Das Wachtelexperiment oder der Mythos von der Hackordnung

Warum Frauen von den Wachtelhennen lernen können.

Wahrscheinkontrolle

Hobby-Geflügelhalter Ingo[1] schrieb vor einiger Zeit in ein Soziales Medium, dass es ja Menschen gäbe, die nicht viel denken, und er finde, es sei bei den Wachteln kaum besser. Dies sei seine Weisheit des Tages.
Ich wurde darauf aufmerksam, weil mir immer wieder Mensch/Tier-Vergleiche auffallen, wenn z.B. in einer Tier-Doku vom Hirschen die Rede ist, der „auf dem Platz als Chef seinen Harem zusammen hält“, wenn „das Silberrückenmännchen als Patriarch die Gorilla-Gruppe beherrscht“ oder auch „die Störche sich ein Leben lang treu bleiben“. Die Herstellung solcher Analogien dient leider viel zu oft der Rechtfertigung unseres eigenen Verhaltens. Die Projektionen von Mensch auf Tier und umgekehrt sind immer falsch. Wie sollen sie auch richtig sein, kennen doch die weitaus meisten Dokumentatoren, Journalisten und auch Naturwissenschaftler nicht einmal mehr unser eigenes natürliches Verhalten (Vgl. Uhlmann 2015).

Es ging Ingo aber erstmal um die „Dummheit der Tiere“, insbesondere der Wachteln. In meiner…

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Existenz, Bewusstsein und Wahrheit

Die Spezies Mensch lebt auf diesem Planeten seit etwas mehr als einer Million Jahren. Sie entwickelte sich aus Lebewesen, von denen auch die heutigen Menschenaffen, die nächsten Verwandten, abstammen. Daraus folgt, dass Menschen zur Fauna des Planeten Erde gehören. Die Spezies Mensch hat im Laufe ihrer Entwicklung ein Bewusstsein erlangt, das ihr vieles ermöglichte. Leider führte dieses Bewusstsein auch in eine Fehlentwicklung, die wir heute in der patriarchalen Gesellschaft erkennen können, welche den überwiegenden Teil des Planeten bevölkert.

Die Menschen wurden irgendwann in ihrer Entwicklungsgeschichte sich ihrer selbst bewusst. Inzwischen wissen wir, dass Menschen nicht die einzige Spezies ist, die über diese Fähigkeit verfügt. Möglicherweise ist dieses Selbst-Bewusstsein im Tierreich sogar viel weiter verbreitet als bisher angenommen.

Doch Bewusstsein ist nicht identisch mit Existenz. Für bewusste Lebewesen wie die Spezies Mensch müsste dies eigentlich offensichtlich sein. Ist es aber nicht. Descartes hat gesagt: „Ich denke, also bin ich.“ Das ist zwar richtig, mit meinen Worten formuliert lautet die Aussage: „Wenn ich denke, muss ich auch existieren, denn wie könnte ich denken, existierte ich nicht?“ Aber auch das, was nicht denkt, ist existent. Ich drehe den Satz um: „Ich bin, also denke ich!“ Denn Bewusstsein setzt Existenz voraus. Ohne Existenz gibt es auch kein Bewusstsein, nur existierende Lebewesen sind in der Lage, ein Bewusstsein zu entwickeln.

Existenz bedeutet nicht, dass sie auch wahrgenommen wird, denn das was ist, was existiert, kann nur von bewussten Existenzen wahrgenommen werden. Diese nehmen das wahr, was sie wahrzunehmen in der Lage sind. Ein Insekt kann z. B. ganz andere Farben wahrnehmen als ein Pferd. Und doch existieren sowohl die Farben, die die Biene sieht als auch die Farben, die das Pferd sieht. Ein Hund, ein Bär, ein Pferd, ein Affe, ein Mensch sehen nachts am Himmel eine weiße leuchtende Scheibe, denn der Mond existiert. Nur die Spezies Mensch weiß inzwischen, was es mit dieser leuchtenden Scheibe auf sich hat. Doch der Mond ist, was er ist, unabhängig davon, was Lebewesen von ihm wahrnehmen.

Das, was ist, ist wahr. Unabhängig von jeder Wahrnehmung, und damit von jedem Bewusstsein. Wahrheit existiert, egal, ob sie erkannt wird oder nicht. Die bewusste Spezies Mensch lernte im Laufe der Jahrhunderttausende immer mehr Teile der Wahrheit kennen, und immer mehr Erkenntnisse kamen sowohl in das individuelle als auch das kollektive Bewusstsein. Menschen sind eine wissbegierige intelligente Spezies, die sich beobachtend, neugierig und experimentierend mit sich und ihrer Umwelt auseinandersetzte. Fußend auf ihren Beobachtungen, Erfahrungen und Erkenntnissen entstanden erste Kunstwerke, Malereien, Skulpturen, Musikinstrumente. Das Leben wurde in dieser ersten Bewusstseinsphase gefeiert. Das Offensichtliche wurde angenommen und künstlerisch verarbeitet.

Doch dann kamen Missverständnisse auf, aus denen besonders der männliche Mensch fatale Schlüsse zog. Seit Entstehung des Patriarchats verwandelte sich der klare und annehmende Blick auf die Umwelt und die Wissbegierde allmählich in ein Streben, erworbenes Wissen für eigene Vorteile zu nutzen. Offensichtliche Tatsachen wurden missinterpretiert und fehl gedeutet. Frauen gaben nicht mehr das Leben, sie wurden zu Gefäßen des männlichen „Samen“. Das Patriarchat mit allen seinen Auswirkungen, Eigentum, Besitz, Verteidigung desselben, aber auch Ausbeutung der natürlichen Bodenschätze entwickelte sich. Am fatalsten wirkte sich die kollektive Geiselhaft der Frauen durch die Männer auf die weitere Entwicklung der Menschheit aus, die bis heute anhält.

Damit sich das Patriarchat erhalten konnte, brauchte es Ideologien. Es entstanden Hierarchien mit Herrschenden und Dienenden. Die dienenden Menschen (vornehmlich Frauen) wurden mit „Wissen“ gefüttert, damit sie ihre misslichen Verhältnisse ertrugen und gegen die Unterdrückung nicht aufbegehrten. Aus den politischen Ideologien wurden Theologien mit Erfindungen von Göttern, die die irdischen Verhältnisse widerspiegelten, bis am Ende nur noch ein einziger (männlicher) Gott übrig blieb, der allein aus dem Geist zeugte. Die offensichtlichen natürlichen Wahrheiten waren komplett auf den Kopf gestellt.

So wurde die im Menschen verankerte Suche nach Wahrheit und Erkenntnis immer mehr zu einer Sinnsuche degradiert. Erst im Patriarchat suchten die Menschen, ihres eigentlichen Lebenssinns beraubt, nach der allumfassenden und einzigen Wahrheit. Da sie keine fanden, sagten sie, es gäbe keine einzige Wahrheit, sondern viele, und jeder Mensch hätte seine eigene Wahrheit. Das ist aber ein Trugschluss. Viele verwechseln Wahrheit auch mit Gott oder Spiritualität. Dabei ist und bleibt sie nur eines: Das was ist.

Wahrheit im Patriarchat zu finden ist allerdings schwierig. Alles, was im Patriarchat geborene und aufgewachsene Menschen als Glaubenssätze, Überzeugungen, Gewissheiten etc. lernen und aufgeschwatzt bekommen, entpuppt sich später oft als Irrtum, Lüge, Propaganda. Dann kann es zu so genannten „Wahrheitskämpfen“ kommen, eine Wahrheit gegen die andere, und jede Partei behauptet von sich, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Dabei geht es hier nicht um Wahrheit, sondern um Ideologien, Glaubenssätze, Überzeugungen. Kommt tatsächlich einmal Wahrheit zum Vorschein, wird sie genau mit dem Totschlagargument, sie sei ja nur „gepachtet“, schnell von der patriarchalen Bildfläche gefegt. Wenn Wahrheit sich im Patriarchat zeigt, dann wollen viele sie nicht wahrhaben. Im Gegenteil, sie wird von den ideologisch verblendeten Menschen bekämpft bis aufs Blut. Weil sie so weh tut und uns schmerzlich zeigt, in welch ungesunder Gesellschaft wir in Wirklichkeit leben. Dass wir alles, was wir bisher glaubten und als richtig angesehen haben, falsch ist. Dass wir dabei sind, den Planeten zu zerstören. Dass wir wider unserer natürlichen Soziologie leben. Dass wir untereinander nicht mehr ehrlich und wahrhaftig kommunizieren können, weil wir Tonnen von rigiden Verhaltensmustern mit uns herum schleppen.

Dazu gehört auch die notorische Opfer-Täter-Umkehr. Weil wir Frauen seit Jahrtausenden gelernt haben, dass nicht die Verursacher unserer Unterdrückung, nämlich die Männer, zur Verantwortung zu ziehen sind, sondern die Frauen, die sich dagegen wehren, bestrafen wir genau diese. Dabei sind sie die Opfer. Wir haben allzu oft erlebt, dass dem Opfer die Mitschuld bis Hauptschuld angehängt und es bestraft wird, sogar mit dem Tod. Und wir erleben es heute noch. Der Begriff „Opfer“ ist ein Schimpfwort geworden, und dem Opfer wird unterstellt, eine Opferrolle einzunehmen, den Status also selbst zu wählen. Status bleibt aber Status, das ist keine Rolle. Das spiegelt sich auf allen Ebenen. Wir Frauen suchen immer die Schuld bei uns, auch wenn uns noch so großes Unrecht angetan wurde. Aber auch Frauen werden Verursacherinnen von Missbrauch innerhalb ihres eigenen Geschlechts, z. B. durch Mobbing. Zu leiden haben darunter diejenigen, die zu ihrer Zielscheibe werden. Das sind oft gerade die, die unbequeme Wahrheiten mitteilen. Die verzweifelten Reaktionen des Mobbingopfers werden von den Umgebenden falsch eingeschätzt, und am Ende wird das Opfer genau dafür bestraft.

Wenn wir uns allerdings aufmerksam auf die um uns herum aufpoppenden Wahrheiten einlassen, statt uns dagegen zu wehren und den Übermittlerinnen den Kopf abzuschlagen, und nicht mehr den patriarchalen Glaubenssätzen folgen, können wir eine Chance bekommen, die zerstörerische Entwicklung noch zu stoppen. Wenn wir uns auf die Wahrheit einlassen, uns informieren und dann gemeinsam eine Lösung suchen. Nur informiert können wir Verständnis für uns selbst und unsere Mitmenschinnen aufbringen. Informieren wir uns aber nicht, sondern wehren ab, werden alle Lösungsbemühungen immer wieder nur in patriarchalen Kämpfen enden. Weil wir es nicht anders gelernt haben. Und es ist noch ein weiter Weg

Patriarchatslogik

Oder: Das Patriarchatsbullshitbingo

Vor gut einem Jahr entdeckte ich einen weiteren Lebensbereich, in dem ich falschen Fakten, Überzeugungen und Glaubenssätzen auf den Leim gegangen bin. Diesmal ist es einer, dessen Überzeugungen ich sogar selbst einmal vehement nach außen verteidigt habe und die sich nun als weitgehend falsch herausgestellt haben. Aber auch dieses Mal empfand ich es als eine Befreiung, endlich die Wahrheit erfahren zu haben, denn ich war dadurch wieder in die Lage gekommen, für mich selbst zu handeln.

Gemeint sind meine Irrtümer in Bezug auf mein (Über)gewicht. Seit Jahren schon und immer wieder war ich übergewichtig, zuletzt sogar adipös. Meine Überzeugungen, die ich im Laufe des Lebens rund um Ernährung und Gewicht gelernt und nie wirklich hinterfragt hatte, hinderten mich daran, aktiv etwas dagegen zu tun. Alle zusammen führten mich zu dem irrtümlichen Schluss: Ich kann nichts daran ändern. Ich bin machtlos.

Nun hatte die Bloggerin erzaehlmirnix die Idee, in Anlehnung an einen in englischen Foren geprägten Begriff, all die Mythen, Halbwahrheiten und handfesten Irrtümer rund ums Abnehmen, die leider auch durch falsche Auslegungen von Studien oder sogar einzelne Studien selbst immer wieder geschürt wurden, als „Fettlogik“ zu betiteln und als Buch (mit ergänzendem Blog) heraus zu geben. Das Buch ist ein voller Erfolg, denn es bekommt etliche gute Kritiken, ist schon längst ein Bestseller und vielen, die es gelesen haben, ging es so wie mir, sie handelten und die Pfunde purzelten. Inzwischen bin ich mit dem Abnehmen fertig und habe insgesamt 35 kg abgenommen. Mein Gewicht liegt im unteren Norrmalbereich, und es gibt inzwischen tatsächlich Leute, die mich als „zu dünn“ bezeichnen. Meine Abnehmerei verblogge ich vielleicht irgendwann noch einmal gesondert, denn mir geht es in diesem Artikel nicht um das Thema Abnehmen, sondern um die Idee der entlarvten „Logiken“. Nicht nur auf dem Gebiet rund um Gewicht, Körperwahrnehumg, Bewegung und Ernährung inklusive Essstörungen herrscht heillose Unklarheit und Verwirrung, sondern sie ist grundsätzlich ein Symptom für die Gesellschaftform und Lebensweise, in die wir gezwungen sind. Deshalb fasse ich hiermit die Mythen, Halbwahrheiten und handfesten Irrtümer rund ums Patriarchat als Patriarchatslogik zusammen.

Im Folgenden liste ich die vielen patriarchalen „Logiken“ auf und versuche, sie zu erklären. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe sie nach ersten Entwürfen auch wieder stark gekürzt, denn dieser Artikel würde sonst ausufern.

Der Mensch kannte schon immer den Zusammenhang zwischen Sexualität und Fortpflanzung.

Da schließt sich direkt die Frage an: „Woher denn?“ Menschen sind intelligente, wissbegierige Wesen, deshalb ist es nicht schwer, sich vorzustellen, dass sie Beobachtungen anstellten und aus diesen ihre Schlüsse zogen. Was für die frühen Menschen im Paläolithikum (Altsteinzeit) offensichtlich war, war dies: Neues Leben kam aus den Weibchen heraus. Sie gebaren die Kinder, und das war auch bei den von ihnen beobachteten Tieren so. Der Sexualakt stand vorerst nicht offensichtlich im Zusammenhang mit neuem Leben. Er wurde einfach praktiziert und war etwas völlig normales und gegebenes. Die Frage, wozu er nötig war, kann gar nicht aufgekommen sein, denn sie stellte sich nie. Das neue Leben kam einfach, und zwar aus den Weibchen. Das waren die Menschen, die eine Vagina hatten und nicht die mit dem Penis. Eine ganz einfache Zuordnung, die auch auf die Natur herum projiziert wurde. Aus der Erde kam neues Leben, aus den Eiern, aus dem Wasser. Es ist also gar kein Wunder, dass die frühen Menschen alles, was neues Leben gab, als weiblich ansahen. Das war selbstverständlich und es gab überhaupt keinen Anlass, dies in Frage zu stellen.

Erst als die Menschen sesshaft wurden und anfingen, Kleintiere zu halten, ging ihnen diesbezüglich ein Licht auf. Sie erkannten die Bedeutung der Sexualität und den männlichen Anteil an der Fortpflanzung. Aus der Beobachtung, dass ein einziger Stier viele Kühe befruchten kann, zogen die Menschen im Laufe der Jahrtausende den falschen Schluss, dass der Mann den Hauptanteil an der Fortpflanzung hätte. Fortan musste die Erde also befruchtet werden, sie war das Gefäß, das den männlichen „Samen“ in sich aufnahm. Der aktive weibliche Part, Leben zu geben, wurde mehr und mehr zum passiven degradiert. Aktivität wurde zusehends dem Männlichen zugeschrieben.

Der Mensch ist grundsätzlich gewaltbereit.

Wenn das wirklich so wäre, dann wäre die Spezies Mensch längst ausgestorben. Wer die Weise, sich gegenseitig zu bekriegen, wie es heutzutage zwischen verfeindeten Menschengruppen üblich ist, auf eine natürliche biologische genetische Veranlagung zurück führen will, ignoriert die archäologischen Fakten. Kriegerische Handlungen lassen sich erst ab der neolithischen Revolution nachweisen. Sie waren im Paläolithikum unbekannt und auch gar nicht notwendig, im Gegenteil, sie hätten dafür gesorgt, dass die wenigen existierenden Menschen sich selbst ein schnelles Ende gesetzt hätten. Das aber tut keine Spezies. Die Natur ist auf das Überleben der Art ausgerichtet, nicht auf die eigene Ausrottung. Ein sich gegenseitiges Töten kommt in Arten erst dann vor, wenn bestimmte Umstände dazu zwingen, bei Überbevölkerung zum Beispiel. Dies hat man auch bei Ratten nachgewiesen. Überbevölkerung ist aber ein krankhafter Zustand, auf den auch entsprechend krankhaft reagiert wird. Auch nachgewiesener Kannibalismus ist keine Erklärung für eine grundsätzliche Gewaltbereitschaft der menschlichen Spezies. Er kommt bei vielen Spezies bei akuter Nahrungsknappheit vor. Archäologische Funde, die rituellen Kannibalismus beim Menschen belegen sollen, sind mit Vorsicht zu genießen und genau zu datieren. Ritueller Kannibalismus kommt erst in patriarchalischen Gesellschaften mit herrschaftslegitimierenden Religionen vor. Kannibalismus als Beleg für die Gewaltbereitschaft der Spezies Mensch taugt also nicht.

Die Natur ist grausam, das Patriarchat schützt die Menschen vor ihr.

Die Natur ist weder gut noch böse. Vor allem ist sie absichtslos. Sie ist ein Kreislauf des Lebens, zu dem sowohl Geburt als auch Tod gehören. In diesem ganzheitlichen Kontext wurde die Natur von den in ihr lebenden Wesen erfahren, also auch von der Spezies Mensch. Es war für die Altsteinzeitmenschen etwas ganz normales, an Tod und Wiedergeburt zu glauben. Sie waren also eingebettet in den Kreislauf der Natur, und standen ihr nicht feindlich gegenüber, so wie die Menschen sich erst im Patriarchat gegen sie wandten, um sie zu beherrschen und letztendlich auszubeuten. Um dies zu legitimieren, wurde die Natur, genau wie alles weibliche, verteufelt und als grausam tituliert. Anstatt in ihr aufzugehen und mit ihr zu leben, kämpft der Mensch gegen sie in seinem Irrtum, sie besiegen zu müssen. Dabei sind die Menschen ein Teil von ihr. Der patriarchale Mensch (Mann) sieht sich aber lieber nicht als Teil von irgend etwas, sondern als Beherrscher von allem. Auch der Glaube, hinter allem müsse irgend ein göttliches Konzept oder ein göttlicher Sinn stehen, ist den Mythen des Patriarchats geschuldet.

Geschlecht ist ein soziales Konstrukt und sitzt im Kopf, nicht in den Organen.

Dieser Irrtum hat seine Wurzeln im Feminismus und ist ein Missverständnis einer Aussage von Simone de Beauvoir, die in ihrem Werk „Das andere Geschlecht“ (1949) die These vertritt, dass Menschen nicht als Frauen (oder Männer) geboren werden, sondern von der Gesellschaft dazu gemacht werden. Das Missverständnis beruht darauf, dass nicht zwischen biologischem Geschlecht und zugewiesener Rolle unterschieden wurde. Dieser Unterschied wird leider bis heute nicht erkannt, sondern ignoriert oder gar verleugnet. So ist der Queerfeminismus inzwischen zu einem ideologischen Transkult verkommen, der nicht wahrhaben will, dass die beiden Geschlechter (und alle intersexuellen Zwischenformen) existieren und biologische Realität sind. Manche behaupten, es gäbe so viele Geschlechter wie es Menschen gibt. Eine fatale Verwechslung von Geschlecht und Persönlichkeit.

Ohne Männer gäbe es auch keine Mütter.

Der Mann ist so wichtig, dass er nicht müde wird, immer wieder zu betonen, dass zur Fortpflanzung eben zwei gehören und dass es ohne ihn ja auch die Frauen nicht gäbe. Dass dies für beide Geschlechter gilt, bleibt dabei unerwähnt. Unerwähnt bleibt auch, dass es in der Natur durchaus vorkommen kann, dass eine Fortpflanzung auch ohne männlichen Part stattfindet.

Spermium = Same

Das ist eine Falschinformation. Die Bezeichnung „Same“ definiert die Anlagen eines Keimes, die komplett vorhanden sein müssen, damit daraus ein vollständiges Lebewesen entsteht. Also kann ein Spermium kein Same sein. Eher fällt der Eizelle diese Definition zu, denn in ihr sind bereits alle Dinge angelegt, die nötig sind, damit sie keimen kann. Auch die Umgebung ist schon vorhanden. Das Spermium trägt lediglich den zweiten Chromosomensatz für das neue Lebewesen bei und ist ansonsten so ausgestattet, dass es in der Lage ist, in die Nähe einer Eizelle zu gelangen. Es hat eher den Status eines Pollenkorns oder einer Spore.

Männer sind für das Befruchten zuständig, Frauen für das Nähren.

Diese Sichtweise blendet völlig aus, welch großer Anteil am Arterhalt von der Natur für die weiblichen Lebewesen vorgesehen ist. Welches Geschlecht hat bei vielen Tieren und auch bei der Spezies Mensch den größeren Aufwand bei der Fortpflanzung und der Aufzucht der Jungen? Das weibliche. Nach dem Eindringen des Speriums in die Eizelle entwickelt sich der Embryo, wird neun Monate lang im Mutterleib ernährt. Dann erfolgt die Geburt, die kein Spaziergang ist, und danach jahrelanges Stillen und Aufzucht.

Das Patriarchat war schon immer da und ist die natürliche Lebensform des Menschen.

Alle archäologischen Funde und Erkenntnisse sprechen dagegen. Leider werden diese Fakten verschwiegen, geleugnet, unter den Teppich gekehrt, umgedeutet, in ihrer Bedeutung verkannt oder fehlinterpretiert.

In der Steinzeit war der Mann Jäger, die Frau Sammlerin.

Grundsätzlich mag das stimmen, doch wird in diesem Kontext immer wieder das überlegene Jägertum gegenüber der sammelnden Tätigkeit überbetont. Dabei wurden 3/4 des Nahrungsbedarfs der Menschen im Paläolithikum über das Sammeln von Früchten, Samen, Eiern, Nüssen etc., seltener auch durch Fische gedeckt. Ein Tier zu erlegen war ein Glücksfall, und es ist keineswegs sicher, ob  sich an der Jagd nur die Männer beteiligt haben.

Vater – Mutter – Kind ist die ursprüngliche Kernfamilie.

Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Paar- oder Kleinfamilie wie sie seit Jahrtausenden existiert und die wir bis heute als normal und selbstverständlich ansehen, in Wahrheit den Kern des Patriarachats darstellt. Die Kleinfamilie steht in krassem Widerspruch zu der natürlichen Sippengemeinschaft der Spezies Mensch, die die längste Zeit der Menschheit auch gelebt wurde. In der Kleinfamilie trägt die Mutter die alleinige Verantwortung für die Kinder, ist komplett isoliert und mit ihrer Belastung, die sie nur mit einer Person teilen kann, nämlich dem Vater, überfordert. Der Vater denkt in den wenigsten Fällen daran, wirklich die Hälfte der Verantwortung zu übernehmen, im Gegenteil. In den meisten Fällen bleibt die Arbeit rund um die Kinder und den Haushalt an der Frau hängen. Dennoch wird von ihr erwartet, dass sie so schnell wie möglich wieder erwerbstätig wird. Dass das nicht funktioniert, wird mit der großen Zahl alleinerziehender Mütter deutlich, die geradewegs in die Altersarmut steuert.

Der Mann hat schon immer Frau und Kind versorgt und war das Oberhaupt der Familie.

Familie gibt es erst, seit es das Patriarchat gibt. Sie stellt den Herrschaftsbereich eines einzelnen Mannes dar, der gegenüber der Frau privilegiert ist. Diese Behauptung dient dazu, die Frauen mit einem falschen Biologieargument in ihrer misslichen Lage zu halten. Dieses Argument führt übrigens dazu, dass sich gerade Frauen gegen die Biologie stellen, weil sie sie als etwas beschränkendes und  bevormundendes erleben. Doch nicht die Biologie macht Frauen unfrei, sondern die isolierende Kleinfamilie.

Gewalt und Krieg gab es schon immer und sind etwas ganz normales.

Erst, als es darum ging, Privateigentum zu beanspruchen, zu erobern und zu schützen, entwickelte sich auch die Gewaltbereitschaft dazu. Privateigentum begann mit den zu beackernden Landflächen, mit den Rinderherden, die umso wertvoller waren, je mehr Köpfe (Capites, daraus entwickelte sich der Begriff „Kapital“) die Herde hatte. Einige Menschen verfügten nun über mehr Ressourcen als andere, was zu Unfrieden und Streit, in letzter Konsequenz zu Gewalt und Krieg führte. Das setzt sich bis heute fort und zeigt mehr als deutlich die schädlichen Auswirkungen des Patriarchats.

Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt und gab es schon immer.

Die Prostitution entwickelte sich aus der Tempelprostituion und dem Ritual der „Heiligen Hochzeit“, welche nichts anderes als eine öffentlich zelebrierte Vergewaltigung darstellt. Auch die heutige Prostitution ist nichts anderes. Sie ist nicht das älteste Gewerbe der Welt, denn vor dem Patriarchat gab es keine. Sie ist also schlicht das Gewerbe des Patriarchats.

Wir waren schließlich damals nicht dabei!

Das Totschlagargument in der Archäologie par excellence. Natürlich waren wir das nicht. Aber wir können heute aus den archäologischen Funden, aus den Gegebenheiten der heutigen Welt, aus unserer Geschichte, aus unseren Gefühlen und dem gesunden Menschenverstand sehr wohl Rückschlüsse ziehen auf die natürliche Lebensweise der Spezies Mensch. Dass es so, wie sie jetzt lebt, nicht natürlich und nachhaltig arterhaltend sein kann, ist offensichtlich.

Die zahlreichen Frauenfigurinen dürfen auf keinen Fall mit Göttinnen gleichgesetzt werden.

Doch. Denn genau das waren sie. Sie werden ja offiziell als „Venus“ bezeichnet („Venus von Willendorf“, „Venus von hohle Fels“, „Venus von Moravany“ etc.). Venus aber war bereits eine Göttin aus dem römischen Götterpantheon, die einem Göttervater (Jupiter) untergeordnet war. Die Archäologie hat inzwischen eingelenkt und bevorzugt „Frauenstauetten“, was ihnen allerdings in keiner Weise gerecht wird, denn wie schon weiter oben dargelegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass die paläolithischen Menschen ausschließlich das Weibliche als göttlich angesehen hatten.

Religionen kann jeder ausüben wie er will und haben mit Patriarchat überhaupt nichts zu tun.

Alle, ausnahmslos alle Religionen, auch Buddhismus uns Hinduismus, basieren auf dem Patriarachat. Sie dienen dazu, die irdischen Herrschaftsverhältnisse zu legitimieren und die Menschen, die in der Hierarchie weit unten stehen, im Glaube zu lassen, ihre misslichen Lebensumstände seien gottgewollt und hätten direkt etwas mit ihnen selbst zu tun.

Jeder Mensch braucht Religion und seinen Glauben.

Jeder Mensch braucht Spiritualität. Diese entwickelt sich beim Einssein mit der Natur. Was der Mensch keineswegs braucht, ist ein männlicher aus dem Geist zeugender Gott. Doch da die Menschen im Patriarchat verlernt haben, eins zu sein mit der Natur, führt die unerfüllte Sehnsucht zu Ersatzmythen, Religionen genannt. Tatsächlich aber bedeutet Religion „Zurückbindung“ aus dem lateinischen Wort „religare“, mit dem Zusatz versehen „an Gott“. Dieser ist aber dem Begriff „Religion“ erst im Patriarchat hinzu gesetzt worden. Eine Rückbindung geschieht ausschließlich an die Natur innerhalb des Kreislaufs des Lebens.

Das Patriarchat hat viele kulturelle Errungenschaften hervor gebracht, z. B. die Schrift.

Die kulturellen Errungenschaften sind in Wirklichkeit Hilfsmittel, um patriarchalische Gegebenheiten zu erhalten und zu stützen. So ist die Schrift erfunden worden, um festhalten zu können, wer wo wohnt und lebt, wer zu wem gehört, und was er besitzt. Die Personalisierung der Menschen im Volk durch Festlegen des Namens, seiner Staatszugehörigkeit etc. ist durch die Schrift erst möglich geworden. Auch dient sie, wie wir alle wissen, nicht nur zum Festhalten von Fakten und Tatsachen, sondern eben auch ganz im Gegenteil zur Verbreitung von Mythen und Propaganda. Schriftlich festgelegt ist auch die staatliche Verfassung und alle Rechts- und Gesetzestexte, die ein Staat so braucht, um das Zusammenleben zu regeln. Dass es nicht mehr natürlich funktioniert, sondern kontrolliert und sanktioniert werden muss, ist ein weiterer Hinweis auf das Patriarchat.

Wenn es etwas anderes als das Patriarchat gegeben hat, dann war es ein Matriarchat, das aber noch viel kriegerischer war als das Patriarchat.

Das ist eine Falschbehauptung, die einzig dem Zweck dient, die matrifokale Lebensweise der Altsteinzeitmenschen zu diffamieren. Leider ist der Begriff „Matriarchat“ im Mainstream bereits als (noch viel schlimmeres) Patriarchat mit umgekehrten Vorzeichen derart verankert, dass es schwer ist, die Fakten richtig zu stellen.

Patriarchale Gesellschaften sind unzivilisierte Gesellschaften, wo Krieg und Terror herrschen.

Ein Irrum der westlichen Zivilisationen. Westliche Menschen denken, sie lebten in einer aufgeklärten, modernen Gesellschaft, wo Demokratie herrscht, Gleichberechtigung in weiten Teilen umgesetzt ist und das Rechtsstaatsprinzip gilt. Freiheit und Vielfalt sind die Werte, die in vielen muslimischen Staaten nicht gelten. Es stimmt, in solchen Staaten kommt das Patriarchat noch sehr archaisch und leicht erkennbar daher, doch das darf keinesfalls zu dem nächsten Trugschluss verleiten:

In der westlichen Zivilisation ist das Patriarchat doch längst abgeschafft.

Leider nein, im Gegenteil. Die westliche Zivilisation ging aus dem Patriarchat hervor trotz diverser Errungenschaften wie die von Feministinnen erkämpften Rechte der Frauen in den letzten hundert Jahren. Dass es derzeit so viele Backlashs gibt, ist nur ein weiteres Zeichen dafür, dass das Patriarchat keineswegs daran denkt, sich abschaffen zu lassen.

Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Obwohl dieser Satz in Artikel drei des Grundgesetzes festgelegt ist, stimmt er einfach nicht. Frauen werden im Patriarchat nach wie vor benachteiligt, und zwar in allen Bereichen. Viele Frauen, besonders die liberalen Feministinnen, wollen das aber nicht wahrhaben und denken, sie könnten ein gutes Leben im Patriarchat führen. Doch spätestens wenn Kinder da sind, werden sie eines besseren belehrt werden. Dann werden sie merken, wie anstrengend es ist, Kinderaufzucht und gleichzeitige Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bringen, wie oft sie dabei an ihre kräftemäßigen Grenzen stoßen, und das jahrelang, 24/7. Die Männer dagegen beteiligen sich nur soweit wie sie eben wollen. Sie haben eine Wahl, die Frauen nicht.

Die Familie ist die Basis der Gesellschaft.

Richtig. Und zwar die des Patriarchats. Eine Gesellschaft ist übrigens immer patriarchalisch, im Gegensatz zu der matrifokalen sanguinen (blutsverwandten) Sippengemeinschaft.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Artikel eins des Grundgesetzes ist eine patriarchalische Falschbehauptung. Würde ist bereits durch die nicht artgerechte Lebensweise längst nicht mehr gegeben.

Abschlussbemerkungen

Hier komme ich zurück auf den im ersten Abschnitt erwähnten Begriff „Fettlogik“ und dessen Zusammenhang mit dem Patriarchat. Jede Fettlogik bewirkt, dass jemand in dem Glauben bestärkt wird, nichts an der eigenen Gewichtssituation ändern zu können (egal, ob zu dick oder zu dünn, wobei die Adipositas bei weitem am häufigsten vorkommt). Jede Patriarchatslogik bewirkt, dass die darin lebenden Menschen in ihren Mythen und Glaubenssätzen verharren und nicht anfangen, die Gesellschaft, in der sie leben, zu hinterfragen. Im Patriarchat ist alles, wirklich alles, auf den Kopf gestellt worden. In jedem Lebensbereich ist der Bullshitanteil im Gegensatz zu den Fakten unverhältnismäßig hoch. Ich sehe das Thema „Fettlogik“ als einen Teilbereich des Patriarchats an. Mit anderen Worten: Auch Fettlogiken sind Patriarchatslogiken.

Im Gegensatz zu den Fettlogiken sind die Patriarchatslogiken zwar zu hinterfragen und zu durchschauen, aber die Erkenntnisse darum sind nicht so ohne weiteres dazu geeignet, sofort und nachhaltig etwas ändern zu können, schon gar nicht an der eigenen Situation, die ja durch das Patriarchat bedingt ist. Die Menschen im Patriarchat sind darin geboren und aufgewachsen. Die Tatsache, dass wir im Patriarchat leben, mag manchen sehr ungangenehm sein, wird von vielen (vornehmlich Männern) geleugnet, denn wir einzelne Menschen können vorerst gar nichts daran ändern. Das ist für manche sehr schwer zu ertragen, und auch mir ging es so, als ich anfing, eins und eins zusammen zu zählen, in Aussichtslosigkeit zu verfallen angesichts der Ohnmacht gegenüber den wahrhaft umhauenden Fakten. Ich ahnte, dass es schlimm ist,  aber dass es so schlimm ist, wollte auch ich erst nicht wahrhaben. Alle Bemühungen vieler Frauen und Mütter, ein gutes Leben im Patriarchat zu führen, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn es sind nichts als Trostpflaster, die nur die Symptome lindern. Das gesamte Gesellschaftssystem muss hinterfragt und geändert werden.

Dazu ein paar einfache Dinge: Ein Staat besteht aus einem Volk, einem (abgegrenzten) Land und einer Verfassung. Wenn nur eines davon fehlt, ist es kein Staat. Wie leben indigene Völker? Sie haben weder ein abgegrenztes Land noch eine Verfassung. Brauchen sie einen Staat, um zu leben, vor allem gut und artgerecht? Natürlich nicht. Und ich meine es so, wie ich es sage:  Natürlich nicht. Nun ist es utopisch, anzunehmen, es sei möglich, Staaten, deren Regierungen und die begrenzten Länder mal eben abszuschaffen. Dazu müsste sich zunächst ein tiefes Verständnis zur Entstehung und Auswirkung des Patriarchats entwickeln. Das geht nur mit Aufklärung und Faktenwissen. Ganz sicher nicht durch Faktenverleugnung, Faktenverdrehung und Faktenverschweigung. Im Patriarchat indes ist alles ins Gegenteil verkehrt. Kommen Fakten ans Licht, die es in Frage stellen, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, sie als falsch zu deklarieren. Man kann es derzeit sehr schön an den Weltereignissen beobachten. Das einzig tröstliche daran: Die Faktenleugnung ist derzeit so offensichtlich, dass selbst die verblendetsten Menschen merken, dass etwas schief läuft. Von einer nachhaltigen Abschaffung des Patriarchats sind wir trotzdem noch Lichtjahre entfernt.

Aber ich bin dennoch zuversichtlich, denn ich weiß jetzt, wie ich damit umgehe. Ich schreibe meine Erkenntnisse und die Fakten auf, wie es auch Gabriele Uhlmann, Stephanie Gogolin, Kirsten Armbruster, Gerhard Bott und viele andere schon längst tun. Hinter eigene Erkenntnisse kann nicht zurückgefallen werden. Sie werden sich trotz der patriarchalen Widerstände verbreiten.

Die Ursachen der Gewalt gegen Frauen

Kürzlich wurde mir von einer Mutter die Frage gestellt, warum Gewalt gegen Frauen so verbreitet ist und auch noch „institutionell“ gefördert bzw. dagegen so wenig getan wird. Auch wollte sie wissen, was dies mit Matrifokalität zu tun hat.

Dazu muss ich ein wenig weiter ausholen und sehr weit in die Menschheitsgeschichte zurück gehen.

Die Menschen in den heutigen Zivilisationen, im Gegensatz zu vielen verbliebenen indigenen Völkern, die es noch auf der Erde gibt, leben seit einigen tausend Jahren in einer Gesellschaftsform, die sich immer weiter von ihrer natürlichen sozialen Lebensweise entfernt. Die Gesellschaftsform heißt Patriarchat, was „Väterherrschaft“ bedeutet, und entstand vor ca. 8000 Jahren am Ende der Altsteinzeit in der Steppe, in Europa mit Beginn der Jungsteinzeit vor 7000 Jahren.

Die Lebensform, in der die Menschheit die längste Zeit ihrer Geschichte existierte, wird heute von den PatriarchatsforscherInnen und -kritikerInnen als matrifokal bezeichnet. Matrifokal bedeutet „Mütter im Zentrum“. Viele benutzen auch den Begriff „matriarchal“, doch ist dieser aus Sicht einiger Denkerinnen erstens überholt, weil er übersetzt als „Im Anfang die Mutter“ die tatsächliche Lebensweise der Sippen im Paläolithikum nur ungenau trifft, zweitens, weil er vom Mainstream als „Mütterherrschaft“, damit als Pendant zum Patriarchat mit umgekehrten Vorzeichen missgedeutet wird und weiterhin von einigen Feministinnen als politischer Kampfbegriff benutzt wird. Es geht in der Patriarchatsforschung aber nicht um Politik, sondern in erster Linie um Aufklärung und saubere und wissenschaftlich belegbare Begriffsdefinitionen.

Die paläolithische Sippe setzte sich aus blutsverwandten (konsanguinen) Menschen zusammen. Die Größe der Sippen ist mit ca. 70-100 Individuen nachgewiesen. In ihr lebten Mütter, Schwestern, Kinder, Großmütter, Tanten, Onkel und Brüder. Die biologischen Väter der Kinder lebten ihrerseits in ihrer eigenen Sippe und kümmerten sich, wie alle Individuen innerhalb der Sippe, um die Aufzucht der Kinder ihrer Schwestern und Mütter.

Wie kam es nun zur Änderung dieser friedlichen, sozialen und für alle Menschen beglückenden Gemeinschaftslebensform? Die Gründe für die Entstehung des Patriarchats sind vielschichtig. Sie fand schleichend statt mit der Domestizierung von zunächst Kleintieren wie Schafen und Ziegen, später Rindern und noch später Pferden. War die Tierhaltung ursprünglich ein reines Adoptieren und Aufziehen von mutterlosen Tierkindern innerhalb der matrifokalen Sippe, entwickelte sie sich im Patriarchat zur Nutztierhaltung und in letzter Konsequenz zur Tierzucht. War die biologische Vaterschaft bis dahin den Menschen unbekannt und somit auch völlig irrelevant, so entdeckten sie mit der Tierhaltung den Anteil und die Bedeutung der männlichen Tiere, also auch des Mannes, für den Fortpflanzungsprozess. Aus diesen offensichtlichen Tatsachen zogen die Männer den irrigen Schluss, dass sie allein es sind, die das Leben weiter geben und die Frauen und weiblichen Tiere lediglich das Gefäß ihrer „Samen“ darstellten. Biologisch gesehen ist das Spermium eher mit Pollen vergleichbar und nicht mit Samen, denn in Samen sind schon sämtliche Anlagen vorhanden, die der Keimling zum Wachsen und Leben braucht. Das trifft auf Pollen, somit auf das Spermium, nicht zu, wohl aber auf die Eizelle. Ihr gebührt also in Wirklichkeit der Status „Same“.

Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte war es den Menschen offensichtlich und auch unhinterfragt, dass das Leben aus den Frauen kam. Dies belegen tausende von altsteinzeitlichen Urmutterstatuetten, die bis zu 38000 Jahre alt sind (Update: Es gibt  sogar  Statuetten, die weitaus älter sind, die älteste wird auf 300 000 – 500 000 Jahre geschätzt (Quelle)). Der Irrtum der Männer basiert, wie Gabriele Uhlmann in ihrem Buch „Der Gott im 9. Monat“ sehr klar belegt, ganz offensichtlich auf einem Gebär- sowie Stillneid. Erst nach der Erkenntnis des Anteils des Mannes an der Fortpflanzung tauchten die ersten Phallusskulpturen als Fruchtbarkeitssymbole auf, die weiblichen Figurinen verschwanden nach und nach. Durch Naturkatastrophen bedingte Völkerwanderungen sorgten für Mangelnöte und Begegnungen von nomadisierenden, schon patriarchalisierten Menschen mit noch matrifokal lebenden. Mit dem Ackerbau, aber ganz besonders mit der Viehzucht gewann das Privateigentum immer mehr an Bedeutung im Gegensatz zum Gesamthandseigentum der hauptsächlich sammelnden und zusätzlich jagenden Sippengemeinschaften. Es kam zu aggressiven Auseinandersetzungen um Weide- und Ackerland. Das entstehende Patriarchat brauchte Privateigentum und Abgrenzungen. Mit Beginn des Bergbaus entstanden Hierarchien mit Herrschern an der Spitze, die weniger Privilegierte für sich arbeiten ließen. Der Kapitalismus mit all seinen kriegerischen Auseinandersetzungen war geboren. Gleichzeitig entstanden die ersten politischen Theologien, die den Zweck hatten, die irdischen Herrschaftsverhältnisse zu legitimieren und die Bevölkerung dazu zu veranlassen, ihre misslichen Lagen als gottgewollt zu akzeptieren.

Doch nicht nur das Zusammenleben der Menschengruppen nahm Schaden, sondern ebenfalls die soziologische und zwischenmenschliche Struktur und die Beziehungen untereinander. Basierend auf ihrer irrigen Schlussfolgerung sorgten die Männer fortan dafür, sicherzustellen, dass die von ihnen ausgewählten Frauen auch „ihre“ Nachkommen gebaren. Das biologisch festgesetzte Recht der Frau auf ihre sexuelle Selbstbestimmung, die female choice, wurde damit immer mehr außer Kraft gesetzt. Das gipfelte zuletzt darin, dass ein Mann eine Frau oder mehrere allein für sich beanspruchte. (Anmerkung: Der Vergleich mit einer Herde Rehe, wo ein Platzhirsch alle Ricken allein begatten darf und diese das über sich ergehen lassen, ist ein Trugschluss. Auch hier sind es die Weibchen, die wählen. Sie paaren sich durchaus auch mit anderen Hirschen. Wie sehr die patriarchale Brille uns die Sicht auf die Natur verzerrt hat, soll hier nicht erläutert werden und ist ein anderes Thema.) Die daraus resultierende Lebensform veränderte sich von der matrifokalen und matrilokalen Sippe zur patrilokalen (patrilokal: Es wird dort gelebt, wo der Vater lebt) Kleinfamilie. Damit waren die Frauen isoliert und den Männern in jeder Hinsicht ausgeliefert. Mütter fanden keinen Rückhalt mehr in ihrer sanguinen Verwandtschaft, sondern waren auf Gedeih und Verderb der blutsfremden, jetzt „Familie“, des biologischen Vaters ausgesetzt. Dieses Modell des Zusammenlebens hat sich bis heute in seiner Grundstruktur nicht geändert und ist seitens der Theologie und Politik als Ehe institutionalisiert.

Damit das Modell Ehe und Kleinfamilie nicht in Frage gestellt wird, verbreitet das Patriarchat Propaganda in Form von Märchen rund um die Ehe und verklärt sie romantisch. Nur so ist es zu erklären, dass der Heiratswunsch bei jungen Frauen nach wie vor ungebrochen ist, ebenso wie der männliche Anspruch, „seine“ Frau inklusive der gezeugten Kinder gehörten jetzt ihm (dies ist den wenigsten übrigens wirklich bewusst, weder den Frauen noch den Männern). Auch die patriarchale Denke, Frauen hätten ihm zur Verfügung zu stehen bei der Inanspruchnahme seines Rechts auf Sex, hat sich in seinem Kopf eingenistet und zeigt sich deutlich in der Verharmlosung, Legitimierung und gesellschaftlich immer mehr akzeptierten Prostitution. Ist eine Ehe erst einmal geschlossen und wurden Kinder geboren, kann diese Entscheidung insbesondere für die Frau sehr gefährliche Konsequenzen haben. Im trostlosen Ehealltag, in der Patriarchatspropaganda nirgendwo erwähnt, zeigt sich immer deutlicher, welchen Belastungen und Defiziten die in ihr lebenden Menschen ausgesetzt sind. Die Frau realisiert, dass sie gefangen ist und mit ihren Kindern allein gelassen und überfordert, der Mann, dass die Versprechen, die das Patriarchat ihm mit der Eheschließung zugesagt hat, keineswegs eingehalten werden. Die Frau rebelliert, der Mann reagiert frustriert, dann aggressiv, die Gewalt ist nicht mehr weit. Psychologisch nennt man diesen Vorgang Eskalation. Das Eskalationspotential in der Kleinfamilie ist gewaltig. Es ist ein Wunder, dass es dennoch Ehen gibt, die einigermaßen friedlich ablaufen. Doch die Regel ist das bei Weitem nicht, im Gegenteil, diese Zusammenlebensform erzeugt immer Mängel, es gibt keine Kleinfamilien ohne Zwänge.

Der Grund, warum gegen diese Partnergewalt so wenig getan wird und warum sie sogar im Erstarken der Väterrechte gefördert wird, liegt in der widernatürlichen Gesellschaftsform Patriarchat. Das Patriarchat aber tut alles, um seinen Status zu erhalten, denn stellte es sich selbst in Frage, käme es zu Erkenntnissen, die zu seiner Abschaffung führten. Das verhindert es durch Tatsachenverdrehungen, Auf-den-Kopf-stellen, Verleugnen, Verschleiern, Unterwandern. Grundlegend ändern kann sich das erst, wenn sich die Menschen darüber bewusst werden, wie defizitär sie eigentlich leben, sich rückbesinnen auf das, was tatsächlich mal war (insofern: Ja, zurück in die Steinzeit!) und was unter einer menschenfreundlichen, krieg- und gewaltlosen friedlichen Gemeinschaft wirklich verstanden werden muss. Ganz gewiss nicht die glückliche Familie mit zwei Kindern im Einfamilienhaus, die es nicht gibt.