Solidarität unter Frauen im Patriarchat

Oder: Was fehlt

Inzwischen bekommen immer mehr Frauen mit, in welcher Art von Gesellschaft sie leben, nämlich im Patriarchat. Auch, wie es entstand und welche verheerenden Auswirkungen es auf Mensch, Tier und Umwelt hatte und hat, wird immer mehr Frauen (und auch Männern) bewusst. Das Patriarchat ist eine Fehlentwicklung der Menschheit seit ungefähr zehntausend Jahren. Unglückliche Umstände wie Klimawandel und Hungersnöte, Naturkatastrophen mit daraus resultierenden Völkerwanderungen, aber auch große Missverständnisse haben dazu beigetragen, dass es entstehen konnte. Es funktionierte und funktioniert heute noch. All die hochgehaltenen zivilisatorischen, technischen und kulturellen Entwicklungen und Errungenschaften der heutigen Zeit entstammen dem Patriarchat. Doch auf welche und wessen Kosten? Und wie würde die Menschheit, die Natur, die Erde heute aussehen, hätte es das Patriarchat nie gegeben?

Dass es auf Kosten der Frauen, der Natur, der Umwelt und der Tiere ging, ist unübersehbar. Die eine Hälfte der Menschheit wurde Jahrtausende lang in jeder Hinsicht ignoriert, sei es in der Kultur, in der Wissenschaft, in den Künsten, in der Philosophie. Auch heute wird Frauen, die Missstände benennen und ansprechen, eher kein Gehör geschenkt. Weiblichen Opfern männlicher Fehlverhalten bis Verbrechen wird erst geglaubt, wenn es viele sind. Die Stimme einer einzigen Frau zählt nicht halb so viel wie die eines Mannes. Diese Fakten allein lassen vermuten, dass es an der Zeit ist, dass Frauen sich endlich zusammen tun, sich solidarisieren und gegen den Wahnsinn des Patriarchats gemeinsam aufbegehren.

Aber das Gegenteil ist der Fall. Es gibt unzählige Strömungen des Feminismus, von liberal über queer bis radikal, und alle bekämpfen sich gegenseitig. Erst vor kurzem hat sich die Patriarchatsforschung und -kritik formiert, noch nicht einmal als Spielart des Feminismus, denn sie ist radikaler als der Radikalfeminismus, steht ihm sogar gegenüber, denn aus Sicht der Patriarchatskritik ist der Feminismus nur eine von vielen Spielarten des Patriarchats. Das gilt insbesondere für den liberalen und den Queerfeminismus. Von den Frauen, die selbst den Feminismus ablehnen, will ich hier gar nicht reden.

Die Frauen sind sich also uneinig, sie sind inhomogen und bekämpfen sich bis aufs Blut, statt sich zusammen zu tun und gegen die Unterdrückung aufzubegehren. Während Männer- und Väterrechtler sich popkorneinwerfend ins Fäustchen lachen und damit einen weiteren Grund haben, alles, was weiblich ist, weiterhin abzuwerten („Wir haben es doch immer gesagt, so ein Zickenkrieg!“). Warum ist das so?

Die Abwertung alles Weiblichen geht nicht nur von den Männern aus, sondern in hohem Maße auch von den patriarchalen Frauen. Sie haben von Kind an nichts anderes gelernt, als dass das Weibliche weniger wert ist als das Männliche. Schon weibliche Säuglinge werden von den Müttern bereits unbewusst anders behandelt als männliche Säuglinge. Sie werden seltener und weniger lang gestillt, weniger lange getragen, länger schreien gelassen, und wenn sie keine pflegeleichten Kinder sind, werden sie erst recht ablehnender behandelt. Die Ablehnung des Weiblichen von Kindesbeinen an untergräbt das Selbstwertgefühl der Mädchen. Hinzu kommt, dass daran, dass sie angenommen werden von Eltern und Bezugspersonen, Bedingungen geknüpft sind. Sie dürfen nicht laut sein, nicht widersprechen, nicht herum toben, sich nicht schmutzig machen und haben lieb, nett und brav zu sein. Diese ganzen Verhaltensweisen werden in der Kindheit geprägt von Eltern, die ihrerseits von ihren Eltern und Großeltern und allen Vorfahren über hunderte und tausende von Jahren geprägt wurden in ihrem patriarchalen Umfeld und ihr emotionales Erbe weiter gaben an ihre Kinder. Auch wenn die heutige Gesellschaft sich dieser rigiden Verhaltens- und Rollenmuster weitgehend entledigt zu haben glaubt, steckt sie noch bis zum Hals darin, und das zieht sich durch alle Schichten.

Frauen haben also gelernt, dass das Weibliche nichts wert ist. Also sind sie selbst auch nichts wert. Das jedoch ist für sie kaum zu ertragen. Also tun sie Dinge, um sich aufzuwerten: Sie verhalten sich normkonform, sind fleißig, brav, nett, zuvorkommend, hilfsbereit, um die so versprochene Anerkennung zu erhalten. Sie übernehmen die ihnen zugetragenen Arbeiten, widersprechen nicht, ertragen Übergriffigkeiten mit einem Lächeln, ignorieren sexistische Verhaltensweisen und zeigen ihren Ärger nicht. Sie behaupten, wenn ihnen wirklich jemand unangemessen kommt, dann wehren sie sich einfach, denn sie sind doch keine Opfer. Sie stehen über den Dingen und lassen es nicht an sich heran kommen. Doch die Frauen, die sich das gefallen lassen, werden von ihnen mit Verachtung gestraft.

Dabei sind sie selbst am wenigsten in der Lage, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren, was unabdingbar nötig ist, um eine Veränderung auch im Äußeren zu bewirken. Frauen, die einmal eine oder mehrere oder viele Psychotherapien gemacht haben, wissen das. Die Veränderung kommt von innen, niemals von außen. Das tiefe Verständnis darum, keinen einzigen anderen Menschen ändern zu können, ist Voraussetzung für die eigene Veränderung. Verändert sich die Frau selbst, haben alle anderen die Chance, ebenfalls sich selbst zu reflektieren und Veränderung an sich selbst herbei zu führen. Diese Verhaltensänderung bewirkt die Veränderung auch im Äußeren, denn das Umfeld reagiert zwangsläufig auf die eigenen Veränderungen.

Leider können diese Reaktionen ziemlich heftig ausfallen. Der Frau (dies gilt natürlich auch für Männer, nicht nur für Frauen, aber bei Frauen ist dies aus verschiedenen Gründen speziell) wird durch die Veränderung der anderen ein Spiegel vorgehalten. Sie sieht, was bei der anderen neuerdings möglich ist, was bei ihr selbst noch nicht möglich ist. Das führt bei ihr zu heftigem Widerstand und Abwehrreaktionen. Diese Abwehrreaktionen treffen nun die Frau, die gerade dabei ist, ihre eigenen Überzeugungen und Verhaltensweisen zu hinterfragen und zu verändern. Sie dienen dazu, diese Veränderungen abzuwerten, damit die unreflektierte Frau sich besser fühlt und an sich selbst nichts verändern muss.

Frauen haben allerdings durch ihr eigenes Leid bessere Chancen, anzufangen, sich selbst zu reflektieren als Männer. Männer werden vom Umfeld ständig bestätigt, Frauen dagegen ständig korrigiert und abgewertet. Zwangsläufig suchen sie fortwährend die Fehler bei sich. Wenn sie aber erst verstehen, dass sie Überzeugungen und Verhaltensweisen trainiert haben, die ihr vom Umfeld eingeimpft wurden, erkennen sie, dass sie diese ablegen können. Dann beginnt die Veränderung bei ihnen selbst.

Wir patriarchalen Frauen legen zwangsläufig patriarchales Verhalten an den Tag, das es zu reflektieren und zu hinterfragen gilt. Wir müssen unser eigenes Fettnäpfchen „patriarchales Verhalten“ endlich abarbeiten. Für die eigenen Fettnäpfchen ist jede selbst verantwortlich, und hier handelt es sich um ein kollektives. Die Männer schleppen ein solches auch mit sich herum, das sie wiederum selbst angehen müssen. Solange dies nicht geschieht, prallen alle Bemühungen um Aufklärung rund um die Fakten und Auswirkungen des Patriarchats immer wieder an der Mauer der Verständnislosigkeit der unreflektierten Mitmenschen ab. Zum Bewusstsein gehört auch die Kenntnis der Psychologie der patriarchalen Menschen. Ohne sie wird es unmöglich sein, es letztlich abzuschaffen.

 

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Gedanken zum Buch „Allein, alleiner, alleinerziehend“

Da ich selbst vor fast acht Jahren alleinerziehend wurde, habe ich mir kürzlich das Buch von Christine Finke zugelegt, um die Sicht einer anderen betroffenen Mutter kennen zu lernen. Die Jahre, in denen ich mit meinen beiden Söhnen allein lebte, nutzte ich u. a. dazu, mir Gedanken zu dieser Gesellschaft zu machen und auch Literatur zu dem Thema zu lesen. Das Ergebnis ist, dass ich zur Patriarchatskritik stieß und inzwischen davon überzeugt bin, dass das Patriarchat die Ursache aller Probleme, die die Menschheit heute mit sich und der Umwelt hat, ist. Insbesondere die Mütter leiden darunter, und dafür bin nicht nur ich selbst, sondern auch Christine Finke ein Beispiel unter vielen.

Dass sämtliche Hintergründe rund um das Patriarchat ein dermaßen riesiges Fass sind, dass die Ausmaße kaum zu ermessen sind, wurde mir im Laufe der letzten Jahre immer klarer und bewusster. Ich weiß noch, wie ich die Bände von Gerhard Bott, die Bücher und den Blog von Kirsten Armbruster und später die Bücher von Gabriele Uhlmann und die Artikel von Stephanie Gogolin las und ich immer deutlicher sah, was für ein Abgrund sich da auftat. In mir machte sich eine grenzenlose Erschütterung und Verzweiflung breit, denn ich begriff, dass wir Mütter und Frauen gar keine Chance haben, aus dieser Gesellschaft heraus zu kommen, wenn sie sich nicht grundlegend ändert. Wir sind ausnahmslos alle bis in die Knochen mit dem Patriarchat verfilzt und verwoben, über Epigenetik und kulturelle Ideologien, wie in einem unsichtbaren Spinnennetz, das wir nicht bemerken, oder vielleicht noch treffender beschrieben, wie in einer Matrix gefangen, die uns eine heile Welt vorgaukelt. Jeder Frau, die ich kenne und dieselben Erkenntnisse hatte wie ich und begriffen hat, ging es dabei ähnlich. Ja, wir haben die rote Pille geschluckt! Und das Aufwachen danach war alles andere als schön.

Von dem Buch von Christine Finke habe ich keine neuen Erkenntnisse erwartet, denn das, was ich bisher von ihr las auf Twitter oder auf ihrem Blog, war für mich längst überholt, bekannt und nichts neues. Ich merkte, dass sie das Ausmaß des Patriarchats, dessen Entstehung und Auswirkung und auch den Zusammenhang mit der frühzeitlichen Menschheitsgeschichte (noch!) nicht erfasst hatte. Dennoch weiß ich, dass sie eine intelligente Frau und gute Schreiberin ist und habe es auch nicht zuletzt deshalb gekauft, um ein Zeichen der Solidarität mit allen alleinerziehenden Müttern zu setzen (das Thema Solidarität unter Frauen und Müttern greife ich ein anderes Mal auf, denn das Fehlen dieser ist ein untrügliches Zeichen des Patriarchats). Ob es gesehen wird, bleibt dahin gestellt, denn ich weiß, dass ich wegen meiner Ansichten bei vielen gerade unter den jüngeren bloggenden Müttern nicht beliebt bin.

Das Buch von Christine Finke ist ein Erfahrungsbericht, und zwar ein erschütternder. Ich kann förmlich die Erschöpfung, die Wut, die Trauer, die Verzweiflung und die Existenzangst spüren, die aus ihren Zeilen spricht. Verglichen mit meiner Situation ist und war ihre deutlich prekärer: Sie hat drei Kinder, ich nur zwei. Ihre waren bei der Trennung deutlich jünger, das jüngste sogar noch ein Baby. Meine beiden Söhne waren 13 und 15, als ich mich von meinem Mann trennte und mit ihnen in eine kleinere Wohnung zog. Mein Ex zahlte von Anfang an Unterhalt bis heute, so dass ich nie finanziell wirklich Not litt. Auch war das Umgangsmodell bei mir der Klassiker „Wochenendpapa“ und lief einigermaßen reibungslos ab. Doch ein Spaziergang war es auch für mich nicht. Ich versuchte es mit Selbstständigkeit, scheiterte aber daran. Dann hangelte ich mich von Arbeitslosigkeit über Krankheit zu Arbeitslosigkeit in drei prekäre Beschäftigungsverhältnisse, von denen das letzte am vielversprechendsten war und urplötzlich noch in der Probezeit endete. Und nebenher all die zusätzlichen Belastungen mit Schule, Haushalt etc, die Christine Finke hinreichend in ihrem Buch beschreibt. Nun bin ich wieder arbeitslos, habe aber auch schon wieder etwas in Aussicht, ganz knapp vor Harz IV. Mit 55 Jahren halte ich das allmählich für eine Zumutung, denn ich wünsche mir nichts sehnlicher als endlich meine Ruhe, um dem nachgehen zu können, wofür ich leben will und was mich interessiert.

Anders als Christine Finke bin ich aber der Meinung, dass politisch gesehen keine Lösung für uns Mütter in Sicht ist, so lange sich die Menschen in dieser patriarchalen, hochzivilisierten, fortschrittlichen Gesellschaft nicht des Ursprungs der Natur der Spezies Mensch bewusst sind. Und das können sie auch gar nicht, weil ihnen erstens die Erfahrung und zweitens das Wissen fehlt. Statt dessen wird ihnen mit Gender-Study-Ideologien das Gehirn vernebelt. Dabei ist das Wissen um die matrifokale Soziologie längst da. Es wird nur nicht gelehrt, weder an den Schulen noch an den Universitäten, sondern ignoriert bis unterdrückt, denn es birgt einfach zu viel Sprengstoff für diese Gesellschaft. Die Tatsache, dass die Institution Ehe und die Paarfamilie mit Kind der Kern des Patriarchats ist, haben nur wenige erkannt und wird deshalb nicht (von der Politik schon gar nicht) in Frage gestellt. Das BMFSFJ hält die Fahne der Ehe und Familie hoch. Auch Christine Finke tut das, obwohl sie von dem goldenen Ehe-Käfig mit nachfolgendem Alleinerziehenden-Knast mit Freigang zu Kita-Zeiten schreibt. Nach wie vor schreibt sie von Kinderarmut und übersieht dabei, dass es sich vornehmlich um Mütterarmut handelt. Dabei ist sie selbst das beste lebende Beispiel dafür.

An einer Stelle beschreibt sie den Schmutz in ihrer Wohnung. Danach überkam sie ein Putzanfall. Sie schreibt dazu: „Wer den Schmutz sieht und benennt, kann ihn nicht mehr übersehen.“

Genau das ist der Punkt.

Verantwortlichkeit im Patriarchat

Psychotherapeuten sehen es als ihre Passion an, an der Seele erkrankte Menschen dahin zu bringen, dass sie in dieser Gesellschaft wieder funktionieren, und nicht, dass es ihnen besser geht. Das heißt, vordergründig schon, denn anders ausgedrückt: Dass es ihnen gut geht damit, mit den Missständen, mit denen sie täglich konfrontiert sind, klar zu kommen, sich zu arrangieren, es zu ertragen, dass ihnen ab und zu Unrecht geschieht. Die Psychotherapeuten helfen ihnen dabei, sich ein dickes Fell wachsen zu lassen, die Dinge nicht (zu sehr) an sich heran kommen zu lassen. Gelassen mit den Umständen umzugehen, versöhnlich mit den Ungerechtigkeiten der Vergangenheit abzuschließen, nach vorne zu gucken, in die Zukunft zu sehen, das Hier und Jetzt einfach akzeptieren, wie es ist. Sie transportieren Botschaften wie: „Wie du mit den Äußerlichkeiten umgehst, entscheidest du ganz allein. Es ist nicht die Frage, was dir geschieht, sondern wie du damit umgehst. Du kannst auf tausende verschiedene Arten damit umgehen, probiere es doch mal aus, anders zu reagieren als sonst. Mit Humor z. B. als mit Ärger. Du wirst sehen, die Umwelt wird deine Reaktionen spiegeln.“

Das alles ist zunächst richtig. Es hilft tatsächlich, gelassener mit den Umständen umzugehen, wenn sie einfach akzeptiert werden. Wenn sie als unveränderbare Größen angenommen und hingenommen werden, brauche ich keine Kraft mehr dafür aufzuwenden, sie ändern zu wollen. Der Kampf gegen Windmühlen ist ohnehin verloren.  Ich kann mich also ganz auf mich und meine eigenen Änderungen konzentrieren, meinen Weg finden, ihn konsequent gehen. Nicht nach links oder rechts sehen, den Blick klar nach vorn richten, zuversichtlich und mit geradem Rücken mich dem stellen, was auf mich zu kommt, ganz egal, was es ist, denn wir wissen schließlich alle nicht, was uns blüht.

Doch so einfach funktioniert es bei Frauen wie mir, die das Patriarchat begriffen haben, nicht mehr, wie ich am Ende des letzten Jahres sehr schmerzhaft feststellen musste. Ich habe mich in diesem Jahr fortgebildet, eine Prüfung mit Erfolg absolviert, beinhart verhandelt mit drei verschiedenen Arbeitgebern um vernünftige Bedingungen und einigermaßen angemessenes Gehalt, mich dafür jeden Morgen um vier aus dem Bett erhoben, aufgrund von Probezeiten auf Urlaub verzichtet (und trotzdem welchen durchgesetzt am Ende), mich mit dümmsten Kollegen und schwierigsten Kunden abgegeben, mich mit unwürdigen Arbeitsplatzbedingungen arrangiert, (fast) immer mit einem Lächeln auf den Lippen und der Zuversicht, dass sich alles zum Besten wendet. Darüber hinaus habe ich mich für Verbesserungen engagiert, ohne zu ahnen, dass das gar nicht erwünscht war. Mit dem Ergebnis, dass ich alles wieder verlor, mir wurde noch in der Probezeit gekündigt. Weil ich nicht in das dortige Team passte, nein, ich gehe noch weiter, weil ich nicht mehr in die Arbeitswelt passe. Weil ich das System, das Patriarchat, das dahinter steckt, durchschaut habe. Für mich als 55jähre Frau und immer noch alleinerziehende Mutter eine Katastrophe. Dies ist die Konsequenz für mein aufrichtiges, ehrliches und unbeugsames Handeln und Denken und für mein in den letzten Jahren angeeignetes Wissen und meine Erkenntnisse, die mich nun die Existenz kosten kann. Ich spüre meine Ohnmacht und Verzweiflung, nicht aus diesem Käfig ausbrechen zu können.

Andere Frauen, die noch im Arbeitsverhältnis stehen, sagen mir tatsächlich ins Gesicht (ohne es böse zu meinen), dass es Schlimmeres gibt als den Arbeitsplatz zu verlieren. In diesem Land verhungert man nicht. Es gibt Länder, da verhungert man ohne Arbeit tatsächlich, aber hier doch nicht, es ist ja alles abgesichert, ich kann froh sein, in so einem reichen Land wie Deutschland zu leben. Schlimmstenfalls müsste ich eben von Hartz IV leben. Als ich diese Aussicht fröhlich lachend mit triefendem Galgenhumor in die KollegInnenrunde (Kollegen, nur eine Kollegin) posaunte, war aber niemand darunter, der mir dazu gratulierte. Nein, betretenes Schweigen. Kein Wunder, niemand will in Hartz IV landen, und die, die es trifft, werden behandelt, als sei dies ihr persönliches Versagen und ihre eigene Schuld. Denn jeder ist schließlich für sich selbst verantwortlich, doch nicht die Umstände oder irgend ein Arbeitgeber. Passt man nicht ins Team, hat man eben selbst alles dafür getan, dass es so gekommen ist.

„Wir suchen uns das alles selbst aus!“, ruft mir das Patriarchat entgegen. Nein, es ist nicht „das Patriarchat“, das mir so etwas sagt. Es sind Mitmenschen, die diese Überzeugungen woanders gelernt haben, und ich weiß auch sehr genau wo. Ich war selbst mal dieser Überzeugung, als ich sie in einer Psychotherapie lernte. Sie stimmt auch, solange diese „Entscheidungen“ völlig unreflektiert und unbewusst innerhalb der angelernten rigiden Verhaltensmuster geschehen, in die jedes Individuum im Patriarchat mehr oder weniger verstrickt ist. Mit schlafwandlerischer Sicherheit z. B. sucht sich ein Mensch genau den Partner aus, der dem problematischsten Familienmitglied am ähnlichsten ist. Die Tochter sucht den gefühlskalten Vater. Der jüngere Bruder die ältere dominante Schwester, unter der er litt. Der Sohn die übergriffige Mutter usw., und das nur, weil dies in der Kindheit gelernt wurde, man kennt nichts anderes und das bedeutet (trügerische) Sicherheit. Doch durch das Verinnerlichen dieser Aussage und der Arbeit damit war ich gezwungen, meine eigenen Ansichten in Frage zu stellen und zu überprüfen, letztlich zu revidieren, was sehr heilsam war. So lernte ich Selbstreflexion, Verantwortung für mich zu übernehmen, was ich (und so viele Menschen im Patriarchat) vorher gar nicht konnte.

Dieses Übernehmen der eigenen Verantwortlichkeit hat aber genau da Grenzen, wo Verantwortung aufoktroyiert wird, wo keine ist. Man nennt das Victimblaming. Ein Mensch ist verantwortlich für das Unrecht, das er einer anderen Person angetan hat, und dreht einfach den Spieß um, um die Tat dem Opfer anzuhängen. Die Umwelt fällt auch noch darauf herein, und das Opfer ist doppelt geschädigt. Jeder Mensch, Mann wie Frau, ist im Patriarchat an Patriarchose (Stockholmsyndrom) erkrankt, und ein Symptom dieser ist das Verantwortlichmachen des Individuums für alles, was ihm geschieht. So muss an den Missständen nichts geändert werden, und die Menschen, die das nicht durchschaut haben, spielen da munter mit. Ich erwähnte diese notorische Täter-Opfer-Umkehr bereits in meinem Artikel über Bewusstsein und Wahrheit. „Sieh zu, wie du klar kommst!“ ist mir in meinem Leben öfter als genug kaltschnäuzig vor die Füße geschleudert worden, selbst dort, wo ich Schutz suchte. Patriarchale Verhaltensweisen sind das Gegenteil von artgerechtem Verhalten, wie es noch in der Matrifokalität unserer Ahninnen gelebt werden konnte. Aber wir haben es verlernt, wir patriarchalen Menschen können es gar nicht mehr, weil niemand im Patriarchat Matrifokalität erlebt hat.

Es sei denn, wir lernen aus der Menschheitsgeschichte, und zwar die Fakten und nicht das, was durch die herrschende Lehre propagiert wird, und besinnen uns auf unsere natürlichen Fähigkeiten des Zusammenlebens. Lernen können wir außerdem von den wenigen matrifokalen Gemeinschaften, die es heute noch gibt, z. B. den Mosuo in China und noch einigen anderen (Liste liefere ich nach).

Das Wachtelexperiment oder der Mythos von der Hackordnung

Warum Frauen von den Wachtelhennen lernen können.

Wahrscheinkontrolle

Hobby-Geflügelhalter Ingo[1] schrieb vor einiger Zeit in ein Soziales Medium, dass es ja Menschen gäbe, die nicht viel denken, und er finde, es sei bei den Wachteln kaum besser. Dies sei seine Weisheit des Tages.
Ich wurde darauf aufmerksam, weil mir immer wieder Mensch/Tier-Vergleiche auffallen, wenn z.B. in einer Tier-Doku vom Hirschen die Rede ist, der „auf dem Platz als Chef seinen Harem zusammen hält“, wenn „das Silberrückenmännchen als Patriarch die Gorilla-Gruppe beherrscht“ oder auch „die Störche sich ein Leben lang treu bleiben“. Die Herstellung solcher Analogien dient leider viel zu oft der Rechtfertigung unseres eigenen Verhaltens. Die Projektionen von Mensch auf Tier und umgekehrt sind immer falsch. Wie sollen sie auch richtig sein, kennen doch die weitaus meisten Dokumentatoren, Journalisten und auch Naturwissenschaftler nicht einmal mehr unser eigenes natürliches Verhalten (Vgl. Uhlmann 2015).

Es ging Ingo aber erstmal um die „Dummheit der Tiere“, insbesondere der Wachteln. In meiner…

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Existenz, Bewusstsein und Wahrheit

Die Spezies Mensch lebt auf diesem Planeten seit etwas mehr als einer Million Jahren. Sie entwickelte sich aus Lebewesen, von denen auch die heutigen Menschenaffen, die nächsten Verwandten, abstammen. Daraus folgt, dass Menschen zur Fauna des Planeten Erde gehören. Die Spezies Mensch hat im Laufe ihrer Entwicklung ein Bewusstsein erlangt, das ihr vieles ermöglichte. Leider führte dieses Bewusstsein auch in eine Fehlentwicklung, die wir heute in der patriarchalen Gesellschaft erkennen können, welche den überwiegenden Teil des Planeten bevölkert.

Die Menschen wurden irgendwann in ihrer Entwicklungsgeschichte sich ihrer selbst bewusst. Inzwischen wissen wir, dass Menschen nicht die einzige Spezies ist, die über diese Fähigkeit verfügt. Möglicherweise ist dieses Selbst-Bewusstsein im Tierreich sogar viel weiter verbreitet als bisher angenommen.

Doch Bewusstsein ist nicht identisch mit Existenz. Für bewusste Lebewesen wie die Spezies Mensch müsste dies eigentlich offensichtlich sein. Ist es aber nicht. Descartes hat gesagt: „Ich denke, also bin ich.“ Das ist zwar richtig, mit meinen Worten formuliert lautet die Aussage: „Wenn ich denke, muss ich auch existieren, denn wie könnte ich denken, existierte ich nicht?“ Aber auch das, was nicht denkt, ist existent. Ich drehe den Satz um: „Ich bin, also denke ich!“ Denn Bewusstsein setzt Existenz voraus. Ohne Existenz gibt es auch kein Bewusstsein, nur existierende Lebewesen sind in der Lage, ein Bewusstsein zu entwickeln.

Existenz bedeutet nicht, dass sie auch wahrgenommen wird, denn das was ist, was existiert, kann nur von bewussten Existenzen wahrgenommen werden. Diese nehmen das wahr, was sie wahrzunehmen in der Lage sind. Ein Insekt kann z. B. ganz andere Farben wahrnehmen als ein Pferd. Und doch existieren sowohl die Farben, die die Biene sieht als auch die Farben, die das Pferd sieht. Ein Hund, ein Bär, ein Pferd, ein Affe, ein Mensch sehen nachts am Himmel eine weiße leuchtende Scheibe, denn der Mond existiert. Nur die Spezies Mensch weiß inzwischen, was es mit dieser leuchtenden Scheibe auf sich hat. Doch der Mond ist, was er ist, unabhängig davon, was Lebewesen von ihm wahrnehmen.

Das, was ist, ist wahr. Unabhängig von jeder Wahrnehmung, und damit von jedem Bewusstsein. Wahrheit existiert, egal, ob sie erkannt wird oder nicht. Die bewusste Spezies Mensch lernte im Laufe der Jahrhunderttausende immer mehr Teile der Wahrheit kennen, und immer mehr Erkenntnisse kamen sowohl in das individuelle als auch das kollektive Bewusstsein. Menschen sind eine wissbegierige intelligente Spezies, die sich beobachtend, neugierig und experimentierend mit sich und ihrer Umwelt auseinandersetzte. Fußend auf ihren Beobachtungen, Erfahrungen und Erkenntnissen entstanden erste Kunstwerke, Malereien, Skulpturen, Musikinstrumente. Das Leben wurde in dieser ersten Bewusstseinsphase gefeiert. Das Offensichtliche wurde angenommen und künstlerisch verarbeitet.

Doch dann kamen Missverständnisse auf, aus denen besonders der männliche Mensch fatale Schlüsse zog. Seit Entstehung des Patriarchats verwandelte sich der klare und annehmende Blick auf die Umwelt und die Wissbegierde allmählich in ein Streben, erworbenes Wissen für eigene Vorteile zu nutzen. Offensichtliche Tatsachen wurden missinterpretiert und fehl gedeutet. Frauen gaben nicht mehr das Leben, sie wurden zu Gefäßen des männlichen „Samen“. Das Patriarchat mit allen seinen Auswirkungen, Eigentum, Besitz, Verteidigung desselben, aber auch Ausbeutung der natürlichen Bodenschätze entwickelte sich. Am fatalsten wirkte sich die kollektive Geiselhaft der Frauen durch die Männer auf die weitere Entwicklung der Menschheit aus, die bis heute anhält.

Damit sich das Patriarchat erhalten konnte, brauchte es Ideologien. Es entstanden Hierarchien mit Herrschenden und Dienenden. Die dienenden Menschen (vornehmlich Frauen) wurden mit „Wissen“ gefüttert, damit sie ihre misslichen Verhältnisse ertrugen und gegen die Unterdrückung nicht aufbegehrten. Aus den politischen Ideologien wurden Theologien mit Erfindungen von Göttern, die die irdischen Verhältnisse widerspiegelten, bis am Ende nur noch ein einziger (männlicher) Gott übrig blieb, der allein aus dem Geist zeugte. Die offensichtlichen natürlichen Wahrheiten waren komplett auf den Kopf gestellt.

So wurde die im Menschen verankerte Suche nach Wahrheit und Erkenntnis immer mehr zu einer Sinnsuche degradiert. Erst im Patriarchat suchten die Menschen, ihres eigentlichen Lebenssinns beraubt, nach der allumfassenden und einzigen Wahrheit. Da sie keine fanden, sagten sie, es gäbe keine einzige Wahrheit, sondern viele, und jeder Mensch hätte seine eigene Wahrheit. Das ist aber ein Trugschluss. Viele verwechseln Wahrheit auch mit Gott oder Spiritualität. Dabei ist und bleibt sie nur eines: Das was ist.

Wahrheit im Patriarchat zu finden ist allerdings schwierig. Alles, was im Patriarchat geborene und aufgewachsene Menschen als Glaubenssätze, Überzeugungen, Gewissheiten etc. lernen und aufgeschwatzt bekommen, entpuppt sich später oft als Irrtum, Lüge, Propaganda. Dann kann es zu so genannten „Wahrheitskämpfen“ kommen, eine Wahrheit gegen die andere, und jede Partei behauptet von sich, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Dabei geht es hier nicht um Wahrheit, sondern um Ideologien, Glaubenssätze, Überzeugungen. Kommt tatsächlich einmal Wahrheit zum Vorschein, wird sie genau mit dem Totschlagargument, sie sei ja nur „gepachtet“, schnell von der patriarchalen Bildfläche gefegt. Wenn Wahrheit sich im Patriarchat zeigt, dann wollen viele sie nicht wahrhaben. Im Gegenteil, sie wird von den ideologisch verblendeten Menschen bekämpft bis aufs Blut. Weil sie so weh tut und uns schmerzlich zeigt, in welch ungesunder Gesellschaft wir in Wirklichkeit leben. Dass wir alles, was wir bisher glaubten und als richtig angesehen haben, falsch ist. Dass wir dabei sind, den Planeten zu zerstören. Dass wir wider unserer natürlichen Soziologie leben. Dass wir untereinander nicht mehr ehrlich und wahrhaftig kommunizieren können, weil wir Tonnen von rigiden Verhaltensmustern mit uns herum schleppen.

Dazu gehört auch die notorische Opfer-Täter-Umkehr. Weil wir Frauen seit Jahrtausenden gelernt haben, dass nicht die Verursacher unserer Unterdrückung, nämlich die Männer, zur Verantwortung zu ziehen sind, sondern die Frauen, die sich dagegen wehren, bestrafen wir genau diese. Dabei sind sie die Opfer. Wir haben allzu oft erlebt, dass dem Opfer die Mitschuld bis Hauptschuld angehängt und es bestraft wird, sogar mit dem Tod. Und wir erleben es heute noch. Der Begriff „Opfer“ ist ein Schimpfwort geworden, und dem Opfer wird unterstellt, eine Opferrolle einzunehmen, den Status also selbst zu wählen. Status bleibt aber Status, das ist keine Rolle. Das spiegelt sich auf allen Ebenen. Wir Frauen suchen immer die Schuld bei uns, auch wenn uns noch so großes Unrecht angetan wurde. Aber auch Frauen werden Verursacherinnen von Missbrauch innerhalb ihres eigenen Geschlechts, z. B. durch Mobbing. Zu leiden haben darunter diejenigen, die zu ihrer Zielscheibe werden. Das sind oft gerade die, die unbequeme Wahrheiten mitteilen. Die verzweifelten Reaktionen des Mobbingopfers werden von den Umgebenden falsch eingeschätzt, und am Ende wird das Opfer genau dafür bestraft.

Wenn wir uns allerdings aufmerksam auf die um uns herum aufpoppenden Wahrheiten einlassen, statt uns dagegen zu wehren und den Übermittlerinnen den Kopf abzuschlagen, und nicht mehr den patriarchalen Glaubenssätzen folgen, können wir eine Chance bekommen, die zerstörerische Entwicklung noch zu stoppen. Wenn wir uns auf die Wahrheit einlassen, uns informieren und dann gemeinsam eine Lösung suchen. Nur informiert können wir Verständnis für uns selbst und unsere Mitmenschinnen aufbringen. Informieren wir uns aber nicht, sondern wehren ab, werden alle Lösungsbemühungen immer wieder nur in patriarchalen Kämpfen enden. Weil wir es nicht anders gelernt haben. Und es ist noch ein weiter Weg

Botschaften oder: Die Verantwortung der Empfängerschaft

Ich habe schon immer viel über das Kommunikationsmodell Sender und Empfänger nachgedacht und bin schon vor Jahren zu dieser einfachen Erkenntnis gekommen: Der Empfänger entscheidet, wie er eine Botschaft verstanden haben will. Mit anderen Worten: Der Sender kann nicht für die Missverständnisse des Empfängers verantwortlich gemacht werden. Leider sieht die Mehrheit der Menschen in dieser Gesellschaft es gegenteilig und behauptet, der Sender hätte die volle Verantwortung dafür, wenn seine Botschaft nicht „richtig“ ‚rüberkommt und missverstanden wird. Immer wieder fällt mir auf, dass ich als Senderin meiner Botschaften darüber belehrt werde, sie nicht richtig oder nicht pädagogisch oder nicht freundlich oder nett genug zu übermitteln, also zu verpacken. Es wird mir immer wieder bescheinigt, dass das „Wie“ der Übermittlung eine große Rolle spiele, fast noch wichtiger als das „Was“. Das halte ich aber für einen großen Irrtum.

Zunächst möchte ich die Frage klären: Was ist eigentlich eine Botschaft, oder welche Arten von Botschaften gibt es? Und wenn es verschiedene Arten gibt, worin bestehen die Unterschiede? Ich mache den grundsätzlichen Unterschied zwischen einer inhaltlichen Botschaft, die eine wie auch immer geartete Aussage übermittelt, und einer, hinter der eine Absicht steckt, und zwar die, die Empfängerschaft zu irgend etwas zu bewegen, und sei es, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Genau dazu ist das „Wie“ nötig, doch wie wird diese Art von „Überzeugen“ auch genannt? Manipulation.

Wenn ich von Botschaft schreibe, dann meine ich die inhaltliche Botschaft, hinter der keine andere Absicht steht als eben die, den Inhalt zu vermitteln, also das „Was“. Solche Inhalte können sein: Fakten, Tatsachen, Begebenheiten, Gefühle, Benennungen, Wahrheiten, Aussagen, Forschungsergebnisse, Protokolle, Berichte etc. Diese Botschaften sind zudem meistens völlig wertfrei. Ich nenne sie auch wahre Botschaften, die der Wissenserweiterung der Empfängerschaft dient und sie bereichert. Im Gegensatz dazu steht hinter der manipulativen Pseudo-Botschaft immer die Absicht, die Empfängerschaft im Sinne des Senders zu beeinflussen, sie also im Sinne des Senders auszunutzen. Sie spricht dazu bei der Empfängerschaft Werte an, die dann zu den gewünschten Reaktionen führen. Eine manipulative Botschaft ist in Wahrheit gar keine, sondern eine Aufforderung. Werbebotschaften funktionieren zum Beispiel so. Hier steht allein die Absicht hinter, die Empfängerschaft dazu zu bewegen, ein bestimmtes Produkt zu kaufen, eine Aufforderung, ein Appell also. Wird dieser Aufforderung nicht nachgekommen, wird der Empfängerschaft ein Nachteil suggeriert, der ihr entsteht, wenn sie z. B. dieses Produkt eben nicht kauft (bzw. ein Vorteil beim Kauf).

Lege ich mein Augenmerk auf das „Wie“, also die Frage, wie ich meine Botschaft am besten, nettesten, zielgruppengerechtesten, pädagogischsten verpacke, damit sie die Empfänger erreicht, die ich als Senderin erreichen will, dann führt der Blick unweigerlich weg vom „Was“. Doch erstens ist mir das „Was“ längst viel wichtiger als das „Wie“, und zweitens stehe ich auf dem Standpunkt, dass ich das Recht habe, meine Botschaften auf die Art und Weise zu übermitteln, wie ich es für angemessen halte. Handelt es sich um einen Missstand, dann benenne ich den Missstand. Wie ich das mache, ist meine Sache. Sind damit auch bestimmte Gefühle verbunden, z. B. Wut oder Trauer, dann übermittle ich auch diese Gefühle dazu. Auch hier ist es meine Sache, wie ich es mache.

Nun gibt es die These, dass jede Botschaft auf vier Ebenen gesendet wird (Vier-Seiten-Modell, Schulz von Thun): Sachebene, Beziehungsebene, Selbstoffenbarung und Appell-Ebene. Genau so verfüge auch der Empfänger über diese vier Ebenen, auf denen er die Botschaft hört. Das mag stimmen, doch zur Vereinfachung dessen, was ich in diesem Artikel ausdrücken will, bleibe ich bei der Sachebene, die identisch ist mit der inhaltlichen Botschaft, und der Appell-Ebene, die identisch ist mit der manipulativen Botschaft. Die beiden anderen Ebenen sind nichts desto trotz relevant, ganz besonders dann, wenn sich die Kommunizierenden sich ihrer nicht bewusst sind. Kommt bei Sachthemen die Beziehungsebene ins Spiel, geht die Kommunikation meistens schief.

Wenn ich also als Senderin ganz bewusst auf der Sachebene eine Botschaft vermittle, also einen Inhalt (wozu auch Gefühle gehören!), und mein Augenmerk ausschließlich auf das „Was“ lege, spielt das „Wie“ automatisch keine Rolle mehr. Ich bin mir meiner Botschaft voll und ganz bewusst und übernehme dafür die volle Verantwortung. Doch welche Verantwortung hat nun die Empfängerschaft dafür, dass sie die Botschaft auch verstehen kann?

Nun, um es zunächst ganz banal auszudrücken, um empfangen zu können, muss sie empfangsbereit sein. Dazu muss sie sich mir als Senderin öffnen und zuhören. Diese Empfangsbereitschaft wird aber immer wieder mir als Senderin in die Verantwortung gelegt, d. h. ich soll durch das richtige Verpacken meiner Botschaft dafür sorgen, dass meine Empfängerschaft empfangsbereit wird, also durch das „Wie“. Doch ob sich eine Empfängerin mir öffnet oder nicht, liegt ganz allein in ihrer Verantwortung und Entscheidung. Wollte ich darauf Einfluss nehmen, wäre ich sofort bei der manipulativen Pseudo-Botschaft. Meine Verantwortung liegt aber in der „Was“-Botschaft. Habe ich ihr genüge getan, habe ich meinen Teil der Verantwortung übernommen. Alles weitere liegt nun in der der Empfängerschaft.

Nun neigt die unreflektierte Empfängerschaft dazu, aus Botschaften das heraus zu hören, was sie hören will. Um noch einmal auf das Vier-Ohren-Modell zurück zu kommen: Eine Botschaft kann noch so gewissenhaft auf der Sachebene formuliert sein, ist ein Empfänger auf die Beziehungs- oder Appell-Ebene eingestellt (also schlicht auf die falsche Frequenz), wird die Botschaft missverstanden. Leider sind dies die meisten Menschen in dieser Gesellschaft. Dass eine Botschaft in ihrem Inhalt, ihrer Aussage verstanden wird, setzt immer voraus, dass eine Empfängerschaft offen für sie ist und bereit, sie zu verstehen. Sie muss sie verstehen wollen, und zwar in ihrer wahren Sachaussage, nicht in einer Aussage oder auf einer Ebene, die die Empfängerschaft gerne hätte, denn das ist nichts anderes als Projektion auf den Sender. Dafür trägt der Empfänger die volle und alleinige Verantwortung.

Was kann Empfängerschaft also tun, um Botschaften, Wahrheiten, Fakten, Aussagen etc. so zu nehmen wie sie sind und nicht das hinein zu interpretieren, was sie gerade hören oder sehen will? Die Antwort ist relativ einfach, die Umsetzung jedoch schwierig und langwierig und kostet viel Arbeit: Bei sich bleiben. Angelernte Überzeugungen, Annahmen, Vorurteile, Glaubenssätze etc. hinterfragen, aufarbeiten, ablegen, immer wieder reflektieren und an der Realität überprüfen, so lange, bis der gesamte Schleier der Täuschungen und Falschnehmungen (wir leiden alle unter Wahrnehmungsstörungen, wenn wir nicht daran arbeiten) durchlässig wird, so dass die Sicht auf die Dinge und somit auf die wahren Botschaften klar und ungetrübt wird.

Patriarchatslogik

Oder: Das Patriarchatsbullshitbingo

Vor gut einem Jahr entdeckte ich einen weiteren Lebensbereich, in dem ich falschen Fakten, Überzeugungen und Glaubenssätzen auf den Leim gegangen bin. Diesmal ist es einer, dessen Überzeugungen ich sogar selbst einmal vehement nach außen verteidigt habe und die sich nun als weitgehend falsch herausgestellt haben. Aber auch dieses Mal empfand ich es als eine Befreiung, endlich die Wahrheit erfahren zu haben, denn ich war dadurch wieder in die Lage gekommen, für mich selbst zu handeln.

Gemeint sind meine Irrtümer in Bezug auf mein (Über)gewicht. Seit Jahren schon und immer wieder war ich übergewichtig, zuletzt sogar adipös. Meine Überzeugungen, die ich im Laufe des Lebens rund um Ernährung und Gewicht gelernt und nie wirklich hinterfragt hatte, hinderten mich daran, aktiv etwas dagegen zu tun. Alle zusammen führten mich zu dem irrtümlichen Schluss: Ich kann nichts daran ändern. Ich bin machtlos.

Nun hatte die Bloggerin erzaehlmirnix die Idee, in Anlehnung an einen in englischen Foren geprägten Begriff, all die Mythen, Halbwahrheiten und handfesten Irrtümer rund ums Abnehmen, die leider auch durch falsche Auslegungen von Studien oder sogar einzelne Studien selbst immer wieder geschürt wurden, als „Fettlogik“ zu betiteln und als Buch (mit ergänzendem Blog) heraus zu geben. Das Buch ist ein voller Erfolg, denn es bekommt etliche gute Kritiken, ist schon längst ein Bestseller und vielen, die es gelesen haben, ging es so wie mir, sie handelten und die Pfunde purzelten. Inzwischen bin ich mit dem Abnehmen fertig und habe insgesamt 35 kg abgenommen. Mein Gewicht liegt im unteren Norrmalbereich, und es gibt inzwischen tatsächlich Leute, die mich als „zu dünn“ bezeichnen. Meine Abnehmerei verblogge ich vielleicht irgendwann noch einmal gesondert, denn mir geht es in diesem Artikel nicht um das Thema Abnehmen, sondern um die Idee der entlarvten „Logiken“. Nicht nur auf dem Gebiet rund um Gewicht, Körperwahrnehumg, Bewegung und Ernährung inklusive Essstörungen herrscht heillose Unklarheit und Verwirrung, sondern sie ist grundsätzlich ein Symptom für die Gesellschaftform und Lebensweise, in die wir gezwungen sind. Deshalb fasse ich hiermit die Mythen, Halbwahrheiten und handfesten Irrtümer rund ums Patriarchat als Patriarchatslogik zusammen.

Im Folgenden liste ich die vielen patriarchalen „Logiken“ auf und versuche, sie zu erklären. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe sie nach ersten Entwürfen auch wieder stark gekürzt, denn dieser Artikel würde sonst ausufern.

Der Mensch kannte schon immer den Zusammenhang zwischen Sexualität und Fortpflanzung.

Da schließt sich direkt die Frage an: „Woher denn?“ Menschen sind intelligente, wissbegierige Wesen, deshalb ist es nicht schwer, sich vorzustellen, dass sie Beobachtungen anstellten und aus diesen ihre Schlüsse zogen. Was für die frühen Menschen im Paläolithikum (Altsteinzeit) offensichtlich war, war dies: Neues Leben kam aus den Weibchen heraus. Sie gebaren die Kinder, und das war auch bei den von ihnen beobachteten Tieren so. Der Sexualakt stand vorerst nicht offensichtlich im Zusammenhang mit neuem Leben. Er wurde einfach praktiziert und war etwas völlig normales und gegebenes. Die Frage, wozu er nötig war, kann gar nicht aufgekommen sein, denn sie stellte sich nie. Das neue Leben kam einfach, und zwar aus den Weibchen. Das waren die Menschen, die eine Vagina hatten und nicht die mit dem Penis. Eine ganz einfache Zuordnung, die auch auf die Natur herum projiziert wurde. Aus der Erde kam neues Leben, aus den Eiern, aus dem Wasser. Es ist also gar kein Wunder, dass die frühen Menschen alles, was neues Leben gab, als weiblich ansahen. Das war selbstverständlich und es gab überhaupt keinen Anlass, dies in Frage zu stellen.

Erst als die Menschen sesshaft wurden und anfingen, Kleintiere zu halten, ging ihnen diesbezüglich ein Licht auf. Sie erkannten die Bedeutung der Sexualität und den männlichen Anteil an der Fortpflanzung. Aus der Beobachtung, dass ein einziger Stier viele Kühe befruchten kann, zogen die Menschen im Laufe der Jahrtausende den falschen Schluss, dass der Mann den Hauptanteil an der Fortpflanzung hätte. Fortan musste die Erde also befruchtet werden, sie war das Gefäß, das den männlichen „Samen“ in sich aufnahm. Der aktive weibliche Part, Leben zu geben, wurde mehr und mehr zum passiven degradiert. Aktivität wurde zusehends dem Männlichen zugeschrieben.

Der Mensch ist grundsätzlich gewaltbereit.

Wenn das wirklich so wäre, dann wäre die Spezies Mensch längst ausgestorben. Wer die Weise, sich gegenseitig zu bekriegen, wie es heutzutage zwischen verfeindeten Menschengruppen üblich ist, auf eine natürliche biologische genetische Veranlagung zurück führen will, ignoriert die archäologischen Fakten. Kriegerische Handlungen lassen sich erst ab der neolithischen Revolution nachweisen. Sie waren im Paläolithikum unbekannt und auch gar nicht notwendig, im Gegenteil, sie hätten dafür gesorgt, dass die wenigen existierenden Menschen sich selbst ein schnelles Ende gesetzt hätten. Das aber tut keine Spezies. Die Natur ist auf das Überleben der Art ausgerichtet, nicht auf die eigene Ausrottung. Ein sich gegenseitiges Töten kommt in Arten erst dann vor, wenn bestimmte Umstände dazu zwingen, bei Überbevölkerung zum Beispiel. Dies hat man auch bei Ratten nachgewiesen. Überbevölkerung ist aber ein krankhafter Zustand, auf den auch entsprechend krankhaft reagiert wird. Auch nachgewiesener Kannibalismus ist keine Erklärung für eine grundsätzliche Gewaltbereitschaft der menschlichen Spezies. Er kommt bei vielen Spezies bei akuter Nahrungsknappheit vor. Archäologische Funde, die rituellen Kannibalismus beim Menschen belegen sollen, sind mit Vorsicht zu genießen und genau zu datieren. Ritueller Kannibalismus kommt erst in patriarchalischen Gesellschaften mit herrschaftslegitimierenden Religionen vor. Kannibalismus als Beleg für die Gewaltbereitschaft der Spezies Mensch taugt also nicht.

Die Natur ist grausam, das Patriarchat schützt die Menschen vor ihr.

Die Natur ist weder gut noch böse. Vor allem ist sie absichtslos. Sie ist ein Kreislauf des Lebens, zu dem sowohl Geburt als auch Tod gehören. In diesem ganzheitlichen Kontext wurde die Natur von den in ihr lebenden Wesen erfahren, also auch von der Spezies Mensch. Es war für die Altsteinzeitmenschen etwas ganz normales, an Tod und Wiedergeburt zu glauben. Sie waren also eingebettet in den Kreislauf der Natur, und standen ihr nicht feindlich gegenüber, so wie die Menschen sich erst im Patriarchat gegen sie wandten, um sie zu beherrschen und letztendlich auszubeuten. Um dies zu legitimieren, wurde die Natur, genau wie alles weibliche, verteufelt und als grausam tituliert. Anstatt in ihr aufzugehen und mit ihr zu leben, kämpft der Mensch gegen sie in seinem Irrtum, sie besiegen zu müssen. Dabei sind die Menschen ein Teil von ihr. Der patriarchale Mensch (Mann) sieht sich aber lieber nicht als Teil von irgend etwas, sondern als Beherrscher von allem. Auch der Glaube, hinter allem müsse irgend ein göttliches Konzept oder ein göttlicher Sinn stehen, ist den Mythen des Patriarchats geschuldet.

Geschlecht ist ein soziales Konstrukt und sitzt im Kopf, nicht in den Organen.

Dieser Irrtum hat seine Wurzeln im Feminismus und ist ein Missverständnis einer Aussage von Simone de Beauvoir, die in ihrem Werk „Das andere Geschlecht“ (1949) die These vertritt, dass Menschen nicht als Frauen (oder Männer) geboren werden, sondern von der Gesellschaft dazu gemacht werden. Das Missverständnis beruht darauf, dass nicht zwischen biologischem Geschlecht und zugewiesener Rolle unterschieden wurde. Dieser Unterschied wird leider bis heute nicht erkannt, sondern ignoriert oder gar verleugnet. So ist der Queerfeminismus inzwischen zu einem ideologischen Transkult verkommen, der nicht wahrhaben will, dass die beiden Geschlechter (und alle intersexuellen Zwischenformen) existieren und biologische Realität sind. Manche behaupten, es gäbe so viele Geschlechter wie es Menschen gibt. Eine fatale Verwechslung von Geschlecht und Persönlichkeit.

Ohne Männer gäbe es auch keine Mütter.

Der Mann ist so wichtig, dass er nicht müde wird, immer wieder zu betonen, dass zur Fortpflanzung eben zwei gehören und dass es ohne ihn ja auch die Frauen nicht gäbe. Dass dies für beide Geschlechter gilt, bleibt dabei unerwähnt. Unerwähnt bleibt auch, dass es in der Natur durchaus vorkommen kann, dass eine Fortpflanzung auch ohne männlichen Part stattfindet.

Spermium = Same

Das ist eine Falschinformation. Die Bezeichnung „Same“ definiert die Anlagen eines Keimes, die komplett vorhanden sein müssen, damit daraus ein vollständiges Lebewesen entsteht. Also kann ein Spermium kein Same sein. Eher fällt der Eizelle diese Definition zu, denn in ihr sind bereits alle Dinge angelegt, die nötig sind, damit sie keimen kann. Auch die Umgebung ist schon vorhanden. Das Spermium trägt lediglich den zweiten Chromosomensatz für das neue Lebewesen bei und ist ansonsten so ausgestattet, dass es in der Lage ist, in die Nähe einer Eizelle zu gelangen. Es hat eher den Status eines Pollenkorns oder einer Spore.

Männer sind für das Befruchten zuständig, Frauen für das Nähren.

Diese Sichtweise blendet völlig aus, welch großer Anteil am Arterhalt von der Natur für die weiblichen Lebewesen vorgesehen ist. Welches Geschlecht hat bei vielen Tieren und auch bei der Spezies Mensch den größeren Aufwand bei der Fortpflanzung und der Aufzucht der Jungen? Das weibliche. Nach dem Eindringen des Speriums in die Eizelle entwickelt sich der Embryo, wird neun Monate lang im Mutterleib ernährt. Dann erfolgt die Geburt, die kein Spaziergang ist, und danach jahrelanges Stillen und Aufzucht.

Das Patriarchat war schon immer da und ist die natürliche Lebensform des Menschen.

Alle archäologischen Funde und Erkenntnisse sprechen dagegen. Leider werden diese Fakten verschwiegen, geleugnet, unter den Teppich gekehrt, umgedeutet, in ihrer Bedeutung verkannt oder fehlinterpretiert.

In der Steinzeit war der Mann Jäger, die Frau Sammlerin.

Grundsätzlich mag das stimmen, doch wird in diesem Kontext immer wieder das überlegene Jägertum gegenüber der sammelnden Tätigkeit überbetont. Dabei wurden 3/4 des Nahrungsbedarfs der Menschen im Paläolithikum über das Sammeln von Früchten, Samen, Eiern, Nüssen etc., seltener auch durch Fische gedeckt. Ein Tier zu erlegen war ein Glücksfall, und es ist keineswegs sicher, ob  sich an der Jagd nur die Männer beteiligt haben.

Vater – Mutter – Kind ist die ursprüngliche Kernfamilie.

Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Paar- oder Kleinfamilie wie sie seit Jahrtausenden existiert und die wir bis heute als normal und selbstverständlich ansehen, in Wahrheit den Kern des Patriarachats darstellt. Die Kleinfamilie steht in krassem Widerspruch zu der natürlichen Sippengemeinschaft der Spezies Mensch, die die längste Zeit der Menschheit auch gelebt wurde. In der Kleinfamilie trägt die Mutter die alleinige Verantwortung für die Kinder, ist komplett isoliert und mit ihrer Belastung, die sie nur mit einer Person teilen kann, nämlich dem Vater, überfordert. Der Vater denkt in den wenigsten Fällen daran, wirklich die Hälfte der Verantwortung zu übernehmen, im Gegenteil. In den meisten Fällen bleibt die Arbeit rund um die Kinder und den Haushalt an der Frau hängen. Dennoch wird von ihr erwartet, dass sie so schnell wie möglich wieder erwerbstätig wird. Dass das nicht funktioniert, wird mit der großen Zahl alleinerziehender Mütter deutlich, die geradewegs in die Altersarmut steuert.

Der Mann hat schon immer Frau und Kind versorgt und war das Oberhaupt der Familie.

Familie gibt es erst, seit es das Patriarchat gibt. Sie stellt den Herrschaftsbereich eines einzelnen Mannes dar, der gegenüber der Frau privilegiert ist. Diese Behauptung dient dazu, die Frauen mit einem falschen Biologieargument in ihrer misslichen Lage zu halten. Dieses Argument führt übrigens dazu, dass sich gerade Frauen gegen die Biologie stellen, weil sie sie als etwas beschränkendes und  bevormundendes erleben. Doch nicht die Biologie macht Frauen unfrei, sondern die isolierende Kleinfamilie.

Gewalt und Krieg gab es schon immer und sind etwas ganz normales.

Erst, als es darum ging, Privateigentum zu beanspruchen, zu erobern und zu schützen, entwickelte sich auch die Gewaltbereitschaft dazu. Privateigentum begann mit den zu beackernden Landflächen, mit den Rinderherden, die umso wertvoller waren, je mehr Köpfe (Capites, daraus entwickelte sich der Begriff „Kapital“) die Herde hatte. Einige Menschen verfügten nun über mehr Ressourcen als andere, was zu Unfrieden und Streit, in letzter Konsequenz zu Gewalt und Krieg führte. Das setzt sich bis heute fort und zeigt mehr als deutlich die schädlichen Auswirkungen des Patriarchats.

Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt und gab es schon immer.

Die Prostitution entwickelte sich aus der Tempelprostituion und dem Ritual der „Heiligen Hochzeit“, welche nichts anderes als eine öffentlich zelebrierte Vergewaltigung darstellt. Auch die heutige Prostitution ist nichts anderes. Sie ist nicht das älteste Gewerbe der Welt, denn vor dem Patriarchat gab es keine. Sie ist also schlicht das Gewerbe des Patriarchats.

Wir waren schließlich damals nicht dabei!

Das Totschlagargument in der Archäologie par excellence. Natürlich waren wir das nicht. Aber wir können heute aus den archäologischen Funden, aus den Gegebenheiten der heutigen Welt, aus unserer Geschichte, aus unseren Gefühlen und dem gesunden Menschenverstand sehr wohl Rückschlüsse ziehen auf die natürliche Lebensweise der Spezies Mensch. Dass es so, wie sie jetzt lebt, nicht natürlich und nachhaltig arterhaltend sein kann, ist offensichtlich.

Die zahlreichen Frauenfigurinen dürfen auf keinen Fall mit Göttinnen gleichgesetzt werden.

Doch. Denn genau das waren sie. Sie werden ja offiziell als „Venus“ bezeichnet („Venus von Willendorf“, „Venus von hohle Fels“, „Venus von Moravany“ etc.). Venus aber war bereits eine Göttin aus dem römischen Götterpantheon, die einem Göttervater (Jupiter) untergeordnet war. Die Archäologie hat inzwischen eingelenkt und bevorzugt „Frauenstauetten“, was ihnen allerdings in keiner Weise gerecht wird, denn wie schon weiter oben dargelegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die paläolithischen Menschen ausschließlich das Weibliche als göttlich angesehen hatten.

Religionen kann jeder ausüben wie er will und haben mit Patriarchat überhaupt nichts zu tun.

Alle, ausnahmslos alle Religionen, auch Buddhismus uns Hinduismus, basieren auf dem Patriarachat. Sie dienen dazu, die irdischen Herrschaftsverhältnisse zu legitimieren und die Menschen, die in der Hierarchie weit unten stehen, im Glaube zu lassen, ihre misslichen Lebensumstände seien gottgewollt und hätten direkt etwas mit ihnen selbst zu tun.

Jeder Mensch braucht Religion und seinen Glauben.

Jeder Mensch braucht Spiritualität. Diese entwickelt sich beim Einssein mit der Natur. Was der Mensch keineswegs braucht, ist ein männlicher aus dem Geist zeugender Gott. Doch da die Menschen im Patriarchat verlernt haben, eins zu sein mit der Natur, führt die unerfüllte Sehnsucht zu Ersatzmythen, Religionen genannt. Tatsächlich aber bedeutet Religion „Zurückbindung“ aus dem lateinischen Wort „religare“, mit dem Zusatz versehen „an Gott“. Dieser ist aber dem Begriff „Religion“ erst im Patriarchat hinzu gesetzt worden. Eine Rückbindung geschieht ausschließlich an die Natur innerhalb des Kreislaufs des Lebens.

Das Patriarchat hat viele kulturelle Errungenschaften hervor gebracht, z. B. die Schrift.

Die kulturellen Errungenschaften sind in Wirklichkeit Hilfsmittel, um patriarchalische Gegebenheiten zu erhalten und zu stützen. So ist die Schrift erfunden worden, um festhalten zu können, wer wo wohnt und lebt, wer zu wem gehört, und was er besitzt. Die Personalisierung der Menschen im Volk durch Festlegen des Namens, seiner Staatszugehörigkeit etc. ist durch die Schrift erst möglich geworden. Auch dient sie, wie wir alle wissen, nicht nur zum Festhalten von Fakten und Tatsachen, sondern eben auch ganz im Gegenteil zur Verbreitung von Mythen und Propaganda. Schriftlich festgelegt ist auch die staatliche Verfassung und alle Rechts- und Gesetzestexte, die ein Staat so braucht, um das Zusammenleben zu regeln. Dass es nicht mehr natürlich funktioniert, sondern kontrolliert und sanktioniert werden muss, ist ein weiterer Hinweis auf das Patriarchat.

Wenn es etwas anderes als das Patriarchat gegeben hat, dann war es ein Matriarchat, das aber noch viel kriegerischer war als das Patriarchat.

Das ist eine Falschbehauptung, die einzig dem Zweck dient, die matrifokale Lebensweise der Altsteinzeitmenschen zu diffamieren. Leider ist der Begriff „Matriarchat“ im Mainstream bereits als (noch viel schlimmeres) Patriarchat mit umgekehrten Vorzeichen derart verankert, dass es schwer ist, die Fakten richtig zu stellen.

Patriarchale Gesellschaften sind unzivilisierte Gesellschaften, wo Krieg und Terror herrschen.

Ein Irrum der westlichen Zivilisationen. Westliche Menschen denken, sie lebten in einer aufgeklärten, modernen Gesellschaft, wo Demokratie herrscht, Gleichberechtigung in weiten Teilen umgesetzt ist und das Rechtsstaatsprinzip gilt. Freiheit und Vielfalt sind die Werte, die in vielen muslimischen Staaten nicht gelten. Es stimmt, in solchen Staaten kommt das Patriarchat noch sehr archaisch und leicht erkennbar daher, doch das darf keinesfalls zu dem nächsten Trugschluss verleiten:

In der westlichen Zivilisation ist das Patriarchat doch längst abgeschafft.

Leider nein, im Gegenteil. Die westliche Zivilisation ging aus dem Patriarchat hervor trotz diverser Errungenschaften wie die von Feministinnen erkämpften Rechte der Frauen in den letzten hundert Jahren. Dass es derzeit so viele Backlashs gibt, ist nur ein weiteres Zeichen dafür, dass das Patriarchat keineswegs daran denkt, sich abschaffen zu lassen.

Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Obwohl dieser Satz in Artikel drei des Grundgesetzes festgelegt ist, stimmt er einfach nicht. Frauen werden im Patriarchat nach wie vor benachteiligt, und zwar in allen Bereichen. Viele Frauen, besonders die liberalen Feministinnen, wollen das aber nicht wahrhaben und denken, sie könnten ein gutes Leben im Patriarchat führen. Doch spätestens wenn Kinder da sind, werden sie eines besseren belehrt werden. Dann werden sie merken, wie anstrengend es ist, Kinderaufzucht und gleichzeitige Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bringen, wie oft sie dabei an ihre kräftemäßigen Grenzen stoßen, und das jahrelang, 24/7. Die Männer dagegen beteiligen sich nur soweit wie sie eben wollen. Sie haben eine Wahl, die Frauen nicht.

Die Familie ist die Basis der Gesellschaft.

Richtig. Und zwar die des Patriarchats. Eine Gesellschaft ist übrigens immer patriarchalisch, im Gegensatz zu der matrifokalen sanguinen (blutsverwandten) Sippengemeinschaft.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Artikel eins des Grundgesetzes ist eine patriarchalische Falschbehauptung. Würde ist bereits durch die nicht artgerechte Lebensweise längst nicht mehr gegeben.

Abschlussbemerkungen

Hier komme ich zurück auf den im ersten Abschnitt erwähnten Begriff „Fettlogik“ und dessen Zusammenhang mit dem Patriarchat. Jede Fettlogik bewirkt, dass jemand in dem Glauben bestärkt wird, nichts an der eigenen Gewichtssituation ändern zu können (egal, ob zu dick oder zu dünn, wobei die Adipositas bei weitem am häufigsten vorkommt). Jede Patriarchatslogik bewirkt, dass die darin lebenden Menschen in ihren Mythen und Glaubenssätzen verharren und nicht anfangen, die Gesellschaft, in der sie leben, zu hinterfragen. Im Patriarchat ist alles, wirklich alles, auf den Kopf gestellt worden. In jedem Lebensbereich ist der Bullshitanteil im Gegensatz zu den Fakten unverhältnismäßig hoch. Ich sehe das Thema „Fettlogik“ als einen Teilbereich des Patriarchats an. Mit anderen Worten: Auch Fettlogiken sind Patriarchatslogiken.

Im Gegensatz zu den Fettlogiken sind die Patriarchatslogiken zwar zu hinterfragen und zu durchschauen, aber die Erkenntnisse darum sind nicht so ohne weiteres dazu geeignet, sofort und nachhaltig etwas ändern zu können, schon gar nicht an der eigenen Situation, die ja durch das Patriarchat bedingt ist. Die Menschen im Patriarchat sind darin geboren und aufgewachsen. Die Tatsache, dass wir im Patriarchat leben, mag manchen sehr ungangenehm sein, wird von vielen (vornehmlich Männern) geleugnet, denn wir einzelne Menschen können vorerst gar nichts daran ändern. Das ist für manche sehr schwer zu ertragen, und auch mir ging es so, als ich anfing, eins und eins zusammen zu zählen, in Aussichtslosigkeit zu verfallen angesichts der Ohnmacht gegenüber den wahrhaft umhauenden Fakten. Ich ahnte, dass es schlimm ist,  aber dass es so schlimm ist, wollte auch ich erst nicht wahrhaben. Alle Bemühungen vieler Frauen und Mütter, ein gutes Leben im Patriarchat zu führen, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn es sind nichts als Trostpflaster, die nur die Symptome lindern. Das gesamte Gesellschaftssystem muss hinterfragt und geändert werden.

Dazu ein paar einfache Dinge: Ein Staat besteht aus einem Volk, einem (abgegrenzten) Land und einer Verfassung. Wenn nur eines davon fehlt, ist es kein Staat. Wie leben indigene Völker? Sie haben weder ein abgegrenztes Land noch eine Verfassung. Brauchen sie einen Staat, um zu leben, vor allem gut und artgerecht? Natürlich nicht. Und ich meine es so, wie ich es sage:  Natürlich nicht. Nun ist es utopisch, anzunehmen, es sei möglich, Staaten, deren Regierungen und die begrenzten Länder mal eben abszuschaffen. Dazu müsste sich zunächst ein tiefes Verständnis zur Entstehung und Auswirkung des Patriarchats entwickeln. Das geht nur mit Aufklärung und Faktenwissen. Ganz sicher nicht durch Faktenverleugnung, Faktenverdrehung und Faktenverschweigung. Im Patriarchat indes ist alles ins Gegenteil verkehrt. Kommen Fakten ans Licht, die es in Frage stellen, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, sie als falsch zu deklarieren. Man kann es derzeit sehr schön an den Weltereignissen beobachten. Das einzig tröstliche daran: Die Faktenleugnung ist derzeit so offensichtlich, dass selbst die verblendetsten Menschen merken, dass etwas schief läuft. Von einer nachhaltigen Abschaffung des Patriarchats sind wir trotzdem noch Lichtjahre entfernt.

Aber ich bin dennoch zuversichtlich, denn ich weiß jetzt, wie ich damit umgehe. Ich schreibe meine Erkenntnisse und die Fakten auf, wie es auch Gabriele Uhlmann, Stephanie Gogolin, Kirsten Armbruster, Gerhard Bott und viele andere schon längst tun. Hinter eigene Erkenntnisse kann nicht zurückgefallen werden. Sie werden sich trotz der patriarchalen Widerstände verbreiten.