenschen und Political correctness als um wichtige Frauenanliegen. Der patriarchale Rollback hat ganze Arbeit geleistet und auch die Frauen untereinander entzweit und ihre Anliegen verdreht, lächerlich gemacht, banalisiert, oder „atomisiert“.

  2. Hier wollte mir gestern jemand mit einem ellenlangen manipulativen Kommentar beweisen, dass das Patriarchat erstens nur eine Erfindung der Frauen ist, die diese auch noch an ihre Söhne weiter geben und in den schönsten Farben schildern, damit die Söhne sich irgendwann genötigt sehen, sich zwischen Arschloch und Versager entscheiden zu müssen (entweder durch eine Tür gehen, die sogar offen ist oder zu doof sein, sie auf zu machen), um in den Pantheon der tollen Kerle aufgenommen zu werden, und zweitens damit wieder einmal den Frauen subtil die Schuld unterjubeln dafür, dass das Patriarchat existiert. Garniert hat er das mit einem platten Beispiel, wie doof sich die Frauen bei der Wahl ihrer Kerle anstellen und immer nur die protzigsten (mit den dicksten Autos) wählen und damit die dümmsten seines Geschlechts. Während er selbst noch nicht mal Auto fahren kann und daher sogar schon als Partner für manche Frauen nicht in Frage kam (der Arme!).

    Narzisstischer kann sich jemand kaum geben. Dieser Kommentar war der beste Beweis für die Richtigkeit meines Artikels. Ich schalte ihn natürlich nicht frei, denn Narzissten halten sich für so großartig, dass sie nicht ohne Aufmerksamkeit auskommen. Sie brauchen und brauchen und brauchen Aufmerksamkeit, und diese werde ich dem Kerl, der sich hier mit seinem vollen Namen geoutet hat, natürlich nicht geben.

    Ich weiß nicht, aus welchem Loch der gekrochen kam und glaubte, mein Blog hier als Profilierungs- und Brüstungsplattform benutzen zu können. Wahrscheinlich liest er hier weiter mit, also auch meinen jetzigen Kommentar: Mach dir keine Hoffnung, kleiner Narziss, ich veröffentliche hier nichts von dir. Verpiss dich einfach. DU bist der Beweis, dass das Patriarchat existiert.

    • Ja, das ist typisch. Eine Frau in England hat ein Buch geschrieben: „Why women get the blame for everything“ (Jessica Taylor) Die wurde über Tage 24/7 und Wochen mit Tausenden von Troll-Kommentaren fertiggemacht. Sie erhielt die üblichen Mord- und Vergewaltigungsdrohungen, nur weil sie auf den Missstand aufmerksam machte und darüber ein Buch schrieb. Ihr Facebook account wurde gelöscht und es wurde versucht, die Veröffentlichung ihres Buches zu verhindern. In solchen Zeiten leben wir wieder. Erinnert alles so sehr an die Hexen-
      progrome. Frauen werden von rechten und linken Kreisen fertig gemacht. Ist anscheinend mutig. (Eben: Frauen sind an allem (selber) schuld, während Männer natürlich nie verantwortlich sind. Nicht einmal bei Mord. (Sie hat halt dann provoziert) Es ist scheusslich. Wir waren Ende 80er-Jahre auch schon weiter. Was ist da nur passiert?

  3. Pingback: Patriarchat abschaffen: So wird das nix | Suedelbien

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