Patriarchat abschaffen: So wird das nix

Oder: Warum es zutiefst patriarchal ist, sich gegen Selbsterkenntnis zu wehren

Ich habe mitbekommen, dass sich unter den Matriarchatsverfechterinnen rund um Heide Göttner-Abendroth und den Matrifokaldenkerinnen ein Schlagabtausch entwickelte, und zwar aufgrund eines Artikels über die Frage, ob es matriarchale Gesellschaften gibt oder gab. Dieser Umstand inspirierte mich zu einem neuen Artikel.

Dieser Schlagabtausch zwischen den Matriarchatsverfechterinnen und den sich auf dem logischen und richtigen Weg befindenden Matrifokaldenkerinnen ist typisch für patriarchales Konkurrenz- und Positionsgerangel. Es ist wichtig, sich als patriarchaler Mensch, also auch als patriarchale Frau, als sozialisiert in der hierarchischen, mangelbehafteten ungesunden und dysfunktinonalen Gesellschaft Patriarchat zu verstehen. Dazu gehören auch problematische und ausgesprochen wenig hilfreiche bis toxische Verhaltensweisen. Alle Menschen im Patriarchat weisen diese auf, Matriarchats- und Patriarchatsforscherinnen eingeschlossen. Um diese an sich selbst zu entdecken, bedarf es jahrelanger Übung in Selbstreflexion, aber diese Arbeit und Zeit muss investiert werden, um die eigenen problematischen Verhaltensweisen aufzudecken, und erst dann ist man auch in der Lage, sie an anderen zu erkennen. Sie ist aber unabdingbar nötig, um das toxische patriarchale Verhalten, das wir alle mehr oder weniger zeigen, zu erkennen und abzulegen.

Auch wenn ich mich noch nicht so lange und intensiv mit der Geschichte und der Entstehung des Patriarchats beschäftigt habe wie einige Patriarchatsforscherinnen, so habe ich doch längst den Unterschied zwischen einer hierarchischen Gesellschaft, wie das Patriarchat eben eine ist, und unserer natürlichen angeborenen Soziologie Matrifokalität verstanden. In Gesellschaft sind wir einsam, in Gemeinschaft nie. In einer Gesellschaft sind sich alle fremd, in einer Gemeinschaft kennen sich alle. Die heutigen menschlichen Gruppen im Patriarchat sind immer von irgend einer äußeren Notwendigkeit geformt. Die Menschen darin haben vielleicht gemeinsame Motive und Interessen, aber sie sind sich grundsätzlich fremd. Die Menschen im Patriarchat kennen sich nicht, und daher gehen sie auch oft so unmenschlich miteinander um. Interessen mögen manche zusammen führen, verstehen sie sich aber nicht als Mitglied einer patriarchal funktionierenden Gesellschaft, kann es zu Konflikten kommen, die ohne Selbstreflexion nicht gelöst werden können. Unverständnis, Abwehr, Missverständnisse, Projektionen und Fehlinterpretationen führen zu Entzweiungen.

Da ich mich seit Jahren, immer wieder begleitet von psychotherapeutischer Behandlung, mit meinen eigenen Annahmen, angelernten Verhaltensweisen, Irrtümern, Überzeugungen etc. beschäftige, wurde mir auch eines Tages klar, dass diese ohne das Patriarchat gar nicht existieren würden. Das Patriarchat ist also auch hier die Ursache für alles Leid. Daher wäre es bitter nötig, die Psychologie würde sich mit der Entstehung und den Auswirkungen des Patriarchats beschäftigen. Das aber tut sie nicht, die Fakten werden konsequent ignoriert. Umgekehrt jedoch braucht die Patriarchatsforschung dringend psychologisches Know-How. Die derzeitigen Patriarchatsforscherinnen aber lassen dieses Wissen vermissen. Dabei ist es dringend notwendig, um dem ewigen Schlagabtausch ein Ende zu setzen und wirklich konstruktive Möglichkeiten zu finden, das Patriarchat abzuschaffen. Wenn ich aber an bestimmte Frauen aus diesen Kreisen denke, die sogar ein ausgesprochen narzisstisches Verhalten an den Tag legen, sehe ich da keinerlei Hoffnung. Wenn eine Heide Göttner-Abendroth als „führende Matriarchatsforscherin“ bezeichnet wird, wo doch nur wieder patriarchales Hierarchiedenken reproduziert wird, sehe ich wirklich nicht die geringste Chance, unser natürliches Sozialverhalten Matrifokalität wieder zu entdecken.

Dazu muss auch folgender Irrtum erkannt werden: Das Patriarchat lässt sich nicht mit den eigenen Waffen schlagen! Patriarchale Waffen einzusetzen bedeutet, sich weiterhin im patriarchalen Kontext zu bewegen. Die eigenen patriarchalen Verhaltensweisen dazu benutzen, andere zu diffamieren, zu korrigieren, zurecht zu weisen etc. führt unweigerlich in eine Verhärtung der Fronten. Es kommt Kriegstreiberei gleich. Es wird keine Lösung angestrebt, sondern ein Gewinnen, ein sich Erheben über die Verlierer des Kampfes. Das Wissen um die Entstehung und Auswirkung des Patriarchats jedoch lässt sich nicht mit Zwang durchsetzen, sondern nur durch ein tiefgreifendes Verstehen, wie es funktioniert und was es erhält. Das Patriarchat existiert in den Köpfen. Genau dort muss es auch angegangen werden. In jedem einzelnen Kopf. Das kann nur jeder Mann und jede Frau für sich allein tun, und dazu ist Einsicht nötig. Ohne die Einsicht, die harte Arbeit der Selbstreflexion täglich zu tun und zu üben, haben wir keine Chance, das Patriarchat nachhaltig zu beenden.

Es ist wirklich wichtig, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Wir müssen unser patriarchales Verhalten hinterfragen. Wenn wir uns aber immer nur gegenseitig mundtot machen und keinerlei Einsichten zeigen, wird sich nicht das geringste ändern, sondern einfach immer wieder nur das Patriarchat reproduziert.

Patriarchat und Narzissmus

Oder: Der ewige zwischenmenschliche Eiertanz

Im Patriarchat ist die Psyche der Menschen nachhaltig gestört. Dies ist allerdings inzwischen, nach tausenden von Jahren patriarchaler Gehirnwäsche, so normal geworden, dass wir es gar nicht mehr bemerken. Wir haben Überlebensstrategien und Taktiken entwickelt, um in der Mangelgesellschaft Patriarchat zu überleben. Dazu gehört auch eine ausgesprochen problematische Kommunikation. Es geht darin nur selten um Wahrheit, Ehrlichkeit, Kennenlernen, Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit, Solidarität, Lernen, Bereichern, sondern eher darum, Diskussionen zu gewinnen, eigene Überzeugungen und Annahmen anderen, seien sie auch noch so abenteuerlich, über zu stülpen, auf Standpunkten verharren, sich über andere erheben und diese auszunutzen, zu bewerten, klein zu machen. Eigene Defizite werden auf sich anbietende Mitmenschen projiziert, um die eigene gefühlte Minderwertigkeit aufzuwerten und davon abzulenken. Urteile auf Kosten anderer werden unerbittlich und endgültig gefällt. Wahrheiten werden verdreht und auf den Kopf gestellt, geleugnet, verfälscht oder ausgeblendet. Mitgefühl und Empathie findet sich selten.

Doch ausgerechnet der Narzissmus scheint die Charaktereigenschaft zu sein, die den Menschen zu Macht, Ruhm und Erfolg verhilft. Zu beobachten ist dies u.a. daran, dass äußerst inkompetente, narzisstische Persönlichkeiten, in der Mehrzahl Männer, auf den höchsten und mächtigsten Schlüssel- und Machtpositionen sitzen. Der derzeit auffälligste dürfte der amtierende amerikanische Präsident Donald Trump sein. Aber auch in der deutschen Politik und Wirtschaft wimmelt es nur so von Führungspersönlichkeiten mit höchst problematischen narzisstischen Verhaltensweisen.

Während der Entwicklung des Patriarchats wurde die zwischenmenschliche Kommunikation immer problematischer. Sie bildet genau das ab, was das Patriarchat als solches ausmacht: Es täuscht, manipuliert, leugnet, vertuscht, verschleiert. Genau so aber gehen auch die Menschen darin miteinander um. Es ist üblich geworden, Mitmenschen nicht ernst zu nehmen, sondern für eigene Zwecke zu missbrauchen, sei es bewusst oder unbewusst. Das findet sich auf allen gesellschaftlichen Ebenen und in allen Lebensbereichen, seien es die Beziehungen in den patriarchalen dysfunktionalen Kleinfamilien, am Arbeitsplatz oder in Freundschaften.

Das Patriarchat ist höchst narzisstisch. Im Grunde besteht es aus dem Narzissmus der Menschen selbst, denn das Patriarchat sitzt in den Köpfen. Genau aus diesem Umstand aber könnte sich eine Möglichkeit auftun, es abzuschaffen. Narzissmus gehört zu den diagnostizierten psychischen Persönlichkeitsstörungen (ICD10-Code F60.8) und kann psychotherapeutisch behandelt werden. Würden wir Menschen uns darüber klar werden, dass unser problematisches Verhalten durch Selbstreflexion und therapeutische Behandlung und Begleitung geheilt werden kann, und würden wir uns darüber klar werden, dass wir durch das Verbessern des menschlichen Miteinander dem Patriarchat die Grundlage entziehen, hätte die Psychotherapie Hochkonjunktur. Doch weder weiß die Psychologie annähernd über das Patriarchat und dessen Auswirkungen Bescheid noch hat die derzeitige Patriarchatsforschung genügend fundierte psychotherapeutische Kenntnisse. Bevor es also überhaupt eine Chance zur Abschaffung des Patriarchats geben wird, wird noch einige Zeit vergehen und viel Selbsterkenntnis und Lernbereitschaft auf beiden Seiten nötig sein.

Rebloggt: Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann

Es gibt und gab nie matriarchale Gesellschaften. Gesellschaften sind immer hierarchisch, nie egalitär. Nur Gemeinschaften sind egalitär. Und: In Gesellschaft sind wir einsam. In Gemeinschaft nie.

Wahrscheinkontrolle

“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet. Von „matriarchalen Gesellschaften“ wird aber auch gern gesprochen, wenn die oberste Gottheit eine Göttin war oder ist und die Frauen „selbstbewusst“ und „emanzipiert“ gewesen sein sollen. „Matriarchale Gesellschaften“ seien egalitär und friedlich und manchmal stünde eine Königin oder sogar ein König an ihrer Spitze, die ihre Untertanen weise regierten.

Die führende Mariarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth setzt der Definition von Matriarchat als „Herrschaft der Mütter“ eine eigene dagegen:

Die begriffliche Verwirrung geht auf die scheinbare Parallele der Begriffe ‚Patriarchat’ und ‚Matriarchat’ zurück. Doch der Schein trügt! In sprachlicher Hinsicht muss man keineswegs der üblichen, vorurteilshaften Übersetzung des Begriffs als ‚Herrschaft der Mütter’ folgen. Das griechische Wort ‚arché’ hat nämlich eine doppelte Bedeutung und heißt sowohl ‚Anfang’ als auch ‚Herrschaft’. Der Begriff…

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Kommunikationsplattform Internet

Oder: Warum die Schwierigkeit, darüber zu kommunizieren, ein Mythos ist

Die Anonymität des Internets ist für viele Menschen einerseits angenehm, denn es bewahrt sie davor, die Identität preiszugeben, andererseits höchst problematisch, wenn gerade die Anonymität dazu führt, dass sich manche Trolle dahinter verstecken, um ihr toxisches Unwesen zu treiben. Zwischen diesen beiden Extremen jedoch findet allermeistens ganz normale Kommunikation zwischen mehr oder weniger Gleichgesinnten, in so genannten Bubbles, bis zu befreundeten Menschen, die sich persönlich kennen, statt. Doch die Unverbindlichkeit der sozialen Medien bietet nicht nur angenehme Vorteile wie Echtzeitchats oder Diskussions- und Meinungsaustausch zu jeder Zeit, sondern birgt ungeahnte Gefahren in der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Ohne Frage ist es schwierig, sich über konfliktbehaftete Themen über das Internet auszutauschen, denn es geht erstens viel langsamer als in einem Gespräch und hängt von der Fähigkeit der Kommunizierenden ab, die Tastatur zu beherrschen, zweitens ist es auch anstrengend, die Worte genau zu lesen anstatt sie zu hören. Andererseits jedoch ist es auch leichter, denn das, was geschrieben wurde, steht nun schwarz auf weiß da und kann jederzeit nachgelesen werden. So kann sich so leicht niemand mehr herausreden, etwas „gesagt“ oder „nicht gesagt“ zu haben.

Die Kommunikation zwischen Menschen ist im so genannten Real Life (RL) jedoch genau so schwierig bzw. leicht. Treten Konflikte auf, ist es egal, ob diese über ein Online-Medium ausgetragen werden oder von Angesicht zu Angesicht. Im RL sind zwar noch weitere Kanäle sichtbar und hörbar, über die kommuniziert wird, nämlich Gestik, Mimik, Tonfall, Sprechweise, Körperhaltung. Hinzu kommen Sympathie und Antipathie. All das ist im schriftlichen Medium nicht gegeben, diese Ebenen fehlen schlicht. Daher ist es im RL leichter möglich, z. B. zwischen der Sachebene und der emotionalen Ebene zu unterscheiden, oder aus einer sachlich vorgegebenen Botschaft einen Appell heraus zu hören. Das geschriebene Wort im Internet steht so da, wie es da steht. Doch eines gilt für die Kommunikation generell, ganz egal, wo diese statt findet: Die Empfänger entscheiden, wie sie eine Botschaft verstanden haben wollen. Ist eine Botschaft bei ihnen angekommen, obliegt es ganz allein ihrer Verantwortung, was sie damit anfangen. Umgekehrt sind die Sender selbstverständlich für ihre Botschaft verantwortlich. Es obliegt ihrer Verantwortung, ihre Botschaft so verständlich wie möglich zu formulieren und es sich bewusst zu machen, was genau sie mit der Botschaft transportieren wollen. Die näheren Fakten dazu habe ich in meinem Artikel über die Verantwortung der Empfängerschaft dargelegt.

Sind aber sowohl Sender als auch Empfänger weitgehend unreflektiert, kann es bei der Senderschaft zu verschlüsselten Subtexten auf einer emotionalen Ebene kommen, die den wirklichen Inhalt ihrer Botschaft dar stellen, während die Empfängerschaft selbst in die sachlichste und ehrlichst gemeinte Botschaft etwas hinein projiziert, was sie hören will. So kommt es vor, dass Personen die Verantwortung für ihre eigenen Kommentare und Äußerungen bzw. für ihre Reaktionen auf ernst gemeinte Botschaften nicht übernehmen wollen und statt dessen dem Internet die Schuld für die missglückte Kommunikation geben.

Doch ist eine Person geübt im Durchschauen der kommunikativen Mechanismen, ist sie also weitgehend selbstreflektiert, kann sie sowohl im RL als auch in der schriftlichen Kommunikation des Internets diese erkennen. Manche Dinge sind sogar für fast alle sofort erkennbar. Es ist nämlich gar nicht schwer, selbst in einem Medium, in dem sich nur über die Schrift ausgetauscht wird, solche Mechanismen zu erkennen, wenn genau hingesehen wird. Im Gegenteil, dadurch, dass es ja schwarz auf weiß da steht, kann es immer wieder nachgelesen werden. Daher entsteht bei manchen,  die sich in ihrer Botschaft vertan haben, auch das Bedürfnis nach Löschung. Ein unbedacht gesagtes Wort kann zwar auch nicht mehr rückgängig gemacht werden, aber darauf kann nur noch über das Gedächtnis zugegriffen werden, welches uns manchmal Streiche spielt.

Unreflektierte Menschen neigen dazu, zu lesen, was gar nicht dort steht, zu hören, was gar nicht gesagt wurde, und interpretieren ihre eigenen Ansichten, Überzeugungen und Annahmen in die so missverstandene Botschaft. Projektion ist im Patriarchat weit verbreitet und ein ausgesprochen problematisches Verhalten, was dringend hinterfragt und abgewöhnt gehört. Das geht aber nur dann, wenn die Person bereit ist, ihre eigenen angelernten Überzeugungen anzugucken, zu erkennen und abzulegen. Das ist viel Arbeit und ein langer Prozess, aber wenn es im zwischenmenschlichen Miteinander konfliktärmer ablaufen soll, kommen wir alle nicht darum herum.

Gruppendynamiken

Seit Jahrzehnten mache ich mir Gedanken über die zwischenmenschlichen Abläufe in Gruppen. Alle Menschen sind Teil von Gruppen. Am Anfang des Lebens im Patriarchat werden die Menschen in die Gruppe der Kleinfamilie, die meistens aus Mutter und Vater und vielleicht Geschwistern besteht, hinein geboren. Hinzu kommen Großeltern, Onkel, Tanten aus den Ursprungsfamilien der Mutter und des (biologischen oder sozialen) Vaters. Später im Leben erweitern sich diese Gruppen zu Kita-Gruppen, Schulklassen, Freundeskreisen, Nachbarschaften etc. Wir Menschen im Patriarchat leben in solchen von äußeren Umständen gebildeten Gruppen. Diese Gruppen sind nicht natürlich, ganz im Gegensatz zu den soziologisch ursprünglich matrifokalen Gruppen, den Sippen, in denen Menschen bis zu Beginn des Patriarchats aufwuchsen und auch für die gesamte Lebensdauer blieben.

Die heutigen patriarchalen Gruppen bergen eine ganze Menge Konfliktpotenzial. Sie sind gekennzeichnet dadurch, dass sie zunächst aus fremden Menschen bestehen, die sich zwangsläufig, aufgrund von Interessen, von gemeinsamen Zielen, von äußeren Umständen zusammen finden. Es gibt kaum bis gar keine Gruppen, in denen keine Konflikte auftreten. Es hängt vom Grad der Fähigkeit der Selbstreflexion der einzelnen Gruppenmitglieder ab, ob diese Konflikte bewältigt werden können oder nicht. In den allermeisten Fällen werden sie nicht bewältigt, sondern im besten Fall verdrängt und im schlimmsten Fall brechen sie aus, was oft zur Sprengung der Gruppe führt.

Alle Gruppen im Patriarchat entstehen mehr oder weniger aus einem Zwang heraus. Der Zwang ist aber in jedem Fall gegeben. Selbst wenn sich Gruppen allem Anschein nach freiwillig aus gemeinsamen Interessen der Teilnehmenden formieren, werden die Konflikte der einzelnen Gruppenmitglieder in diese hinein getragen, ohne dass es den einzelnen bewusst ist. Auch gemeinsame Interessen sind ein zwangsläufiger Auslöser für die Formierung einer Gruppe, weil die Interessen der einzelnen z. B. in anderen Gruppen bisher kein Gehör fanden. Gemeinsame Interessen führen dennoch fremde Menschen zusammen, die ihrerseits mit eigenen Konflikten und Defiziten beladen sind. Ist das gemeinsame Thema aber auch noch so sehr von Sachlichkeit geprägt, kann eine solche Gruppe aufgrund von unverarbeiteten Konflikten einzelner Mitglieder, die gar nichts mit der Gruppe als solche zu tun haben, in eine ungesunde Dynamik abgleiten.

Heutzutage ist es relativ einfach, sich mit Hilfe der sozialen Medien mit Gleichgesinnten in virtuellen Gruppen zusammen zu finden. Diese Gruppen stehen unter einer gemeinsamen Intention, die oft von GruppengründerInnen vorgegeben wurden und mit denen sich alle anderen zunächst identifizieren und konform gehen. Rutscht die sachliche Ebene in Diskussionen aber auf die persönliche und emotionale Ebene ab, gerät das Gleichgewicht ins Wanken und nicht selten hat dies den Austritt von Gruppenmitgliedern zur Folge oder die Gruppe löst sich ganz auf. Die Unverbindlichkeit des Internets ist ein wichtiger Faktor. Das Ausblenden der von allen Teilnehmenden eingebrachten Konflikte aber der weitaus größere, warum die Kommunikation in manchen Gruppen immer wieder schief läuft.

Ein weiterer Faktor ist die Größe der Gruppe. Sind es nur ein paar Teilnehmende und kennen sich einige von ihnen, kann es zu Cliquenbildung kommen, von denen die anderen aber nichts wissen. Bei einer sehr großen Gruppe fällt dies nicht so sehr ins Gewicht, als dass die Gruppe sich auflösen wird. In einer kleinen Gruppe aber kann es zu Mobbing und Ausschluss führen. Es sei denn, alle sind sich der Gruppendynamiken bewusst. Was in den seltensten Fällen gegeben ist.

Was ist nun diese Dynamik, die vielen Gruppen immer wieder zum Verhängnis wird und zur Entzweiung führen kann? Schwieriges Terrain. Auch wenn ich inzwischen weiß, dass alles aus dem ungesunden Leben im Patriarchat resultiert, lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten.

Der Schlüssel sind die Teilnehmenden mit ihren ganz eigenen und persönlichen Erwartungen an die Gruppe, die auf ihren persönlichen Erfahrungen, Annahmen, angelernten Überzeugungen, Bedürfnissen und auch Defiziten basieren. Das schließt die GründerInnen mit ein. Die meisten Menschen sind sich ihren eigenen Erwartungen nicht bewusst. Selbst bei Nachfrage können sie ihre Erwartungen gar nicht benennen, ja, meinen sogar, dass sie überhaupt keine Rolle spielten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Werden persönliche Erwartungen von einzelnen Gruppenmitgliedern nicht erfüllt, kommt es unweigerlich zum Konflikt. Dann fühlt sich eine von Äußerungen einer anderen aufgrund von früheren Auseinandersetzungen verletzt, obwohl diese gar nicht angesprochen wurden. Andere sind genervt von den auftretenden Betroffenheiten und ergreifen Partei. Andere wiederum halten sich aus dem Konflikt heraus, weil sie damit nichts zu tun haben wollen. Schnell kann es passieren, dass Einzelne plötzlich isoliert da stehen, weil sie einfach nur das Falsche zum falschen Zeitpunkt sagen. Selbst eine Vermittlung im Hintergrund kann zum Scheitern verurteilt sein, wenn das unterschwellige Gegeneinander nicht behoben wird. Viele sehen nicht, dass sie selbst mit einem erheblichen Anteil an der Entstehung von Konflikten beteiligt sind. Reagieren sie dann noch mit Heraushalten und Ignoranz, stehen die direkt Betroffenen allein da.

Verantwortung übernehmen für die eigenen persönlichen Befindlichkeiten, Erwartungen, Projektionen ist eine sehr schwierige Übung. Wenn es Gruppen gelingt, dies den einzelnen Teilnehmenden klar zu machen und diese das respektieren und anfangen, an sich selbst zu arbeiten, kann eine bereichernde und fruchtbare Gruppenarbeit entstehen. Bisher habe ich das selten erlebt.

Rebloggt: Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*

Wir leben im Patriarchat, und das Patriarchat züchtet, jeden Tag, in allen Lebensbereichen. Wie sehr, deckt Gabriele Uhlmann in ihrem neuen ausführlichen Artikel auf.

Wahrscheinkontrolle

Das Interview von Felix Hütten von der Süddeutschen Zeitung Online „‚Wir waren alle mal schwarz'“ mit dem Untertitel „Der Zoologe Martin Fischer und der Paläogenetiker Johannes Krause erklären, wieso es keine menschlichen ‚Rassen‘ gibt – und warum die Angst vor einer ‚Überfremdung‘ falsch ist“ (vom 24.11.2019) war Anlass, mich in einem Sozialen Medium zu diesem brisanten Thema zu äußern. Erstaunlicherweise gab es keinen Shitstorm, keine negativen Reaktion oder nur Lach- oder Wut-Smilies, wie ich es sonst gewohnt bin. Es gab erst einmal gar keine Reaktionen, ich habe die Leute schlichtweg sprachlos gemacht. Das zeigt mir auch, dass dieses Thema ein grundsätzliches ist, an dem wir das Patriarchat am besten erklären können.
Erst nach einigen Tagen machte eine gewisse „Bibi Blocksberg“ ein Herzchen unter den Post, der damit nebenbei gesagt herzlich gedankt sei!

Ich schrieb: „Natürlich haben wir unterschiedliche Gene, die Afrikaner haben keinen Neanderthaler-Anteil, den Europäern fehlt das Denisova-Gen. Den…

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Rebloggt: Vom Postpatriarchat zur matrifokalen Gemeinschaft?

Stephanie Gogolin widerlegt hier sehr ausführlich, warum es kein Postpatriarchat gibt, auch wenn es immer wieder in feministischen Kreisen so postuliert wird.

Matrifokale Gegenwart

Der Begriff Postpatriarchat ist derzeit recht gebräuchlich und deutet an, wenn ich es richtig verstehe, dass die unmittelbare Zeit nach dem Patriarchat bereits angebrochen ist. Uns wird mit diesem Begriff suggeriert, dass bereits ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat bzw. in Gange gesetzt wurde. Dergleichen kann ich nicht feststellen. Zudem hat für mich der Ausdruck Postpatriarchat so ein Flair von postapokalyptisch.

Dieser Begriff bezeichnet auch keine konkrete Gesellschaftsform, sondern bringt nur die Hoffnung zum Ausdruck: das Ende des Patriarchat ist nah. Und einige tun so als hätte sie bereits begonnen, die erleichternde Zeit danach – nach der Patriarchose, nach der fatalen Väterherrschaft, nach den gewaltverbrämten Androzentrismus. Dass wir also mit einem Bein bereits in einer, allerdings noch nicht definierten hoffungsvollen Zukunft unserer globalen Gesellschaft stünden.

Wir sollten uns eingestehen – derzeit ist (noch) gar nichts „post“. Und weder der Beginn noch das Gefüge, des zu erwartenden gesellschaftlichen Öko- und…

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